Neuauflage Knauf-Biografie: Lesung mit Wolfgang Eckert in der Werner-Bochmann-Ausstellung im Kunsthaus

20 Jahre nach der Erstauflage der Biografie über Erich Knauf „Heimat, deine Sterne“ des Meeraner Schriftstellers Wolfgang Eckert gibt es jetzt eine überarbeitete und ergänzte Auflage, die im Vergangenheitsverlag Berlin erscheint.
Zur Buchpremiere der Neuauflage mit Wolfgang Eckert sind alle interessierten Meeranerinnen, Meeraner und Gäste ganz herzlich am Donnerstag, 8. März 2018, um 18:00 Uhr in die Werner-Bochmann-Ausstellung im Kunsthaus Meerane, Markt 1, eingeladen. Der Eintritt zur Buchpremiere mit Signierstunde ist frei!
Zu Gast an diesem Abend ist auch Dr. Alexander Schug, der den Vergangenheitsverlag Berlin im Jahr 2008 gründete.

Wie Wolfgang Eckert ursprünglich auf Erich Knauf aufmerksam wurde, darüber berichtet er in der ersten Auflage der Biografie mit folgenden Worten: „Als ich vor fünfundzwanzig Jahren im Kreuzworträtsel eines heimatlichen Lokalblattes unter 4 waagerecht ‚Meeraner Schriftsteller‘ las, setzte ich geschmeichelt meinen Namen ein. Aber er passte nicht, Tage später stand in der Auflösung: Knauf...". So wurde seine Neugier geweckt. Die Suche führte ihn von Meerane nach Westberlin, wo Knaufs Witwe Erna lebte, und nach jahrelanger Recherche entstand die Biografie des Mannes, der auch den Text zum Lied „Heimat, deine Sterne“ schrieb.

Erich Knauf war einer der schillernden Publizisten der 1920er- und 1930er-Jahre. Er arbeitete als Journalist, Autor und Liedtexter. Als Redakteur einer Tageszeitung in Plauen entdeckte er den Zeichner Erich Ohser (alias e.o.plauen, bekannt für seine Vater und Sohn-Comicgeschichten) und wurde ein enger Freund Erich Kästners. 1928 wechselte Knauf als literarischer Leiter zur Büchergilde Gutenberg nach Berlin. Unter seinem Lektorat erschienen proletarische Romane. Er förderte den Schriftsteller B. Traven, sorgte für die Veröffentlichung der sozialkritischen Romane des US-Autors Upton Sinclairs und ließ verstärkt sowjetische Literatur übersetzen.
Seine Kritik an einer „Carmen“-Aufführung brachte ihn 1934 in Schutzhaft im KZ Oranienburg. Von 1936 bis 1944 arbeitete er als Pressechef bei einer Filmproduktionsfirma. Im März 1944 denunzierte jemand Knauf als auch Erich Ohser. In der U-Haft beging Ohser Selbstmord, Knauf wurde wegen „defätistischer (abwertender) Äußerungen“ zum Tode verurteilt und am 2. Mai 1944 hingerichtet.
Der Text des Liedes „Heimat, deine Sterne“, das in den Wunschkonzerten der Wehrmacht so oft gesendet wurde, stammt von Knauf und wurde von Werner Bochmann vertont. Die beiden hatten das Lied ursprünglich für den Film „Quax, der Bruchpilot“ mit Heinz Rühmann vorgesehen und nicht damit gerechnet, dass es ein Front-Schlager wurde.
Die Biografie von Knauf offenbart die Überlebensstrategien eines linken Publizisten in Zeiten des aufkommenden Nationalismus der 30er-Jahre. Wie radikalisiert und menschenfeindlich diese Welt wurde, zeigt auch der tragische Tod Knaufs. Am Ende kostete schon ein Witz das Leben. Die Kosten für die Hinrichtung stellten die NS-Gerichte der Witwe in Rechnung. 585,74 Reichsmark sollte sie für die Ermordung ihres Mannes zahlen...
(Pressetext: Vergangenheitsverlag/Wolfgang Eckert)

Im Kunsthaus am Meeraner Markt ist Erich Knauf heute eine kleine Ausstellung gewidmet.