Drei Perspektiven auf die Welt: Sonderausstellung „Schöpfung – Erschaffen – Verlassen“ im Museum im Alten Rathaus

Werke von drei Fotografen zeigen die Schönheit der Natur, menschliches Schaffen und die Spuren der Zeit in einer faszinierenden Symbiose. In der neuen Sonderausstellung „Schöpfung – Erschaffen – Verlassen“ präsentieren Steffen Willing, Arne Tesdorff und Stefan Germer eindrucksvolle, bewegende und nachdenklich stimmende Perspektiven auf die Welt.

Am 16. Mai 2026 wurde die Ausstellung im Museum im Alten Rathaus feierlich eröffnet. Für die musikalische Begleitung sorgte Ronny Kerl an der Gitarre mit ausgewählten Stücken, die die Gäste gefühlvoll auf die Ausstellung einstimmten.
Bürgermeister Jörg Schmeißer und Museumsleiterin Antje-Gesine Kerl begrüßten die Künstler sowie zahlreiche Gäste, darunter Stadträte, Ehrenbürger Dr. Peter Ohl und Pfarrer Christian Freyer herzlich zur Eröffnung und wünschten einen erlebnis- und erkenntnisreichen Nachmittag mit anregenden Gesprächen.
„Der Titel unserer Sonderausstellung spannt einen großen Bogen – vom Ursprung des Lebens über das vom Menschen Geschaffene bis hin zu Orten, die verlassen wurden und heute still ihre Geschichten erzählen“, sagte Antje-Gesine Kerl. Die Ausstellung vereint die unterschiedlichen Blickwinkel dreier Künstler, die aus ganz verschiedenen Lebenswelten stammen. „Sie lädt dazu ein, genauer hinzusehen und über die eigene Rolle zwischen Schöpfung, Gestaltung und Vergänglichkeit nachzudenken“, so die Museumsleiterin.

Bürgermeister Jörg Schmeißer (re.) und Museumsleiterin Antje-Gesine Kerl gemeinsam mit den Fotografen Steffen Willing (li.), Arne Tesdorff (Mitte) und Stefan Germer (2.v.r.).

Auch Bürgermeister Jörg Schmeißer zeigte sich beeindruckt: „Ich bin fasziniert von den Bildern, die Sie eingefangen haben. Ihre Fotografien zeigen Dinge, die oft verborgen bleiben. Sie hinterlassen berührende Eindrücke und regen zum Nachdenken an.“

Für ihr Engagement bei der Gestaltung der Sonderausstellung sprachen Jörg Schmeißer und Antje-Gesine Kerl den Fotografen Steffen Willing, Arne Tesdorff und Stefan Germer und besonders allen Helferinnen und Helfern, die mit persönlichem Einsatz das Museum unterstützen, dem Team des Museums sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung und der Stadttechnik großen Dank aus.

Im Anschluss gaben Steffen Willing, Arne Tesdorff und Stefan Germer Einblicke in ihr Leben, ihre Arbeit und ihre Perspektiven auf die Welt und die Besucherinnen und Besuchern ergriffen die Möglichkeit, mit den Fotografen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam die Hintergründe der Bilder zu erkunden.

Steffen Willing – Schöpfung
Die Tierfotografie „in the wild“ von Steffen Willing zeigt eindrucksvolle Aufnahmen voller Geduld, Aufmerksamkeit und Ehrfurcht vor der Natur. Der selbstständige Restaurator für Turmuhren und Glocken begeisterte sich schon früh für Bergsteigen, Reisen und Outdoor-Abenteuer. Seine Erlebnisse hielt er fotografisch fest und teilte sie mit anderen.
Später entdeckte er die Wildtierfotografie für sich. Sein Ziel ist es, den Menschen die oft verborgene Welt der Tiere näherzubringen und zugleich das Bewusstsein für den Schutz der Tierwelt zu stärken. Für die Aufnahme eines Wolfes, berichtet Steffen Willing, harrte er rund 80 Stunden getarnt aus und wartete auf den entscheidenden Moment. „Tierfotografie ist ein zeitaufwändiges Hobby, das die Seele zur Ruhe kommen lässt und die Schönheit sowie die Bedeutung der Natur vermittelt“, sagt Steffen Willing. Mit seinen Bildern möchte er den Tieren eine Stimme und ein Gesicht geben. Für ihn sind die Tiere fühlende Lebewesen: „anderer Körper, aber gleiche Seele, Teil der Schöpfung“.

Arne Tesdorff – Erschaffen
Im Mittelpunkt der Fotografien von Arne Tesdorff stehen von Menschen geschaffene Dinge, Details und Strukturen, die im Alltag oft übersehen werden. Der studierte Theologe und Pfarrer fotografiert ausschließlich mit dem Handy und richtet seinen Blick bewusst auf besondere Orte, die ihm in seinem Leben und auf Reisen auffallen. Entsprechend zeigen seine Fotografien unter anderem Pfarrhäuser, Kirchen und sogar einen Sardinenladen. „In der Kulturanthropologie gibt es die These, dass Kultur, Religion und Architektur Antworten des Menschen auf die Erkenntnis sind, dass das eigene Leben endlich ist“, erklärt Arne Tesdorff. Seine Fotos sollen zum Nachdenken anregen, über die Vergänglichkeit und darüber, was bleibt.

Stefan Germer – Verlassen
Sogenannte „Lost Places“, stille Zeugen der Geschichte und Mahnmale der Vergänglichkeit prägen die Fotografien von Stefan Germer. Der Spezialist für Online-Marketing beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fotografie. 2018 reiste er nach Prypjat in der Nähe von Tschernobyl und dokumentierte dort fotografisch die Spuren des Zurückgelassenen. „Die Bilder erzählen nicht die Katastrophe selbst, sondern das Danach“, so der Fotograf. Zu den Motiven seiner Bilder zählen unter anderem ein verlassenes Riesenrad, eine Puppe oder ein Konzertflügel – Zeugnisse eines abrupt unterbrochenen Alltags. „Wer einmal dort war, den lässt das Thema nicht mehr los. Es ist ergreifend, einmalig und bedrückend“, berichtet Stefan Germer.

Obwohl die Werke von Steffen Willing, Arne Tesdorff und Stefan Germer sehr unterschiedliche Themen behandeln, entfaltet die Sonderausstellung gerade durch das Zusammenspiel der Perspektiven ihre besondere Wirkung. Die Schönheit der Schöpfung, die Bedeutung menschlichen Schaffens und die Spuren des Verlassenen verbinden sich zu einem eindrucksvollen Gesamtbild, das die Besucherinnen und Besucher nachdenklich, aber zugleich auch hoffnungsvoll zurücklässt.

Die Sonderausstellung „Schöpfung – Erschaffen – Verlassen“ ist noch bis zum 18. Juli 2026 im Museum im Alten Rathaus zu sehen.