Sanierung Volkshaus

 

Zur Geschichte des Volkshauses

Gründungsphase: Eigentümerin des Volkshauses war die Genossenschaft „Verein Volkshaus“. Diese Genossenschaft wurde 1906 durch das Gewerkschaftskartell, den Sozialdemokratischen Verein und die Freie Turnerschaft gegründet, die ein Jahr zuvor den Gartenverein „Volkshaus“ gründeten. Ein etwa 24.000 qm großes Grundstück wurde 1906 angekauft und darauf vorläufig ein Turn- und Spielplatz und Schrebergärten angelegt. 1907 wurde eine 57 qm große hölzerne Unterkunftshalle (mit einer Kegelbahn) errichtet (vgl. Bild 1).

Am 1. Mai 1927 erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau des Volkshauses. Die Baukosten beliefen sich auf 600.000 Reichsmark. Bereits am 19. November 1927 konnte der vordere Bauabschnitt eingeweiht werden. Im gleichen Jahr erfolgte der Abriss der alten Unterkunftshalle.
Im Frühjahr 1928 begann der Erweiterungsbau mit Turnhalle, Kegelbahn, Saal, Bühne, einem Vorführraum für Filme und 4 Wohnungen (vgl. Bilder 2 und 3). Die Fertigstellung war im Dezember 1928 und die Einweihung im Frühjahr 1929.  

Nationalsozialistische Verfolgung und Enteignung: Mit der Machtübertragung auf Reichskanzler Adolf Hitler am 30. Januar 1933 begann unter Führung der NSDAP die Zerschlagung der Arbeiterorganisationen. Das Volkshaus wurde am 10./11. März 1933 durch die SA besetzt. Mehrere führende Meeraner SPD-Mitglieder (u. a. Stadtverordneter Brodmerkel und Stadtrat Taubert) wurden verhaftet.
Neue Eigentümerin des Volkshauses wurde am 29.06.1935 die Stadt Meerane. Grundlage war die Beschlagnahmung (und Auflösung der Gewerkschaften) nach der Verordnung „zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933. Das Volkshaus wurde von den Nationalsozialisten in „Haus der Deutschen Arbeit" umbenannt und für Verwaltungszwecke benutzt.

DDR-Zeit: Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur erfolgte am 22. Dezember 1945 die Wiedereröffnung des Volkshauses und am 8. Januar 1946 erhielt die SPD die Erlaubnis, das Volkshaus wieder seinem ursprünglichen Zweck entsprechend zu nutzen (vgl. Bild 4).


In der Zeit der DDR wurde 1960 das Volkshaus umgebaut. Es wurde ein Lehrschwimmbecken eingebaut, ein neuer Zugang geschaffen sowie der Kultursaal zur Sporthalle umgestaltet (vgl. Bilder 5 und 6).


Wiedervereinigung: Im Zuge der staatlichen Einheit zum 3.10.1990 erfolgte über das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen die Klärung eines Entschädigungsanspruches auf Basis des Entschädigungsgesetzes in Verbindung mit dem NS-Verfolgtenentschädigungsgesetz, da die Genossenschaft „Verein Volkshaus“ 1933 infolge nationalsozialistischer Verfolgung ihr Eigentum verlor. Träger des Entschädigungsanspruches ist die GIRO Frankfurt am Main (Gewerkschaftliche Immobiliengesellschaft für Restitutionsobjekte mbH). Zu den rechtlich relevanten Stichtagen (1.10.1989 sowie 3.10.1990) wurde das Volkshaus wie folgt gemeinnützig genutzt: Gaststätte, Wohnungen, Sporthalle für Schul- und Vereinssport, Lehrschwimmbecken, Kegelbahn.  

Jugendclub: Seit Juli 2000 nutzt der Jugendclub „Beverly Hill's e. V.“ das Volkshaus. Der Verein ist anerkannter Träger der Jugendhilfe nach SGB XIII und wird durch die Stadt Meerane und den Landkreis Zwickau gefördert.  

Restitutionsverfahren: Mit Bescheid des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen vom 13.01.2012 wurde festgestellt, dass die GIRO die Zahlung von Entschädigung statt Rückgabe gewählt hat. Damit ist die Stadt Meerane seit diesem Zeitpunkt rechtmäßige Eigentümerin des Volkshauses.

Jugendclub und Gebäudesanierung: Mit dieser endgültigen Klärung der Eigentümerschaft konnte sich die Stadt Meerane, gemeinsam mit dem Nutzer des Volkshauses, dem Jugendclub „Beverly Hill's e. V.“, der weiteren baulichen Fortentwicklung des Gebäudekomplexes widmen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Jugendclub in Eigeninitiative mit großer Unterstützung der Meeraner Unternehmer- und Bürgerschaft sowie der Stadt Meerane die Sanierung der genutzten Räumlichkeiten bewerkstelligt.
Am 17.11.2015 ermächtigte der Stadtrat der Stadt Meerane den Bürgermeister, sich an der Ausschreibung des Bundesprogrammes „Sanierung Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen“ beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung mit dem Gebäude Volkshaus und der Nutzung durch den Jugendclub zu bewerben. Die Stadt Meerane erhielt am 22.12.2016 einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 835.200,00 Euro aus diesem Bundesprogramm. Entsprechend des bewilligten Förderantrages erfolgte am 04.04.2017 der Baubeschluss durch den Technischen Ausschuss des Stadtrates für die Sanierung und Erweiterung des Jugendclub „Beverly Hills“ im Gebäude Volkshaus, Friedhofstraße 5b. Die Maßnahme ist in der Haushaltssatzung 2017 (Finanzhaushalt nach Investitionen 16-I-07) für die Jahre 2017 bis 2019 veranschlagt. Die Gesamtaufwendungen betragen rund 2 Mio. Euro. Der Fördersatz des Bundes beträgt davon 45 Prozent; 55 Prozent hat die Stadt Meerane als Eigenmittel bereitzustellen.

Die Maßnahme lässt sich wie folgt beschreiben:
Das denkmalgeschützt Volkshaus besteht aus einem 3-geschossigen Vordergebäude (nachfolgend als Teilobjekt 02- TO 02 bezeichnet) und einem 2-geschossigen rückseitigem Veranstaltungsgebäude (nachfolgend als Teilobjekt 01 - TO 01 bezeichnet). Beide Gebäudeteile sind über einen 2-geschossigen Verbindungsbau verkehrlich zueinander erschlossen.

TO 01: Hintergebäude - Veranstaltungsgebäude

Vorgesehen ist die Umnutzung und Sanierung der Sporthalle im Erdgeschoss des Hintergebäudes zu einer multifunktionalen Veranstaltungshalle als Erweiterung des Jugendclubs Beverly Hill's.
Mit einer multifunktionalen Auslegung / Umnutzung wird der Raum geschaffen für vielfältige Kunst-, Kultur-, Sport- und Bildungsaktivitäten sowie ein erweitertes Freizeitangebot im Rahmen der Jugendarbeit.
Weiterhin Gegenstand der geplanten Baumaßnahmen ist die Hüllensanierung des gesamten TO 01 - Veranstaltungshalle mit nachstehenden Einzelmaßnahmen:

•  Gerüstarbeiten Dach und Fassade
•  Dacheindeckung/ Dachverblechung
•  Fassadeninstandsetzung
•  Fenster und Außentüren (soweit noch nicht erneuert)
•  Trockenlegungsarbeiten Nordseite (Südseite und Westseite sind bereits erfolgt)
Als baupraktischen Erwägungen und Gründen der Zugänglichkeit erfolgt im Zuge der geplanten Maßnahmen auch die verbleibende Verfüllung des ehemaligen Lehrschwimmbeckens sowie der Einbau einer statisch wirksamen Bodenplatte/ Fußbodenaufbau im 2. Untergeschoss.

TO 02: Vordergebäude
Vorgesehen ist die Hüllensanierung des Vordergebäudes mit nachstehend aufgeführten Einzelmaßnahmen:

•  Gerüstarbeiten für Dach- und Fassade;
•  Dacheindeckung einschließlich Erneuerung der Dachverblechungen sowie Instandsetzung Dachtragwerk;
•  Wiederherstellung/ Überarbeitung der Putzfassade einschließlich der Fassadenverblechungen;
•  Erneuerung aller noch nicht neu hergestellten Fensterelemente einschließlich der äußeren und inneren Fensterbankabdeckungen bzw. Fensterbänke.

Damit startet für das Gebäude Volkshaus 90 Jahre nach seiner Fertigstellung eine umfassende Sanierung. Die Stadt Meerane dankt dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung für die Zuwendung. Ohne diese Förderung wäre das Vorhaben nicht zu bewerkstelligen.
Die Bilder 7 bis 16 zeigen den aktuellen Zustand des Gebäudes (Herbst/Winter 2016/17).



Ergänzend veröffentlichen wir das Gutachten von Frau Dr. Ricarda Kube, Referentin des Landesamtes für Denkmalpflege des Freistaates Sachsen, vom 7. März 2016 zur Denkmalfähigkeit und -würdigkeit des Gebäudes Volkshaus entsprechend § 10 Sächsisches Denkmalschutzgesetz.

Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer
(Stand: 07.04.2017)

Quellen:
Heimatbuch der Stadt Meerane 1930
Internet: www.kleingartengeschichte.de Geschichte des Kleingärtnervereins "Volkshaus" e.V.
Verwaltungsakte Entschädigungsverfahren GIRO


 

Das Volkshaus

Gutachten von Frau Dr. Ricarda Kube, Referentin des Landesamtes für Denkmalpflege des Freistaates Sachsen, vom 7. März 2016 zur Denkmalfähigkeit und -würdigkeit entsprechend § 10 Sächsisches Denkmalschutzgesetz.

Das Volkshaus Meerane wurde durch das Landesamt für Denkmalpflege mit folgender Begründung in seinem Denkmalwert erkannt und unter Schutz gestellt.

Das Volkshaus ist denkmalfähig. Das ergibt sich aus seiner geschichtlichen Bedeutung, die sich in eine baugeschichtliche, gesellschaftsgeschichtliche und ortsgeschichtliche Komponente aufgliedert. So ist zunächst ein Blick auf die Stadt Meerane zu werfen.

Das Meilenblatt von Sachsen (Meerane, Glauchau, Dennheritz) von 1798 zeigt einen Ort, der nur aus zwei parallelen Straßen (heute August­Bebel-Straße und Marienstraße) und einer Reihe kleinerer Häuser am Fuße des Rothenbergs besteht. Mit dem Meilenblatt von 1878 erweist sich dieser Stadtgrundriss als stark erweitert. Westlich der Stadt findet sich an der alten Schönberger Straße, die aus dem Tal aufsteigt, der 1868 eingeweihte Friedhof. Dabei wurde diese Straße erweitert und als Allee im Bogen über den Berg und wieder zurück in das Tal am östlichen Stadtende zurückgeführt. Dieser Teil der Straße hieß zunächst Neue Friedhofstraße und später einfach Friedhofstraße. Auf der westlichen Seite dieser Straße befindet sich das hier in Frage stehende Volkshaus.

Das Wachstum Meeranes, welches mit einer Verfünffachung der Einwohnerzahl von 1834 auf 1890 einhergeht, hängt selbstverständlich mit der wirtschaftlichen Entwicklung zusammen. Seit dem 16. Jahrhundert ist im „Städtlein" die Weberei ansässig, was wohl im Zusammenhang mit dem Zuzug niederländischer Weber zu sehen ist. 1612 erfolgte die Gründung einer Weberzunft. Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts brachte für Meerane sechs mechanische Webereien mit 1.220 Arbeitern, eine Appretur-Färberei und eine Kammgarnspinnerei. Bedeutend war die Fabrikation von wollenen und halbwollenen Damenkleiderstoffen. 1876 arbeiteten 2.500 Webstühle in der Stadt. Günstig für die Textilindustrie wirkte sich die Anbindung an die Sächsische Staatseisenbahn an die Bahnstrecke Glauchau–Gößnitz im Jahr 1858 aus.

Die wachsende Bevölkerungszahl erforderte neue Einrichtungen des öffentlichen Lebens bezüglich Gesundheit, Kultur und Bildung. In dieser Reihe steht auch das „Volkshaus" Friedhofstraße 5b aus den Jahren 1927 bis 1929. Doch was stellt die fraglos neue Bauaufgabe „Volkshaus" dar?

Zunächst ist festzustellen, dass die Volks- und Gewerkschaftshäuser eng mit der organisierten Arbeiterbewegung und den Emanzipationsbestrebungen dieser Klasse verbundenen waren. Ihr Bau war deshalb erst nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes im Jahre 1890 möglich. Sie dienten als Stätten der Bildung und Kultur, als Ort für Versammlungen, Tagungen und Veranstaltungen der Arbeiterschaft. „Sie sollten den Schaffenden einen Veranstaltungsort geben und zur sinnvollen Freizeitgestaltung beitragen, indem sie wissenschaftlich-technische und politische Bildung vermittelten und ... die Trunksucht bekämpften!" (Russig S. 12) Im Lexikon der Kunst ist unter Volkshaus" (S.662) folgendes zu lesen: „Die im 19. Jh. aufgekommene Bezeichnung drückt die bewusste Unterscheidung von den gesellschaftlichen Bauten der bürgerlichen Klasse aus. Ein Volkshaus enthielt einen Hauptraum für Versammlungen und Vorträge, bei größeren Anlagen mit einer einfachen Bühne für Konzert und Theater, außerdem Zirkelräume und möglichst eine Bibliothek, erst in späterer Zeit auch gastronomische Einrichtungen und ganz ausnahmsweise eine Turnhalle. Errichtet wurden die Volkshäuser durch die Gewerkschaften, oft in Selbsthilfe ... Nach 1918 sind von der zahlenmäßig starken sozialdemokratischen Partei sehr viele Volkshäuser als organisatorische und kulturelle Stützpunkte eingerichtet worden."

Ganz diesen Ausführungen entsprechend verhält es sich in Meerane. Bauherrin und Eigentümerin des Volkshauses ist eine Genossenschaft "Verein Volkshaus GmbH". Bauausführender Betrieb war die „Soziale Bauhütte Glauchau", welche auch die Pläne erstellt hatte, Träger des Unternehmens die gesamte, freigewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft von Meerane.

Das Volkshaus Meerane besteht aus einem Kopfbau und einem Saalbau mit Bühnenhaus. Der Kopfbau enthält eine Gaststätte mit Gartenlokal und in den Obergeschossen Wohnungen. Der Saalbau umfasst im Untergeschoß eine Turnhalle mit Umkleide- und Duschräumen, seit 1960 auch ein Schwimmbecken, und eine die gesamte nördliche Langseite begleitende Kegelbahn. Das obere Geschoß nimmt der gewaltige Saal mit Bühne und Vorführraum für Filme ein.

Die Architektur des Volkshauses kann folgendermaßen beschrieben werden: Der Kopfbau (vgl. Bild 16) erstreckt sich, von einer kleinen Abweichung abgesehen, längs der abschüssigen Straße. Bei stattlichen 12 Fensterachsen Breite hat er nur vier Fensterachsen Tiefe. Er besitzt ein den Geländeunterschied ausgleichendes Souterrain, Erdgeschoss und zwei Obergeschosse.

Die Gestaltung sowohl der großen Baumasse als auch der Fassaden entspricht dem Artdeco (vgl. Bild 17), welcher im Allgemeinen und auch in Meerane gern Bezug auf das Barock nimmt. Dementsprechend ist der Kopfbau symmetrisch mit Mitteleingang mit vorgelegter Außentreppe aufgebaut und die seitlichen drei Achsen treten jeweils leicht als Seitenrisalite vor. Sie sind mit separaten Walmdächern gedeckt. Dazwischen ist ein großes Satteldach eingespannt. Das Erdgeschoss weist über den ganzen Baukörper eine herausgehobene Gestaltung auf. Im zurückgelegten Mittelteil reihen sich dicht Fenster eines hohen schmalen Formats, die nicht mit den Obergeschossachsen korrespondieren. Sie werden mit für den Artdeco typischen Blenddreiecken bekrönt.

Die Fenster der Seitenrisalite dagegen entsprechen schon im Erdgeschoss denen der Obergeschosse. Sie besitzen durchgehend ein einfaches stehendes Format. Nur die Fenster im ersten Obergeschoss in den Seitenrisaliten weisen eine typische dreieckige Artdeco-Bedachung auf, die sich im Putz abzeichnet, wobei graues artdeco-Element gegen den rötlichen Putz der Fläche steht. Dieser Gegensatz zwischen hellem, grauen Putz für die Architekturgliederung und rötlichem Putz für die Flächen bestimmt überhaupt die optische Abgrenzung zwischen Erd- und Obergeschossen. So ist ersteres stark mit dem hellen Putz versehen, der die schmalen hohen Fenster einfasst, die Blenddreiecke bildet und - mit horizontalen Nutungen - die Fenster der Seitenrisalite rahmt. Die beiden rötlich verputzten Obergeschosse der Seitenrisalite werden von hellen Kolossallisenen überzogen.

Zwischen Erd- und Obergeschoss verläuft ein breites Gurtgesims. Es bleibt unprofiliert glatt und winkelt, typisch für den Artdeco, nach oben ab. Ähnlich bietet sich das Hauptgesims dar, glatt mit kleinen Brechungen unten und oben und schräg ausgestellt.

Im Dach befinden sich entsprechend der Fensterachsen der Obergeschosse im Mittelteil sechs Dachhäuschen und in den Dreiecken der seitlichen Walmdächer jeweils ein Dachhäuschen.

Der Saalbau ist in der Seitenausdehnung leicht eingezogen, aber natürlich weit länger. Er besitzt ein flaches Satteldach und verschiedene funktionsbedingte, teils flachere Annexe. An seinem Ende erhebt sich ein hohes Bühnenhaus. Mit dem Kopfbau ist der Saalbau nur über das Erdgeschoss verbunden, also in den großen Baukörpern durchaus getrennt. Besonders erwähnenswert unter den Annexen ist der Eingangsbereich in den Saal, welcher sich an der nördlichen Langseite des Saales mit Blick nach vorn befindet und von dem aus auch die Kegelbahn im Untergeschoss zugänglich ist. Er besitzt zwei große Türen und ist mit dem zeittypischen Element eines aufgestelzten spitzwinkligen Dreiecks bekrönt.
Besonders erwähnenswert ist der Eingangsbereich im Inneren. Im Windfang sind die Wände kopfhoch mit einer senkrecht strukturierten, harten, rötlichen Schicht versehen, bei der lange unklar bleibt, ob sie in Steinplatten oder Putz besteht. Es handelt sich jedoch um äußerst virtuos angewandten Betonputz.

Stilistisch ist der Saalbau wie der Kopfbau in Artdeco gestaltet. Die hohen Saalfenster werden mit dreieckigen Blendgiebeln mit einer Binnenzeichnung mit stehendem Quadrat und rechts und links unten liegenden Dreiecken bekrönt. Die Flächen sind wie beim Kopfbau rötlich verputzt und die Gliederungselemente in einem hellen grau. Zu letzteren gehören auch wieder die Fensterachsen trennende Lisenen und dazu Bänder zwischen den Fenstern in Höhe der „Anfänger" der Dreiecksbedachungen. Die Traufgesimse von Hauptbau und Annexen weisen die gleiche Ausbildung wie diejenigen am Kopfbau auf.

Da das Bühnenhaus keine Fenster besitzt, ist die das gesamte Volkshaus bestimmende Artdeco-Gestaltung hier auf eine reine Blendgliederung in Putz zurückgesetzt.

Eine Besonderheit besteht in der gewaltigen Größe des Saales, die nur durch eine technisch recht anspruchsvolle Konstruktion möglich wurde. So besteht das Dachtragwerk als Satteldachbinder in genietetem Metall. Daran sind die hölzernen Längsträger abgehängt, die sich an der Hallendecke nicht nur abzeichnen, sondern als Stilelement betont sind. Sie sind mehrfach profiliert und in regelmäßigen Abständen mit dekorativen seitlichen Lüftungsöffnungen versehen. Dabei ist die Saaldecke etwa in Segmentbogenform gewölbt.

Insgesamt ist die Architektur im Spiel der Baukörper eher als konservativ zu bezeichnen, die Gestaltung der Flächen dagegen als modern. So ist hier eine regelrechte Zelebrierung des Artdeco zu konstatieren, wie sie sich nur sehr selten findet. Auch bietet sich der Bau als durchgearbeitet bis in die Details dar, ein Merkmal für anspruchsvolle bodenständige Baukunst.

Das Volkshaus Meerane hat in mehrfacher Hinsicht eine hohe geschichtliche Bedeutung. Betroffen sind Stadtgeschichte, Wirtschaftsgeschichte von Region und Stadt und Baugeschichte. Der Bau legt Zeugnis ab von einem regen Vereinsleben der Arbeiter und Angestellten in einer wirtschaftlich prosperierenden Stadt.

Besonders hervorzuheben ist der originale Erhaltungszustand des Volkshauses. So sind die meisten Innentüren, dabei fast alle zweiflügligen Eingangs-Windfangtüren und die Türen des großen Gastraumes, zahlreiche kleine Fenster in Artdeco-Sprossung und die zwei Treppenhäuser im Kopfbau auf der rückwärtigen Seite mit Geländer, Pfosten und Handlauf unverändert erhalten.

Es gibt in Sachsen merkwürdigerweise nicht viele Volkshäuser. In der Region ist das Meeraner Volkshaus lediglich mit dem Volkshaus Gornsdorf im Erzgebirge, Am Andreasberg 5, zu vergleichen, welches gleichzeitig in den Jahren 1927/28 entstand, aber weit konservativer ist, der Geist des Artdeco findet sich hier nicht.

Das Volkshaus Meerane vereinigt seit seiner Erbauung die Funktionen Gesellschaft, Sport, und Kultur, wobei sich seit Bestehen des Jugendclubs „Beverly Hill's" im Jahr 2000 die „Gesellschaft" in „Jugend" wandelte. Insofern könnte Satz der Bundesbauministerin Barbara Hendricks auf kaum einen Bau besser zutreffen als auf das Volkshaus in Meeraue: „Eine funktionierende und zukunftsfähige soziale Infrastruktur mit Sport- und Kulturangeboten ist die Grundlage für das gesellschaftliche Zusammenleben in unseren Städten und Gemeinden." Das Volkshaus in Meerane bietet sich zudem noch als traditionsreicher, architektonisch überaus anspruchsvoller Bau dar, dessen Möglichkeiten vom Jugendclub trotz seines Sanierungsbedarfs innovativ genutzt werden.

Literaturhinweise
Lexikon der Kunst, Leipzig, S.662 Artikel Volkshaus.
Russig, Peter: Das Dresdner „Volkshaus“ der Gewerkschaften 1902 bis 1999. Dresden 1999.