Aktuelles (14.12.2016)

 

„Verhörte Hörer“: Sprachlichen „Fettnäppchen“ auf der Spur

Klaus Feldmann gab Einblicke in vierzig Jahre „Versprechergeschichte“

Klaus Feldmann war einer der bekanntesten Nachrichtensprecher der ehemaligen DDR. Von 1957 bis 1963 war er beim Deutschlandsender des DDR-Rundfunks und von 1961 bis 1989 bei der „Aktuellen Kamera“. Vielen ist er noch in Erinnerung.
Jetzt hat Klaus Feldmann ein Buch geschrieben, und mit diesem ist er derzeit auf Lesetour. Im November 2016 war er zu Gast in der Meeraner Stadtbibliothek.

Die Leiterin der Bibliothek, Angelika Albrecht, die Klaus Feldmann und die zahlreich erschienenen Gäste begrüßte, versprach einen „lustigen Abend“, und das wurde er auch.
Denn nach den ersten Worten von Klaus Feldmann: „Eigentlich ist es noch etwas zeitig für 'Guten Abend, meine Damen und Herren, zuerst: Die Übersicht'“, folgten keineswegs innen- und außenpolitische Nachrichten der ehemaligen DDR und ihrer damaligen „Bruderstaaten“, sondern vielfältige und amüsante Einblicke in vierzig Jahre „Versprechergeschichte“. „Verhörte Hörer“ heißt Feldmanns Buch nicht umsonst.
Doch zuerst einmal pries Feldmann humorvoll sein Buch dem Publikum an: „Kaufen Sie gleich mehrere, Weihnachten steht vor der Tür“, sagte er schmunzelnd und fügte hinzu: „Dann lande ich bestimmt gleich noch einmal auf der Spiegel-Bestsellerliste.“
Wie er dem Publikum dann aber auch sogleich verriet, hat er für sein Buch die „Versprecher-Sammlung“ eines Kollegen und damaligen Ausbilders nutzen können. Helmut Pietsch, so erzählte er, habe Fehler und Versprecher gesammelt, in seinem „Schatzkästlein unfreiwilliger Komik“. „Letztlich wollte jeder Kollege dort rein und hat seine Versprecher freiwillig mitgeteilt.“ So ist auch der Titel des Buches „Verhörte Hörer“ ein solcher Versprecher einer Kollegin.
Schöne Wortschöpfungen entstanden zum Beispiel, schilderte Klaus Feldmann, wenn einem Sprecher am Anfang eines Satzes ein Versprecher passierte und dieser versuchte, den Satz doch noch zu einem sinnvollen Ende zu führen. Und bei Fehlern haben die Hörer des DDR-Rundfunks damals schnell zum Telefonhörer gegriffen und angerufen, berichtete er. „Kaum zu glauben, wie viele damals schon ein Telefon hatten!“
„Heilige Kühe“, so Feldmann, seien damals die Zeitansagen gewesen, die im Radio morgens alle drei bis bis Minuten, aber möglichst nicht während eines Musiktitels gesendet werden sollten. So wurde um 04:35 Uhr schon mal ein „Es ist fünf Minuten nach halb 8“ über den Äther geschickt, ein „Es ist jetzt zwei Uhr 69“ oder aber besonders schön: „Die Zeit: Es ist 6 Mark 80“. Alles dokumentiert im „Schatzkästlein“.
Auch der Wetterbericht gab hinreichend Gelegenheit für Verballhornungen. So wurde „nachts leichte Bevölkerungszunahme“ vorhergesagt (Feldmann: „In diese Falle sind alle Nachrichtensprecher getappt.“), gegen Mittag „Bevölkerungsrückgang“ oder auch schon mal „aufgelockerte Bevölkerung“. Und: „Einem Versprecher folgte oft der nächste“, so Klaus Feldmann. Besonders auch Sportreporter, erinnerte er, tappten mit ihrer Bildsprache oft in die „Fettnäppchen der Doppeldeutigkeit“.
Doch nicht nur Versprecher ließ Klaus Feldmann an diesem Abend Revue passieren, er gab auch interessante Einblicke in die Geschichte des DDR-Rundfunks und die Anfangsjahre des Fernsehfunks, in denen es natürlich auch nicht ohne Pannen ablief.
Gelacht wurde auf jeden Fall sehr viel an diesem Abend, und das Publikum bedankte sich am Ende mit großem Applaus, nachdem Klaus Feldmann eine letzte Anekdote zum Besten gegeben hatte. So wurde, erzählte er, im Fernsehen versehentlich sein Foto gezeigt – als ein gesuchter Verbrecher! Am nächsten Morgen klingelt der ABV (damals: „Abschnittsbevollmächtigter“) bei ihm. Feldmann erklärte, er habe zur Tatzeit die „Aktuelle Kamera“ gelesen, worauf er zu hören bekam: „Noch eine Frage: Hat Sie da jemand gesehen?“

Klaus Feldmann, vielen noch gut bekannt als Nachrichtensprecher des damaligen DDR-Fernsehens, stellte sein Buch „Verhörte Hörer“ in Meerane vor.

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