Aktuelles (18.11.2016)

 

Pressekonferenz 18.11.2016: Volkswagen präsentiert „Zukunftspakt“

Volkswagen will in den kommenden neun Jahren allein in Deutschland bis zu 23.000 Stellen bei seiner Kernmarke VW abbauen. Das teilten Konzern und Betriebsrat mit. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben und es sollen auch neue Stellen geschaffen werden.

Die kriselnde Hauptmarke des Volkswagen-Konzerns muss sich unter dem Druck des Dieselskandals einer Rosskur unterziehen. Die nach monatelangem Ringen erzielte Einigung von Management und Betriebsrat sieht einen Abbau von 23.000 VW-Stellen in Deutschland vor, dem rund 9000 neue Jobs gegenüberstehen. Das teilte der Betriebsrat bei einer Pressekonferenz mit der Konzernleitung in Wolfsburg mit. Trotz der radikalen Einschnitte sollen alle deutschen VW-Standorte erhalten bleiben.

"Für den Zukunftssturm wappnen"

"Wir werden die Mannschaft verkleinern", sagte der Markenvorstand Herbert Diess. "Dieser Pakt ist für Volkswagen ein großer Schritt nach vorne, sicherlich einer der größten in der Geschichte des Konzerns." Bisher sei Volkswagen nicht für den Wandel gewappnet gewesen, bei der Produktivität habe man an Boden verloren, bei der Rendite liege der Konzern sogar weit hinter der Konkurrenz. "Volkswagen muss schnell wieder Geld verdienen und sich für den Zukunftssturm wappnen." Der "Zukunftspakt" sei ein Wegbereiter für die neue Markenstrategie. 
Einschließlich des Wegfalls im Ausland werden bis zu 30.000 der aktuell rund 200.000 Stellen wegfallen. Das operative Ergebnis bei VW soll bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro im Jahr verbessert werden. Davon sollten drei Milliarden Euro an den deutschen Standorten und 700 Millionen Euro im Ausland eingespart werden.

Betriebsbedingte Kündigungen sind vom Tisch

Die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft seien sicher, erklärte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Beide Seiten hätten einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2025 vereinbart. Vor allem über altersbedingtes Ausscheiden solle die Mitarbeiterzahl reduziert werden. Die Vereinbarung sieht zudem Investitionen von 3,5 Milliarden Euro für die kommenden Jahre vor. VW will mit dem Fitnessprogramm die operative Rendite bis 2020 auf vier Prozent steigern, gegenüber dem aktuellen Stand wäre das etwa eine Verdoppelung.

"Dieselgate" und Rendite-Probleme

Volkswagen hat an vielen Stellen zu kämpfen. Der Abgas-Skandal zwingt den Autobauer zum Sparen, zugleich muss der Konzern viel Geld in zentrale neue Trends der Branche stecken: Digitalisierung und Vernetzung sowie Elektroautos. Dazu hat die Pkw-Kernmarke seit langem ein Rendite-Problem. Der Hausmarke um Golf und Passat blieben zuletzt von 100 umgesetzten Euro nur rund 1,60 Euro als Gewinn, wovon dann noch Zinsen und Steuern abgingen.

Der Autobauer und die Arbeitnehmervertreter standen bei den Verhandlungen unter Druck, der Abschluss des "Zukunftspakts" war die Voraussetzung für den Investitionsplan bis 2021. Dabei geht es um die Verwendung von rund 100 Milliarden Euro.

Fokus auf deutsche VW-Standorte

Mit dem "Zukunftspakt" wollen Betriebsrat und Unternehmen die aus Sicht aller Beteiligten nötigen Reformen bei der gewinnschwachen Kernmarke VW-Pkw mit Absicherungen für die Belegschaft vereinen. Der Pakt ist vorrangig eine Regelung für die sechs westdeutschen VW-Werke (Emden, Wolfsburg, Hannover, Salzgitter, Braunschweig, Kassel) und VW-Sachsen.

Dabei geht es um Aufgaben der Werke, etwa im Motorenwerk Salzgitter, das mit der Elektromobilität Arbeit verlieren könnte. Die Verhandlungen dazu liefen monatelang. Seit September ist klar, dass der Pakt eine Rechtssicherheit nach tarifvertraglichem Status haben soll. Einen VW-Sanierungstarifvertrag gab es zuletzt 2006.

(Quelle: tagesschau.de, 18.11.2016)

Sachsens VW-Chef gibt Entwarnung

Der Chef von Volkswagen Sachsen, Siegfried Fiebig, geht davon aus, dass die Standorte im Freistaat nicht vom konzernweiten Stellenabbau betroffen sein werden. Fiebig sagte MDR SACHSEN, auch das Motorenwerk in Chemnitz werde trotz des Umschwungs zur Elektromobilität gerüstet sein.

<< zurück