Aktuelles (13.10.2016)

 

Joachim Krause: „Wie hätte ich mich wohl verhalten?“

Dachbodenfund versetzt Schönberger Autor unter Spannung

Die Bibliothek war wieder gut besucht zur Buchvorstellung mit Joachim Krause. Kein Wunder: Zum einen ist der Schönberger Autor bekannt für seine interessanten Berichte und Erzählungen, und zum anderen ging es diesmal um eine Buchvorstellung, die es in sich hatte. Sein neues Buch mit dem Titel „Fremde Eltern – Zeitgeschichte in Tagebüchern und Briefen 1933–1945" stellte er Anfang Oktober zusammen mit seiner Schwester und seinem Schwager vor. Vielleicht stocken Sie jetzt beim Lesen der Jahreszahlen und vermuten eine für Geschichtsstunden typische Berichterstattung. Weit gefehlt! Was die zahlreichen Besucher an diesem Abend zu Gehör bekamen, ist wahrlich eine Seltenheit und spannend noch dazu. Warum? Joachim Krause machte eine brisante Dachbodenentdeckung – Dokumente, Briefe und Tagebücher. Nur waren es nicht irgendwelche, sondern die seiner Eltern nebst Onkel.
Damals gab es kein Internet, und man musste sich noch mit Stift und Papier hinsetzen, seine Gedanken niederschreiben, zur Post bringen und warten – durchaus lange, denn so manche Post ging in diesem Falle bis an die Front nach Stalingrad. Fast 1800 derartige Dokumente sind über die Jahre entstanden, wurden bewahrt und nun wiederentdeckt.
Diese Wiederentdeckung versetzte Joachim Krause allerdings in ein Wechselbad der Gefühle. „Wie beim Zusammensetzen eines Puzzles gewinnt in den Texten nach und nach ihr damaliges Denken, ihr Leben und Handeln Konturen“, beschreibt er diese Situation und umreißt in nur einem Satz die gesamte Tragkraft: „Die drei jungen Leute suchten Orientierung, und sie stritten über den Nationalsozialismus und die Juden, über den Sinn von Krieg und Tod, über Sexualmoral und Glaubensfragen.“ Denn je mehr er in die Geschehnisse damaliger Zeit vordringt, um so mehr muss er feststellen, dass seine Mutter eine glühende Verehrerin Hitlers war und der Onkel ein fanatischer Offizier, und dass nur der Vater eine gewisse kritische Distanz zur nationalsozialistischen Ideologie erkennen ließ. „Das waren also meine Eltern damals“, stellte er nachdenklich fest, „völlig fremd, denn so kannte ich sie ja nicht, als ich in die Nachkriegswelt hineingeboren wurde.“
Dennoch war ihm wichtig, diese Dokumente zu einem authentischen Zeugnis der Zeitgeschichte zusammenzufassen, und der Titel des Buches lag schon fast logisch auf der Hand – „Fremde Eltern“!
Auch das Publikum ist von der Lesung der in Buchform gebündelten Briefe gefesselt und interessiert zugleich, so dass sich im Anschluss noch weitere rege Diskussionen ergaben. Viele dankten Joachim Krause für seine Offenheit und seinen Mut, dies aufzuarbeiten. Denn schließlich gibt es nicht alle Tage solche Funde, geschweige, dass diese in solcher Ehrlichkeit veröffentlicht würden.
Im Anschluss erwarben viele das im Sax-Verlag Markkleeberg erschienene Buch (408 Seiten) und ließen es sich signieren.

Zur Vorstellung seines neuen Buches wurde Joachim Krause (2.v.l.) von seiner Schwester Ursula Knepper (li.) und seinem Schwager Joachim Knepper begleitet. Rechts die Leiterin der Stadtbibliothek Meerane, Angelika Albrecht.

Die Buchvorstellung mit Joachim Krause „Fremde Eltern“ in der Meeraner Stadtbibliothek stieß auf großes Interesse.

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