Aktuelles (18.10.2016)

 

„Kunst ist Welterschließung“ - Galerie im Treppenhaus präsentiert Ausstellung des Beruflichen Schulzentrums Meerane

Was ist Kunst? Wo begegnen uns ästhetische Erlebnisse? Auch außerhalb von Museen und Galerien? Bei der Ausgestaltung einer Wohnung vielleicht? Bei der Auswahl von Urlaubsfotos? Beim Spielen mit Kindern?
Diese und weitere Überlegungen zum Kunstbegriff und zur Aufgabe von Kunst nahm Kunsterziehungslehrer Mirko Weber vom Beruflichen Schulzentrum Meerane in seiner Einführung zur neuen Ausstellung in der Galerie im Treppenhaus im Kunsthaus auf, nachdem Dr. Birgit Salzbrenner, die Vorsitzende des Meeraner Kunstvereins e.V., alle Gäste herzlich zur Vernissage begrüßt hatte.

Zu sehen sind in der Galerie im Treppenhaus derzeit Arbeiten von Absolventen des Beruflichen Schulzentrums Meerane – künftigen Erzieherinnen und Erziehern sowie Schülerinnen und Schülern der Fachoberschule Soziales. Und diese hatten zur Vernissage am 29. September 2016 auch eine Performance vorbereitet, bei der verschiedene Akteure – auf der Bühne und auch mitten im Publikum – ganz verschiedene Tätigkeiten oder Bewegungen ausführten. Sie liefen einzeln oder in Gruppen umher, malten auf einer auf dem Boden liegenden Papierrolle, legten bunte Papierschnipsel aus, hoben Arme oder wurden mittels Frischhaltefolie miteinander verbunden.
„In den Aktionen der letzten Minuten verbinden sich Beobachtungen, Gefühle und Gedanken zu einer Handlung, die wir als Erlebnis wahrgenommen haben und dieses Erlebnis als ästhetisches Erlebnis bezeichnen können. Ist das damit schon Kunst? Oder kann das weg?“, fragte Mirko Weber und gab in seinen weiteren Ausführungen die Antwort: „Kunst ist viel alltäglicher, als wir meinen und durch unsere Alltagsgeschäfte abgelenkt bemerken. So nehmen wir unsere Lebenswelt nicht nur funktional, sondern immer auch ästhetisch wahr, weil wir in die Welt eingebunden sind. So ist Kunst keine grundsätzlich vom Alltag geschiedene Beschäftigung, sondern eine im Alltag fokussierte Beschäftigung.“
Im Hinblick darauf, dass viele der Absolventen künftig mit Kindern arbeiten werden, sagte Mirko Weber: „Wenn wir auf Kinder schauen, entdecken wir, wie selbstverständlich diese den gestalterischen Ausdruck einsetzen, um sich ein Bild von der Welt zu machen, wie sie spielerisch Rollen und Szenen entwickeln. Uns beeindruckt ihre Kreativität. Und wenn wir heute auf die hier ausgestellten Arbeiten schauen, dann sehen wir, dass uns diese Fähigkeit ein Leben lang begleiten kann. Und dass wir immer in der Lage sind, Neues zu schaffen und entdecken zu können.“
Zur Frage „Aber wie viel Kunst braucht die Bildung?“ zitierte er den Philosophen Konrad Paul Liessmann: „Bildung ohne ästhetische Erziehung ist keine Bildung. Denn die Kunst, und nur sie, kann – wenn auch im Imaginären – zeigen, was es heißt, mit den Widersprüchen und Abgründen des Menschen in einer menschlichen Weise umzugehen. Kunst gehört, neben der Wissenschaft, zumindest für Friedrich Schiller zu den ‚edelsten Werkzeugen‘ des Menschen, die es ihm erlauben, sich im ‚Reiche der vollkommensten Freiheit‘ zu bewegen. Bildung als Menschwerdung des Menschen kann sich deshalb nur an und mit diesen beiden großen Errungenschaften entfalten.“
Die Arbeiten der Ausstellung geben einen Einblick in die ästhetische Auseinandersetzung mit Material, Form und Idee. Für die Absolventen wünscht sich der Kunstlehrer, dass sie durch ihre eigenen Erfahrungen, wie ein bewusster Gestaltungsprozess das Ergebnis prägt, diesen später bei anderen begleiten können. „Kunst ist eben mehr als Basteln und beschränkt sich nicht auf das Ausmalen von Vorlagen. Kunst ist neben der Entwicklung von handwerklichen Fähigkeiten und theoretischen Zusammenhängen immer auch ein geistiger Prozess der Wahrnehmung, der Prüfung und Interpretation, also ein Prozess des ästhetischen Denkens“, betonte Mirko Weber.
Für die Unterstützung bei der Erstellung der Ausstellung bedankte er sich abschließend ganz herzlich beim BSZ, beim Meeraner Kunstverein und den Mitarbeiterinnen der Galerie ART IN.
Uta Weidner, Fachleiterin für die Fachschule am BSZ, ergriff im Anschluss kurz das Wort. „Ich hoffe, dass wir das, was wir heute hier erlebt haben, mitnehmen können in die nächsten Tage und Wochen. Ich freue mich, dass unsere jungen Menschen so viele Interessen über die Schule hinaus zeigen. All das bereichert unser Leben“, sagte sie.
Zum Abschluss der Vernissage richtete sich auch Erika Jentzsch vom Meeraner Kunstverein, die die Ausstellungen in der Galerie im Treppenhaus betreut, an die Gäste: „Ich wünsche der Ausstellung viel Erfolg. Die Ausstellung ist eröffnet!“

Mit einer ungewöhnlichen Performance machten die Absolventen des Beruflichen Schulzentrums zur Ausstellungseröffnung auf die Vielfalt des Kunstbegriffes aufmerksam.
  Kunsterziehungslehrer Mirko Weber führte in die Ausstellung ein.
Die musikalische Umrahmung der Vernissage übernahmen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Musiklehrer Jörg Suchanek.
Eine große Vielfalt an Themen und künstlerischen Techniken zeigen die ausgestellten Exponate.

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