Aktuelles (09.08.2016)

 

„Am Ende fehlt doch immer was“

Meeraner Graffitikünstler TASSO bringt (s)ein Buch heraus

Achtung Spoileralarm: All diejenigen, welche ein Buch vor dem konkreten Lesen erst einmal auf der letzten Seite öffnen, dürften bei TASSOs neuestem Werk eine Überraschung erleben, denn seine chronologischen Erlebnisberichte, kreuz und quer über den Erdball, beginnen nämlich direkt da – am Ende des Buches und enden im aktuellen Jahr auf den ersten Seiten. Soviel dazu.
Nun aber zum Buch selbst, welches den vielversprechenden Titel „Am Ende fehlt doch immer was“ trägt und erahnen lässt, dass eben längst nicht alle Erlebnisse aus seinem Leben als Graffitisprayer auf den insgesamt 340 Seiten Platz haben werden. Dafür findet sich der Leser aber in einer leicht verständlichen, mit Humor und Witz gespickten Beschreibung wieder, welche durch ihre sehr offene und ehrliche Art überzeugt.
So gibt Jens Müller, alias TASSO, Einblicke in seine Arbeitsreisen und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, wenn Dinge nicht reibungslos abliefen – er beschönigt nichts, gibt dafür aber auch Einblicke in seine turbulenten und spannenden Erlebnisse, u.a. in Mexiko, Kolumbien, Spanien, Italien, Libanon, Indien oder auch in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Dabei ist das Besondere an seinem Buch – es ist in Deutsch verfasst. Eher unüblich in Streetartkreisen. Doch genau das macht es eben auch zu etwas Außergewöhnlichem, es hebt sich von der Masse ab und zeigt, was ein „alter Hase“ im Graffiti-Business alles erlebt. Wenngleich sich der Meeraner Künstler der englischen Sprache oft bedienen muss, um sich auf seinen internationalen Reisen zu verständigen, gab es für ihn an der Sprache nichts zu rütteln. „Ich hätte es auch in Englisch verfassen können, doch ich wollte mein Buch in meiner Muttersprache lesen können“, erklärt er mit einem Augenzwinkern seine Intention dafür, sich vom so genannten Mainstream abzuheben.
Zudem lebt sein Buch auch von den vielen Fotos, welche die Geschichten dazu nicht nur untermauern, sondern auch den Tagebuchstil visuell ermöglichen. Auch hier bleibt sich der Autor und Selbstverleger des Buches treu – vom erstklassigen Vernissageoutfit bis hin zur zerknautschten Optik am frühen Morgen zeigen die Fotos schonungslos die ungeschminkte Wahrheit.
Ebenso interessant dürfte sein, dass er sich im Vorfeld die Mühe machte, eine Leinwand mit dem Titel „Der Goldene Schnitt bin ICH“ anzufertigen, um diese dann in 178 Quadrate aufzuteilen. Diese Originale zieren damit genau 178 Buchcover von seiner auf insgesamt 500 Stück limitierten Auflage. Auf der Rückseite des Buches hat der Autor persönlich die jeweilige Nummer vermerkt.

 

Fazit: Beim Lesen des Buches kommt man gut um die Welt, lernt andere Länder und Kulturen kennen und das nicht aus der Sicht eines All-Inclusive-Touristen, sondern kann hautnah einem Graffiti- und Streetartkünstler über die Schulter schauen.

Buchinfos: Am Ende fehlt doch immer was, 340 Seiten, 25,5 x 21,5 cm
Auflage: 500 Stück, davon 178 Bücher mit Originalbildausschnitten von: "Der Goldene Schnitt bin ICH", Spraylack auf Leinwand (140x200) 2016
Preise: 50 Euro (ohne Originalbildteil im Cover) 65 Euro (mit Originalbildteil im Cover)

Bestellungen über E-Mail ta55o@t-online.de

TASSO malte extra für sein Buch ein Cover. Eher unüblich: ein Werk im Anschluss zu zerschneiden. Für TASSO keine leichte Aufgabe, den ersten Schnitt zu vollziehen. Insgesamt sind auf diese Weise 178 Leinwandquadrate entstanden.

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