Aktuelles (19.08.2016)

 


Bunt, Bunter, Buntfärberei – IBUg 2016: Kunst trifft Lost Place

Vom 26. bis 28. August 2016 findet die nunmehr 11. Auflage der IBUg statt – die legendäre Industriebrachenumgestaltung, welche ihren Ursprung in Meerane hat und mittlerweile die internationale Künstlergarde in verlassene sächsische Industriebrachen lockt.

In diesem Jahr wird die ehemalige VEB Buntfärberei in Limbach-Oberfrohna von 80 Künstlergruppen in ein monumentales Gesamtkunstwerk verwandelt. Und wie Projektleiter Thomas Dietze berichtet, trifft auch hier wieder die Vergangenheit auf die Zukunft: „Die 120 Graffiti- und Streetart-Künstler gestalten das Objekt nicht ziellos, sondern lassen die ursprüngliche Geschichte in ihre Werke und Installationen einfließen!“ Damit wird die alte, seit Jahren ungenutzte und mittlerweile vom Zahn der Zeit stark gezeichnete Industriehalle eine neue Ära erleben und aus dem einstigen Lost Place wird ein Schmelztiegel von Kunst und Kultur werden. Doch die alte Brache wird nicht nur für die Künstler ein Symposium bieten, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hier haben dann die Besucher die Möglichkeit, ein urbanes Kunstwerk der besonderen Art in Augenschein zu nehmen.

Bis es jedoch soweit ist, gibt es noch jede Menge für das Orga-Team zu tun. „Wir wollen hier zeitnah einen umfangreichen Subbotnik durchführen, um das Gelände begehbar zu machen“, so Dietze, denn die Künstler reisen zu diesem Kultursymposium auf eigene Kosten eine Woche vor der Eröffnung des Festivals an und setzen in dieser Zeit intensiv ihre Projektideen um. „Wir geben dabei nur kleine Hinweise und äußern Wünsche, wie die Vergangenheit und Architektur des Gebäudes in die verschiedenen Projekte einfließen könnten, stellen aber keine Regeln auf“, erklärt der Projektleiter die weiteren Planungen. Er freut sich über den immensen Zuspruch, der von Jahr zu Jahr wächst. „Denn bei der ersten IBUg musste ich mich nur um einen großen Grill, Roster zum Braten und Bier kümmern“, blickt er auf die Anfänge zurück. Doch aus dem IBUg-Baby ist mittlerweile ein flügger Teenager geworden, der nach den IBUg Festivals in Meerane von 2006 bis 2011 seitdem jedes Jahr eine andere sächsische Industriebrache „besucht“, um die Zusammenhänge zwischen Geschichte, Kunst, Kultur und Architektur ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Denn genau diesen Anspruch hat das von dem Meeraner Graffitikünstler TASSO ins Leben gerufene urbane Künstlertreffen.
Ihm war es von Anbeginn wichtig, brach liegende Industriebetriebe auf legalem Wege mit Gleichgesinnten zu nutzen, und er stieß damals in seiner Heimatstadt Meerane bei den Verantwortlichen – darunter Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer – auf offene Ohren.
Als die ersten IFA-Hallen zur Bemalung freigegeben wurden, lud er befreundete Sprayer ein, mitzumachen. „Mir war es wichtig, dass die Künstler mit den vorhandenen Gegebenheiten, Maschinenteilen, Kabelsträngen, Fenstern und der ungewöhnlichen Architektur experimentierten“, betont er. Mittlerweile fungiert er als „El Presidente“ der IBUg und wird auch in diesem Jahr wieder dabei sein. „Mir schwebt eine zum Objekt und zur Geschichte passende Installation vor“, gibt er schon einen kleinen Einblick in seine Ideen.

Man darf also gespannt sein, was die internationale Künstlercrew aus mehr als 17 Ländern – darunter Quintessenz (Berlin), Guido Zimmermann (Frankfurt), Kera (Berlin), Hifi (Dortmund), Messy Desk (Hong Kong), Uncle and Rainbo (China), Benuz und Said Dokins (Mexiko), Vera Primavera (Ecuador), Elmar Karla und Clara Reichertz (Argentinien), Megan Mosholder (USA), Key Detail und Yu-Baba (Weißrussland), Nootk (Russland), Dima Fatum (Ukraine), Morfai (Litauen), Kid Crayon (UK), Koctel (Spanien), Noon und Madame Moustache (Frankreich), Majilina (Italien), HNRX (Österreich), Taina (Schweiz) oder Sokar Uno (Berlin) – ab Mitte August mit der Industriebrache anstellen wird.

Übrigens: Wie die IBUg informiert, wird neben dem Festival vom 26. bis 28. August 2016 das IBUg-Gelände auch vom 2. bis 4. September 2016 zum „Tag der Sachsen“ noch einmal für kunstbegeisterte Gäste geöffnet.

Foto links: In den Anfängen der IBUg noch als planender „Alleinunterhalter“ hat Projektleiter Thomas Dietze mittlerweile 15 freiwillige Unterstützer, die dieses internationale nichtkommerzielle Treffen auf die Beine stellen.

Von außen mutet es weniger nach einer typischen Industriebrache an, aber Innen dürfte das Herz der IBUg-ler höher schlagen – Lost Place im puren Zustand.
Von 2006 bis 2011 fand die IBUg in ehemaligen Industriebrachen in Meerane statt.

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