Aktuelles (17.05.2016)

 

Zum Tod des langjährigen Bürgermeisters der Stadt Meerane Wolfgang Geringswald

Die Stadt Meerane trauert um Wolfgang Geringswald, geboren am 1. November 1928 in Meerane, und gedenkt mit großem Respekt und großer Dankbarkeit seiner Lebensleistung.
Wolfgang Geringswald war von 1973 bis 1989 Bürgermeister der Stadt Meerane. Er bekleidete das Amt 16 Jahre. Dies ist bis heute in der Stadt Meerane die längste Amtszeit eines Bürgermeisters seit dem Jahre 1945, dem Jahr des Neubeginns nach dem Zusammenbruch der Nationalsozialistischen Diktatur. Wolfgang Geringswald verstarb am 3. Mai 2016 im Alter von 87 Jahren. Unser Mitgefühl gilt seiner Ehefrau Ingeborg Geringswald und allen Angehörigen.

Wolfgang Geringswald besuchte in Meerane bis 1945 die Volks- und Handelsschule. Da die Wehrmacht Anfang 1945 den Geburtsjahrgang 1928 einzog, kam es für ihn ab Februar 1945 zum Kriegseinsatz. Er geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft und kehrte im August 1945 nach Meerane zurück.
Wolfgang Geringswald absolvierte unmittelbar bei der Stadtverwaltung Meerane eine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten und arbeitete nach erfolgreichem Abschluss in der Stadtverwaltung sowie in der Kreisverwaltung. Dem schloss sich eine Militärzeit an. In den Jahren 1964 bis 1970 absolvierte er erfolgreich ein Fernstudium an der Humboldt Universität Berlin zum Diplom-Jurist. In der DDR war der Grad des Diplomjuristen der Regelabschluss eines rechtswissenschaftlichen Studiums.
Die Meeraner Stadtverordnetenversammlung wählte am 19. Juli 1973 Wolfgang Geringswald zum Bürgermeister. 1989 folgte ihm Bürgermeister Klaus Müller.

Die Rolle eines Bürgermeisters in der DDR war grundsätzlich anders angelegt als das heute der Fall ist. Ausgangspunkt war das "Gesetz über die örtlichen Organe der Staatsmacht" von 1957, mit dem in der DDR auch für die Kommunen das Prinzip des "demokratischen Zentralismus" verwirklicht wurde. Die Städte und Gemeinden wurden damit zu unteren staatlichen Verwaltungsbehörden ohne eigenen Wirkungskreis und ohne Rechtsfähigkeit.
Das "Gesetz über die örtlichen Volksvertretungen in der DDR" von 1985 hat diesen Zustand verfestigt. Demnach bildete der Rat der Stadt als örtlicher Rat die Stadtverwaltung. Der Rat bestand aus dem hauptamtlichen Bürgermeister mit seinen Stellvertretern und den Leitern der jeweiligen Fachabteilungen (z. B. Handel und Versorgung, Kultur, Örtliche Versorgungswirtschaft, Straßenwesen, Wohnungswirtschaft, Bauwesen, Volksbildung).
Der Rat der Stadt war das Organ der Stadtverordnetenversammlung (örtliche Volksvertretung). Er wurde von der Stadtverordnetenversammlung gewählt und war dieser rechenschaftspflichtig.

§ 62 des Gesetzes über die örtlichen Volksvertretungen regelt für die Bürgermeister: „Im Auftrage der Volksvertretungen und der Räte der Städte und Gemeinden tragen die Bürgermeister eine hohe Verantwortung für die Durchsetzung der sozialistischen Kommunalpolitik. Die Bürgermeister gewährleisten eine lebensverbundene, initiativreiche und kollektive Arbeitsweise der Räte und treffen alle zur Durchführung der Beschlüsse der Volksvertretung und des Rates erforderlichen Entscheidungen. Sie festigen das Vertrauensverhältnis zwischen dem sozialistischen Staat und seinen Bürgern, entwickeln eine ideenreiche Öffentlichkeitsarbeit und organisieren die aktive Einbeziehung der Bürger in die Lösung der staatlichen Aufgaben.“

Mit Blick auf dieses breite Aufgabenspektrum seien exemplarisch folgende Sachverhalte benannt, die in die Dienstzeit Wolfgang Geringswald fallen: Eingemeindung Dittrich (1974), Eingemeindung Waldsachsen (1974), 800-Jahr-Feier der Stadt Meerane (1974), Anschaffungen für die Freiwillige Feuerwehr z. B. TLF 16 Typ W 50 (1981), 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr (1982), Fertigstellung polytechnische Oberschule (Hirschgrundschule, 1983), erste Einzüge Remser Weg (komplexer Wohnungsbau 1985) und Fertigstellung im Jahr 1987 (1.350 Wohnungen für 4.500 Einwohner), Rekonstruktion Tännichtschule (1985).

Mit Sachverstand, Bürgernähe, der Fähigkeit zum fruchtbaren Ausgleich und zum pragmatischen, lösungsorientierten Handeln verfolgte Wolfgang Geringswald eine Politik, die den Menschen dienen sollte und diente. Mit einem kommunalpolitischen Leitbild der menschlichen Stadt verfolgte er konsequent eine ganzheitliche Politik der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Entfaltung.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung erlebten Wolfgang Geringswald als stets engagierten, lebensbejahenden und zuversichtlichen Bürgermeister, der seinen Dienst in hohem Maße zuverlässig, diszipliniert, ordnungsliebend und außerordentlich führungsstark ausfüllte. Er hat sich den Aufgaben des Bürgermeisteramtes gestellt, ist nie abgetaucht und hat mit seiner Amtsleidenschaft immer wieder Lösungen durchgesetzt. Typisch für Wolfgang Geringswald war seine bescheidene Lebensart. Erst 1985 nahm er für sich und seine Frau eine modernere Wohnung in der Straße des Friedens in Anspruch. Er war stets der Meinung, dass es in Meerane Familien gibt, die eine Wohnung nötiger brauchen als er selbst.


Die Stadt Meerane wird Wolfgang Geringswald ein ehrendes Andenken bewahren.
Wir schulden ihm Dank und Anerkennung für seine geleistete Arbeit.

Meerane, 12. Mai 2016
Professor Dr. Lothar Ungerer
Bürgermeister Stadt Meerane


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