Aktuelles (14.03.2016)

 

Dachbodenfund gibt Einblicke in interessante Familiengeschichte

Eine sehr interessante und dazu überaus vergnügliche Geschichtsstunde erlebte das Publikum in der Meeraner Stadtbibliothek am 3. März 2016 zur „Meeraner Geschichtswerkstatt“ mit Joachim und Ellen Krause (Foto rechts) aus Schönberg.
Joachim Krause, der sich in den vergangenen Jahren bereits mit verschiedenen Themen aus der Geschichte seiner Heimat beschäftigte, erhielt vor einiger Zeit die Gelegenheit, auf dem Dachboden eines Bauernhofes in Köthel zu stöbern und insbesondere die dort aufbewahrten Dokumente zu sichten. „Die Schatzkiste auf dem Dachboden“, so der Titel der „Meeraner Geschichtswerkstatt“, erwies sich als eine wahre Fundgrube, erlaubten die Unterlagen doch umfangreiche Einblicke in das Leben und den Alltag auf einem Bauernhof in Köthel über drei Generationen hinweg in der Zeit zwischen 1891 und 1946.
Die „Geschichte(n) der Familie Junghanns in Köthel“ konnte Joachim Krause nach seinen umfangreichen Recherchen und der Aufarbeitung der alten Unterlagen nun dem Publikum vorstellen. Unter diesem Titel ist auch eine Dokumentation in der von ihm herausgegebenen Reihe „Schönberger Blätter“ erschienen.
Das Angebot, auf dem Dachboden des Bauernhofes auf Schatzsuche zu gehen, kam übrigens von einer früheren Lehrerin von Joachim Krause, erzählte er und richtete in diesem Zusammenhang einen großen Dank an die Familie Junghanns.
Seine Lehrerin war mit dem Hoferben Hermann Gottfried Junghanns verheiratet, 1929 geboren. Doch die Geschichte der gefundenen Unterlagen beginnt zwei Generationen früher, bei Friedrich Hermann Junghanns, geboren 1852, der im Jahr 1882 den Hof übernommen hatte. Die Gemeinde Köthel gehörte zu dieser Zeit dem Herzogtum Altenburg an, und nach der Erbfolge in Thüringen, anders als im damaligen Königreich Sachsen, erbte jeweils der jüngste Sohn den Hof, informierte Joachim Krause: „Die erstgeborenen Söhne erhielten eine gute Ausbildung, die Töchter eine ordentliche Mitgift, der Hof ging an den jüngsten Sohn, in diesem Fall im Jahr 1913 an Albert Herbert Junghanns und von diesem auf Hermann Gottfried Junghanns, den letzten Hoferben.“ Bis es soweit war, war es jedoch selbstverständlich, dass alle Kinder auf dem Hof und in der Wirtschaft mitarbeiteten.

Joachim Krause las sich in die unterschiedlichsten Aufzeichnungen und Dokumente aus den vergangenen Jahrzehnten ein, die er auf dem Dachboden fand, darunter die „Statuten des landwirtschaftlichen Vereins zu Schönberg und Umgebung“, das „Hauptbuch des Rindvieh-Kontrollvereins Schönberg“, die „Gesinde-Ordnung“ und das Lohnbuch für Gesinde, Wirtschaftsbücher, Unterlagen zum Verdienst des Gesindes im landwirtschaftlichen Betrieb und vieles mehr.
Dienstknecht, Kleinenke, Tagelöhner, Knecht, Magd, Hausmagd oder Kühjunge – für jeden wurde der ausbezahlte Lohn vermerkt, und in den Wirtschaftsbüchern wurden akribisch alle Ausgaben und Einnahmen verzeichnet. So finden sich unter Ausgaben z.B.: 31.8.1904, für 4 Gänse 13,60 Mark; 30.11.1904 für 25 Liter Petroleum 5 Mark; 22.12.1904 an Richtsteiger für 2 Öfen 145 Mark; 31.1.1905 Krankenkasse und Invaliditätsrente 46,49 Mark oder 15.3.1906 für 15 Zentner Baumwollsaatmehl 130,50 Mark. Unter Einnahmen ist z.B. nachzulesen: 11.12.1904 für Fuhrlohn von der Gemeinde 15,80 Mark; 17.5.1905 für 1 Kuh von Halicht-Gößnitz 200 Mark; 16.10.1906 für Rebhühner eingenommen 49,90 Mark. Auch kleinste Beträge sind aufgelistet: für 5 Pfund Äpfel 0,50 Mark, für Erbsen 0,20 Mark, für Gurken 0,50 Mark.
Aus der Ausbildungszeit von Herbert Junghanns, der 1902/1903 die Landwirtschaftliche Schule zu Altenburg besuchte, sind ebenfalls zahlreiche Unterlagen erhalten. Auf dem Stundenplan der Jungen standen Fächer wie Chemie, Pflanzenbau, Botanik, Tierzucht, Betriebslehre, Geschichte, Rechnen, Buchführung, praktische Übungen und Zeichnen. Insbesondere die erhaltenen Zeichenhefte waren es, die sofort das Interesse von Joachim Krause geweckt hatten, erzählte er, denn hier fanden sich auch zahlreiche Zeichnungen von landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen sowie zur Anatomie verschiedener Tiere, ausgeführt in künstlerisch hochwertiger Qualität.
Die Arbeitshefte hingegen enthielten ausschließlich umfangreiche Fragenkataloge zu den verschiedenen Fächern und Themen. „Denn die Antworten mussten sitzen. Es gab keine Bücher zum Nachlesen, die Schüler mussten alles parat haben“, erklärte Joachim Krause.
Aus der dritten Generation schließlich, von Hermann Gottfried Junghanns, sind unter anderem Arbeitstagebücher erhalten, in denen er die täglichen Arbeiten auf dem Hof entsprechend des Jahresverlaufes vermerkt hat. Außerdem gibt es ein Inventarverzeichnis des Bauernhofes aus der Zeit 1945/1946, welches nicht nur alle Tiere und landwirtschaftlichen Geräte auflistet, sondern z.B. auch Handkörbe, Papiertüten, Milchkannen, Melkeimer, Heugabeln und Kuhketten bis zu Schränken, Tischen, Stühlen, Backschüsseln oder Handtüchern.
Die Begeisterung, mit der Joachim Krause die Familiengeschichte recherchierte, war seinem Vortrag deutlich anzumerken und steckte auch das Publikum an.
Abgerundet wurde der Abend durch Auszüge aus dem Kurzroman „Der Bruderhof“, die Ellen Krause den Gästen vorlas. Diesen Roman hatte der Lehrer Paul Krause um 1930 geschrieben, der eine der Junghanns-Töchter geheiratet hatte. „Das ist ein ergreifendes Sittengemälde, ein Stück Familien-, Heimat- und Kulturgeschichte, in dem exemplarisch, aber typisch, das bäuerliche Leben von damals Gesicht gewinnt“, so Joachim Krause.

Auf großes Interesse stieß die „Meeraner Geschichtswerkstatt“ zur Familie Junghanns aus Köthel mit Ellen und Joachim Krause am 3. März 2016 in der Stadtbibliothek. Fotos: Stadtverwaltung Meerane
Aus der Lehrausbildung der Bauernjungen sind Zeichenhefte mit verschiedensten Skizzen aus den Unterrichtsfächern erhalten. Fotos: privat

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