Aktuelles (17.11.2015)

 

Gedenkstunde zum Volkstrauertag 2015 auf dem Meeraner Friedhof

Von Albert Schweitzer stammt der Satz: "Die höchste Erkenntnis zu der man gelangen kann, ist Sehnsucht nach Frieden". Dieses Zitat stellte Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer seiner Ansprache zur Gedenkstunde zum diesjährigen Volkstrauertag am 15. November 2015 auf dem Meeraner Friedhof voran.
Nach der Begrüßung der Gäste der Gedenkstunde, darunter Pfarrer Clemens Baumert von der Kath. Kirchgemeinde, Pfarrer Christian Freyer und der Posaunenchor der Ev. Kirchgemeinde, Mitglieder der Reservistenkameradschaft des Reservistenverbandes der Landesgruppe Sachsen und Meeraner Stadträtinnen und Stadträte, griff er die schrecklichen Ereignisse der Terroranschläge in Paris am 13. November 2015 auf. "Dieser Angriff auf die Freiheit gilt nicht nur Paris. Er meint uns alle. Und er trifft uns alle", zitierte er die Worte von Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 14. November 2015 und sprach über die zunehmende Bedrohung des (Welt)Friedens durch den Islamischen Staat (IS), der sich zu den Anschlägen von Paris bekannte.
"Die Bedrohung und Verzweiflung treibt viele Menschen nach Europa. Sie sind auf der Suche nach Sicherheit, aber auch nach einem besseren Leben und einer Zukunftsperspektive für sich und ihre Familie. Ein Ende der Flüchtlingsbewegung ist nicht in Sicht. Schuld daran sind die Kriege und Krisenherde von Asien bis Afrika", so Professor Dr. Ungerer, der in diesem Zusammenhang aber auch an die 700.000 Deutschen erinnerte, die Mitte und Ende der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts vor Nazi-Terror und Verfolgung flohen und in anderen Ländern Asyl suchten, sowie an die riesigen Flüchtlingsströme, die mit dem Zweiten Weltkrieg in Europa einsetzten. "Nach 1945 gab es in Meerane 10.000 vorübergehend Durchwandernde, 4000 verbliebene Flüchtlinge fanden in unserer Stadt eine neue Heimat. Viele dieser Flüchtlinge sind mit fast nichts hier angekommen und haben sich vor 70 Jahren eine neue Existenz aufgebaut. Sie haben unsere Stadt geprägt. Daran sollten wir uns erinnern, wenn uns die täglichen Meldungen über das Schicksal von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten in aller Welt erreichen. Nicht nur das Gebot der Mitmenschlichkeit sollte uns bewegen, diese Menschen in unserer Stadt zu beherbergen und ihnen in Deutschland eine neue Heimat zu geben. Die Werte des deutschen Grundgesetzes sind auch ihr Vermächtnis: Freiheit und Menschenwürde", so der Bürgermeister.

Der Volkstrauertag ist ein Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden. Zur Totenehrung bat der Bürgermeister die Gäste um einen Schweigemoment in stillem Gedenken.
"Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir erinnern uns heute an das Leiden und Sterben der Soldaten während der Kriege.
Wir gedenken den Menschen, die durch Kriegshandlungen, in Gefangenschaft, als Vertriebene oder Flüchtlinge ihr Leben verloren haben.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft leisteten, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder ihrem Glauben festhielten.
Wir gedenken unserer jungen Männer der Bundeswehr, die auch in jüngster Zeit für die Sicherheit Deutschlands und den Weltfrieden im Einsatz waren und starben.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung.
Doch unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Hoffnung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt."

Pfarrer Clemens Baumert von der Katholischen Kirchgemeinde St. Marien Meerane mahnte in seiner Rede, die Erinnerung wachzuhalten. "Die Zeitzeugen sterben aus. Der Volkstrauertag ist ein wichtiger Tag des Gedenkens und der Erinnerung. Der Volkstrauertag erinnert uns auch daran, zu welch schrecklichen Dingen Menschen fähig sind und dies leider nicht nur in der Vergangenheit. Aber auch: bei aller Trauer darf die Hoffnung nicht sterben", sagte er und erinnerte an Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg, die Anfänge für Versöhnung und gegen Hass setzten.

Professor Dr. Ungerer dankte abschließend allen, die der Feierstunde zum Volkstrauertag einen würdigen Rahmen gaben, darunter auch die Reservistenkameradschaft des Reservistenverbandes der Landesgruppe Sachsen, die seit vielen Jahren die Gedenkstunde der Stadt Meerane zum Volkstrauertag begleitet. Er schloss mit einem Wort von Theodor Heuss, Bundespräsident 1949-1959: "Sorgt ihr, die ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibe. Friede zwischen den Menschen, Friede zwischen den Völkern."

Zur Gedenkstunde sprachen Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer (Foto links) und Pfarrer Clemens Baumert von der Katholischen Kirchgemeinde Meerane.
Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges auf dem Friedhof Meerane.
Obergefreiter der Reserve Tino Werler, Hauptgefreiter der Reserve Lars Schubert, Obergefreiter der Reserve Christian Ligotzky und Hauptfeldwebel der Reserve Janko Schubert von der Reservistenkameradschaft des Reservistenverbandes der Landesgruppe Sachsen, im Bild mit Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer, und der Posaunenchor der Evangelischen Kirchgemeinde St. Martin Meerane begleiteten die Gedenkstunde der Stadt Meerane zum Volkstrauertag 2015.

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