Aktuelles (01.12.2015)

 

„Wer ist Crystal Meth?“

Lust oder Frust? – Infoveranstaltung bringt es auf den Punkt

Am 25. November 2015 hatte das Jugendcafé Oststraße sowie die Mobile Jugendsozialarbeit zu einer Informationsveranstaltung in die Stadtbibliothek Meerane eingeladen. Die Dezernatsleiterin für Sicherheit und Ordnung, Iris Anders, fand in ihrer Begrüßung einfühlsame Worte für ein schwieriges Thema und dankte besonders den Beteiligten für ihre Mühe, ein Thema in den Fokus zu rücken, welches für Betroffene nicht einfach ist.

Der Sozialpädagoge der Stadt Meerane, Enrico Busch, gab zu Beginn einen Überblick über die Droge „Crystal Meth“, deren Wirkungweise und untermauerte seine Erkenntnisse an Hand seiner Erfahrungen in der Mobilen Jugendsozialarbeit. Dabei ließ er aber nicht unerwähnt, das reißerische Berichte in den Medien oft zu einer Verzerrung der Realität führen. So sei beispielsweise das Thema Alkohol und Nikotin bei Jugendlichen nicht zu unterschätzen. „Oft ist es so, dass der Fokus zu sehr in eine Richtung geht“, betont er und fügt hinzu: „so hat sich beispielweise der Alkoholkonsum in den Jahren 2008 bis 2012 verdoppelt. Auch das ist eine Sucht und darf nicht unterschätzt werden!“

Gibt es nun eine so genannte Drogenszene in Meerane? Eine Frage, die den Besuchern auf den Nägeln brannte. Enrico Busch gab dazu eine umfassende Erklärung ab, die zeigte, dass es eine feste Gruppe in Meerane gibt, welche aber von der Dynamik nicht anders ist, als in anderen vergleichbaren Städten. „Dass der große unbekannte Drogendealer an der Ecke steht und Crystal Meth verkauft, ist ein Mythos“, informiert er die Öffentlichkeit und untermauert diese Aussage mit Beweisen aus seinem eigenen pädagogischen Arbeitsumfeld. „Die Jugendlichen, welche bei uns Rat und Hilfe suchen, haben ihre ersten Kontakte mit Drogen über Freunde und Bekannte gemacht!“ Ebenso erklärte er, dass man bei Hilfesuchenden nicht auf der Suche nach einem Schuldigen ist. „Das ist wenig zielführend“, berichtet er, „erst, wenn der Jugendliche merkt, dass die Droge mehr wegnimmt als sie gibt, dann ist der Moment der Erkenntnis gekommen, davon Abstand zu nehmen und ein Schuldbild von Irgendjemand oder Irgendetwas hilft dabei nicht.“

Wie sieht aber letztlich die Arbeit in der Praxis aus? Dazu war eigens der freischaffende Künstler und Journalist, Dirk Laucke, vor Ort. Er begleitete Enrico Busch und sein Team über einen längeren Zeitraum, führte Interviews mit Betroffenen und verarbeitete dieses Wissen in einem Hörspiel, welches zeigt, was es mit der „Horrordroge“ auf sich hat. Zudem zeigt er deutlich, wie manche Jugendliche „hineingeschlittert“ und wie sie wieder davon losgekommen sind – dabei wählt er schauspielerische Stilmittel, um den Spannungsbogen für das 50-Minütige Hörspiel zu halten und bleibt dabei bedrohlich nah an der Realität. Das Hörspiel unter dem Titel „Der Eismann“ wurde am 24. November 2015 beim WDR erstmals ausgestrahlt; und ebenfalls zur Podiumsdiskussion in der Stadtbibliothek. So ergab sich mit Holger Heine vom Jugendcafé, Sozialarbeiter Enrico Busch und Hörbuchschöpfer Dirk Laucke ein interessantes Anschlussgespräch mit dem Publikum.

Das Hörspiel steht in der WDR-Mediathek http://www.wdr5.de/sendungen/hoerspielamdienstag/der-eismann-100.html zum Download zur Verfügung.

Iris Anders, Dezernatsleiterin für Sicherheit und Ordnung, begrüßte die Anwesenden zur Informationsveranstaltung "Crystal Meth"in der Stadtbibliothek.

Künstlerische Installationen des Jugendclubs luden zum Nachdenken ein.
V.l.n.r.: Holger Heine vom Jugendcafé, Hörbuchschöpfer Dirk Laucke und Sozialarbeiter Enrico Busch standen in einer Podiumsdiskussion den Zuschauern Rede und Anwort. "Was übrig bleibt", nennt sich diese Installation und zeigt die letzten Habseligkeiten eines Drogenabhängigen.
   

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