Aktuelles (21.09.2015)

 

Klassiker „ganz krass“ – Hochkarätige Deutschstunde mit Lernfaktor

"Verweile doch, Du bist so schön..." am 11. September in der JUKE-BOX

Die Schülerinnen und Schüler schienen förmlich überzuschnappen vor Freude, als sie in der JUKE-BOX des Jugendclubs „Beverly Hill's“ am 11. September 2015 Platz nahmen. Besser gesagt: Ihre anfängliche Begeisterung war sehr verhalten, noch deutlicher ausgedrückt, nicht vorhanden. Auf ihren Stirnen konnte man die Botschaft lesen: „Wer weiß, unter welchen fadenscheinigen Gründen uns unsere Lehrer hierher gelockt haben!?“ Denn auf dem Vormittagsprogramm stand „Die etwas andere Deutschstunde“ mit Balladen von Goethe und Schiller. Klingt nach schwerer Kost, denn Goethes „Prometheus“ oder Schillers Werk „Die Kraniche des Ibykus“ aus dem Jahre 1797 sind derzeit nicht gerade angesagt.

Doch plötzlich tauchen wie aus dem Nichts zwei in schwarzweiß gekleidete Herren im Scheinwerferlicht der kleinen, aber feinen Bühne auf. Der eine Herr mit Rastalocken und Spitzbart nimmt hinter seinem bedrohlich wirkenden E-Cello Platz. Der andere wirft sich theatralisch seinen weißen Schal um den Hals und wirkt fast ein wenig wie die Hauptfigur in einem bekannten Gruselfilm. Dann schmettert er – begleitet von virtuosen elektrischen Klängen – Goethes Faust, der Tragödie 1. Teil, in das verlegen drein schauende junge Publikum. Wieder Stille! Kein Applaus! Den scheinen Cellist Benni Gerlach – welcher sonst in der Band „Letzte Instanz“ rockt – und Bühnenkollege Jürgen Stegmann fürs erste nicht zu erwarten, denn „Der Osterspaziergang“ dürfte den Schülern so noch nie untergekommen sein. Logisch, dass die Jugendlichen gemeinsam mit ihren Lehrern das erst einmal verarbeiten müssen. Und schon geht's mit Schillers „Teilung der Erde“ weiter. Wer gut im Unterricht aufgepasst hat, erkennt es sofort – für alle anderen schreibt der ehemalige Schauspieler bei den Landesbühnen Sachsen die Titel mit nasser Kreide an die Tafel. So ist auch hier für entsprechende Spannung gesorgt, denn bis diese trocken ist und ihre Sichtbarkeit freigibt, vergeht eine kleine Weile.

Dass „Prometheus“ und „Der kleine Trompeter“ miteinander harmonieren, zeigen die beiden Akteure ebenfalls aufs Trefflichste. Während Stegmann die wohl bekannteste Hymne Goethes fast wie ein vom Wahnsinn getriebener „durchpeitscht“, schlägt Benni Gerlach ganz sentimentale Klänge an und zupft das einst in der DDR oft für Politik missbrauchte Lied des Trompeters. Und wieder Stille! Und wieder kein Applaus! Doch Stegmann und Gerlach lassen es sich nicht nehmen, es auf einen kleinen Flirt mit den jungen Damen in den ersten Reihen anzulegen, gefolgt von der mit leicht erotischem Touch angehauchten Ballade „Der Handschuh“. Die Schülerinnen und Schüler schauen sich an, teils verlegen, kichern leise und mustern die Reaktion der Lehrer. Dann bricht schallendes Gelächter aus und von Stund' an scheinen diese rehabilitiert zu sein, denn es ist tatsächlich „die etwas andere Deutschstunde“. So hatte man die alte langatmige Literatur noch nicht erlebt.

Wenn es jetzt künftig im Unterricht heißt, literarische Werke ausdrucksstark zu rezitieren, dann Vorsicht: Das einst brave „Heidenröslein“ kann auch anders – nämlich Hardcore.
Jetzt lehnen sich die beiden Akteure genüsslich zurück und betrachten das Publikum – Mission erfüllt. Klassik kann auch anders, Klassik kann Spaß machen und tut nicht weh.
Fazit: Nicht nur eine andere Deutschstunde, sondern auch ein niveauvolles, hochkarätiges Programm.

Wahnsinnig und witzig: Stegmann als Zeus im „Prometheus“. Laut und leise: Cellist Benni Gerlach.
„Die etwas andere Deutschstunde“ erlebten am 11. September Schülerinnen und Schüler Meeraner Schulen in der JUKE-BOX.

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