Aktuelles (08.07.2015)

 

Langjährige Mitglieder des Meeraner Stadtrates geehrt

Zur Sitzung des Stadtrates am 7. Juli 2015 wurden vier Meeraner Stadträte – Karl-Heinz Liebezeit, Lothar Schilling, Wolf-Dieter Stöckl und Dr. Bernd Heinz Ebert – mit einer Ehrenurkunde geehrt. Grundlage ist die Ehrungsrichtlinie des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, nach der Mitglieder des Stadtrates geehrt werden,  die sich durch herausragende Leistungen im Rahmen ihrer kommunalpolitischen Tätigkeit verdient gemacht haben. Dazu zählt eine 15 sowie 25 Jahre aktive Mitgliedschaft im Stadtrat.

Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer blickte zu Beginn seiner Ansprache 25 Jahre zurück: „Dem friedlichen 1989er Revolutionsjahr in der DDR folgte 1990 die Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands. Für die Gemeinden, Städte und Kreise ist der Systemwechsel verknüpft mit der Wiedergeburt der bürgerschaftlichen Selbstverwaltung. Die erste Wahlperiode des Stadtrates der Stadt Meerane startete mit der Wahl am 6. Mai 1990. Es folgten die Wahlperioden 1994, 1999, 2004, 2009 und 2014. In der derzeitigen 6. Wahlperiode gehören seit 25 Jahren dem Stadtrat der Stadt Meerane die Herren Stadträte Karl-Heinz Liebezeit, Lothar Schilling und Wolf-Dieter Stöckl an. Seit der 2. Wahlperiode, und damit 21 Jahre, ist Herr Stadtrat Dr. Bernd Heinz Ebert Mitglied des Stadtrates der Stadt Meerane.“
Zur Würdigung der Leistungen der Stadträte hatte der Bürgermeister drei Dimensionen ausgewählt: eine historische, eine demokratische und eine persönliche Dimension.
Zur historischen Dimension erinnerte er an verschiedene Streiflichter aus 184 Jahren Stadtrat bzw. Stadtverordnetenkollegium Meerane. Die Allgemeine Städteordnung von 1832 als Beginn der kommunalen Selbstverwaltung wurde nach dem Wohlwollen der Schönburgischen Herrschaft erst 1845 in Meerane eingeführt, 1870 gab es erste direkte Wahlen, 1919 durften erstmals auch Frauen wählen. Die letzten freien Kommunalwahlen erfolgten im November 1932; nach dem Ermächtigungsgesetz, dem Verbot der SPD und dem Gesetz gegen die Neubildung von Parteien gab es zur Reichstagswahl im November 1933 nur noch die Einheitsliste NSDAP. Nach dem 2. Weltkrieg fanden am 1. September 1946 Kommunalwahlen statt; die kommunale Selbstverwaltung kippte im Juli 1952 mit der Abschaffung der Länder.
Am 6. Mai 1990 wurden bei den ersten und gleichzeitig letzten freien Kommunalwahlen in der DDR die Stadträte Karl-Heinz Liebezeit, Lothar Schilling und Wolf-Dieter Stöckl gewählt, die seitdem ununterbrochen im Stadtrat tätig sind. Seit der Wahl am 12. Juni 1994 ist Dr. Bernd Heinz Ebert Mitglied im Stadtrat.

Zur demokratischen Dimension zitierte der Bürgermeister unter anderem Bundeskanzler Willy Brandt in seiner Regierungserklärung vom 28. Oktober 1969 „Wir sind keine Erwählten, wir sind Gewählte. Deshalb suchen wir das Gespräch mit allen, die sich um diese Demokratie bemühen.“ und wandte sich an die geehrten Stadträte: „Sie führen bis heute mit der Bürgerschaft das Gespräch und leben die Kommunale Selbstverwaltung als Kernelement einer lebendigen Demokratie; konkret: den Willen zum Konsens, die Kraft zur Integration, das Misstrauen gegenüber Ideologie sowie Vertrauen und Vernunft. Ein kleinkariertes, provinzielles und eitles Profilierungsgetue lehnen Sie ab, da es unserer Stadt schadet und kein Ausdruck einer ernsthaften Politik ist.“

In der persönlichen Dimension der Würdigung stellte er die Frage nach den bürgerlichen Tugenden, die bei den Stadträten zu spüren sind, z.B. Solidarität und Zuwendung statt Eigeninteresse und Egoismus, Kompromissbereitschaft statt Eigennutz und Streitsucht, Pflichtbewusstsein statt Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit oder Achtung und Respekt statt Überheblichkeit und Ignoranz.
Professor Dr. Ungerer: „Gibt es nun eine Schnittmenge der vier Stadträte? Erstens. Akzeptanz. Sie nehmen Probleme an und baden nicht in Problemen. Zweitens. Optimismus. Sie überwinden Probleme und ergeben sich nicht den Problemen. Drittens. Lösungsorientierung. Sie suchen und finden Lösungen. Viertens: Sie vermeiden eine Opferrolle, indem Sie sich auf Ihre Stärken besinnen und die Realität angemessen interpretieren. Fünftens: Sie übernehmen Verantwortung für Ihr Tun. Ich habe großen Respekt vor Ihrer Verantwortungsbereitschaft, vor Ihrer Leistung. Ich danke namens der Bürgerschaft, des Stadtrates, der Stadtverwaltung und persönlich überaus herzlich für Ihr ehrenamtliches Engagement. Sie haben sich in herausragendem Maße um unsere Stadt Meerane verdient gemacht und ich verneige mich vor Ihrer Leistung.“

Die geehrten Meeraner Stadträte Herr Dr. Bernd Heinz Ebert, Herr Lothar Schilling, Herr Wolf-Dieter Stöckl und Herr Karl-Heinz Liebezeit (v.l.n.r.).

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