Aktuelles (22.06.2015)

 

Fernab des schriftstellerischen Mainstreams - Meeraner Schriftsteller präsentiert neuen Roman

„Ich bin kein Gemüsegartenschriftsteller, so nach dem Motto, wenn heute Tomaten dran sind, dann schreibe ich über Tomaten und morgen über Gurken“, bringt es der nunmehr 80-jährige Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert mit keckem Blick auf dem Punkt. Er ist kein Mainstream-Autor, sondern er schreibt das, worauf er Lust hat, was ihm wichtig erscheint. Doch das ist kein profitabler Gedanke für Verlage, und so wäre die Suche nach selbigen bereits eine Geschichte wert.
Schlussendlich hat auch sein neuestes Werk einen beherzten Verleger gefunden, und das Meeraner Publikum ist am 11. Juni 2015 zur Premiere in der Stadtbibliothek noch vor der Auslieferung der Exemplare in den Genuss einer Lesung gekommen.
Gekommen waren viele – darunter auch Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer – und nach der Begrüßung durch die Leiterin der Bibliothek Angelika Albrecht, welche einen kurzweiligen Abriss über das literarische Wirken des Autors gab, zog Wolfgang Eckert das Publikum in seinen Bann. Es herrschte gespannte Stille, denn diesmal sollte es eine ernste Lesung werden. Wenn ein Eckert liest, ist man still, will jede Sekunde, jede Minute seiner wohlformulierten und pointierten Aussagen verarbeiten, wirken lassen, aber auch genießen.

In seinem Roman „Der Kinderbaum“ erzählt Wolfgang Eckert mit einfühlsamen, nachdenklichen und unter die Haut gehenden Worten die Geschichte eines Kindes, welches mit der Trennung seiner Eltern klarkommen muss. Nein, er erzählt eigentlich nicht, sondern er lässt an den Gedanken und Gefühlen teilhaben. Man könnte meinen, er habe es einst selbst erlebt. Doch wie er dem Publikum erklärt, beobachte er aufmerksam seine Umwelt, und wenn es in den vergangenen Jahren seiner schriftstellerischen Tätigkeit humoristische Beobachtungen waren, so sind es diesmal die schmerzvollen. Wer allerdings meint, die Geschichte zu kennen, weil es bereits viele derartige reißerische Romane gibt, irrt und sei auf die anfangs erwähnten Tomaten und Gurken verwiesen. Kein Blockbuster-Gehabe, kein Mainstream-Feeling – einfach die für den Meeraner Wolfgang Eckert typische Schreibe. Was nichts anderes bedeutet: Jeder Satz ist durchdacht, nimmt den Leser – oder in diesem Falle den Premierenzuhörer – auf eine fantasievolle Reise mit, und während er im ersten Drittel seines Buches die einzelnen Protagonisten vorstellt, die Kennenlerngeschichte der einst sich Liebenden, die Hochzeit und die Geburt der Hauptfigur Franz erzählt, kommt man nicht umhin, mehr oder weniger laut zu Schmunzeln.
„Ich habe ein ernstes Buch geschrieben, und Sie lachen“, hält er kurz inne und blickt schelmisch ins Publikum. Und genau das ist das Besondere daran. Mit dem Roman „Der Kinderbaum“ ist es Wolfgang Eckert gelungen, ein schwieriges Thema nicht nur einfühlsam, sondern auch verständlich aufzugreifen.

Wie geht die spannende Geschichte um Vater Gernot, Mutter Zoe und Sohnemann Franz aus? „Ich werde mich hüten, Ihnen das Ende zu verraten“, sagt er mit einem Augenzwinkern, denn das habe er in der Marktwirtschaft nun gelernt, dass man als Autor ja auch seine Bücher verkaufen wolle. Das tat er im Anschluss und signierte die noch ganz druckfrischen Exemplare.

Foto rechts: Im Anschluss an die Lesung erfüllte der Autor gern Autogrammwünsche seiner Leser.

Wolfgang Eckert stellte am 11. Juni 2015 seinen neuesten Roman „Der Kinderbaum“ dem Meeraner Publikum vor.

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