Aktuelles (23.04.2015)

 


Planspiel Flächenhandel - Stadt Meerane engagiert sich als Modellkommune

Erster großer Feldversuch am 23. April 2015

Die Stadt Meerane engagiert sich als Modellkommune im bundesweiten Modellversuch des Umweltbundesamtes, die Möglichkeiten für einen bundesweiten Handel mit Flächenzertifikaten zu testen. Die teilnehmenden Städte und Gemeinden sind Vorreiter bei der Entwicklung und Erprobung eines innovativen Instrumentariums für ein nachhaltiges Flächenmanagement. Ziel ist es, über den Handel von Flächenzertifikaten die Neuausweisung von Flächen zu reduzieren und die Innenentwicklung zu stärken.
Der erste große Feldversuch findet am 23. April 2015 statt. Über eine Online-Plattform „simulieren“ die 88 Modellkommunen im Zeitraffer ihr Planungsverhalten der nächsten 15 Jahre, entscheiden, für welche Planung der Einsatz von Zertifikaten „lohnt“ oder in welchen Fällen der Verkauf von Zertifikaten für die Kommune größeren Nutzen verspricht.

Zur Vorbereitung wurden mit Unterstützung eines Gutachterteams Bestandsaufnahmen durchgeführt, die künftig für die Orts- / Stadtentwicklung genutzt werden können. Mit Hilfe einer „fiskalischen Wirkungsanalyse“ wurden alle Kosten und Einnahmen bilanziert, die bei der Umsetzung eines Baugebietes in den nächsten 25 Jahren für den Haushalt entstehen würden. Damit stehen wichtige Daten für eine Abwägung zwischen unterschiedlichen Planungsalternativen zur Verfügung.

Funktionsweise des Flächenhandels
•  Insgesamt darf nur so viel Fläche im Außenbereich neu bebaut werden, wie zur Einhaltung des 30-ha-Zieles der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zulässig ist. Diese Menge wird in Form von „Zertifikaten“ verbrieft und entsprechend der Einwohnerzahl auf die Kommunen verteilt.
•  Wenn eine Kommune bisher ungenutzte Flächen im Außenbereich zu Bauland machen will, muss sie die entsprechende Menge an Zertifikaten dafür aufbringen. Für die Bebauung im Innenbereich sind keine Zertifikate erforderlich.
•  Die Zertifikate sind zwischen den Kommunen frei handelbar. Ungenutzte Zertifikate können an Kommunen verkauft werden, die mehr Zertifikate benötigen als ihnen zugeteilt wurden. Die Einnahmen aus Zertifikatsverkäufen können z.B. für die Innenentwicklung verwendet werden.

Weitere Informationen
Weitere Informationen zum Modellversuch „Planspiel Flächenhandel“ im Internet unter www.flaechenhandel.de.


Hintergründe zum Planspiel Flächenhandel
Wird ein neues Baugebiet benötigt? Wann soll es entwickelt werden? Oder kann anstelle des Baus neuer Wohn- und Gewerbegebiete die Entwicklung auf Brachflächen und in Baulücken in vorhandenen Siedlungsgebieten gestärkt werden? Und welche Einnahmen und Kosten entstehen bei den verschiedenen Varianten für den Haushalt der Kommune?
Diese Fragen müssen Kommunalpolitik und Planer in ganz Deutschland immer wieder beantworten. Die Konsequenzen für die Kommunen, für die Bürgerinnen und Bürger sowie für die Allgemeinheit sind oft sehr gravierend und vor allem langfristig.
Jeden Tag werden in Deutschland 73 Hektar Natur durch neue Wohn- und Gewerbegebiete, Einkaufszentren und durch Straßen und Wege bebaut. Das entspricht der Fläche von über 100 Fußballfeldern. Die negativen Folgen sind klar: Die Artenvielfalt ist bedroht und wertvolle landwirtschaftliche Flächen gehen verloren. Je mehr neue Baugebiete mit neuen Straßen und Infrastrukturen es gibt, desto schlechter werden diese ausgelastet und desto teurer wird ihre Instandhaltung pro Kopf, zumal die Bevölkerung in vielen Regionen schrumpft. Zugleich wird Innenentwicklung schwieriger, die Vitalität der Innenstädte leidet und der Werterhalt von Bestandsimmobilien wird unsicher. Um diese ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen zu verringern, will die Bundesregierung den Verbrauch der Fläche bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag reduzieren. Mit dem Planspiel Flächenhandel will das Umweltbundesamt zusammen mit den Modellkommunen neue Instrumente entwickeln und erproben, um dieses Ziel zu erreichen.

Kontakt
Umweltbundesamt:
Detlef Grimski, Gertrude Penn-Bressel
Tel.:0340-2103 3266
Email: detlef.grimski@uba.de

Gutachterteam:

Institut der deutschen Wirtschaft
Dr. Ralph Henger / Michael Schier
Tel.: 0221-4981-744/-796
E-Mail: henger@iwkoeln.de

Institut Raum & Energie
Katrin Fahrenkrug / Dr. Michael Melzer / Lutke Blecken
Tel.: 04103-16041
E-Mail: institut@raum-energie.de

Quelle: Pressemitteilung des Umweltbundesamtes; Institut Raum & Energie
 
 

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