Aktuelles (14.04.2015)

 

Kalenderblatt 14. April 1945: Amerikanische Streitkräfte besetzen und befreien Meerane

Von Januar bis April 1945 ist auch Meerane von zahlreichen Fliegeralarmen betroffen. Anfang April nahmen diese durch die näher rückenden amerikanischen Truppen zu, so dass die Bevölkerung immer öfter Schutz, unter anderem in den Felsenkellern in der Augustusstraße, den heutigen Höhlern, suchen musste. Vom 1. bis 13. April 1945 gab es täglich Fliegeralarm.
Von größeren Zerstörungen und Bombardierungen blieb die Stadt verschont. Am 13. Februar 1945 fielen jedoch auch Bomben auf Meerane. Es wurden sieben Häuser und ein Fabrikgebäude im Bereich der Johannisstraße getroffen, 23 Tote, meist Frauen und Kinder, und 50 Verletzte waren zu beklagen.

Noch am 12. April 1945 wurde in einer Sitzung der Ortsleitung der NSDAP mitgeteilt, der Feind brauche noch Wochen, bis Meerane erreicht wird. Doch bereits am nächsten Tag sind amerikanische Panzer im Raum Meerane. Der damalige Bürgermeister Dr. Bulling und die Meeraner Führung der NSDAP fliehen aus der Stadt.
Die Meeraner hängen als Zeichen der kampflosen Übergabe weiße Tücher aus den Fenstern ihrer Häuser.

Am 13. April 1945 kam es zu einem massiven Vorstoß einer Panzerspitze der 4. US-Panzerdivision über die Autobahn von Gera über Meerane, Glauchau bis in den Raum Hohenstein-Ernstthal. Die 4. US-Panzerdivision war Teil der 3. US-Army, die Anfang April 1945 ca. 313.000 Soldaten zählte, unter der Führung Generals George Smith Patton.

Am 13. April 1945 kam es an der Autobahn auf Höhe Waldsachsen zu Kämpfen zwischen amerikanischen und deutschen Truppen. Drei deutsche, zunächst unbekannte Soldaten kamen dabei ums Leben. Waldsachsener Bürger bargen die Toten und begruben sie auf dem Friedhof Waldsachsen. Die Grabpflege übernahm freiwillig in Folgejahren das Waldsachsener Ehepaar Lampert. Nach dem Tod ihres Mannes kümmerte sich Frau Dora Lampert allein um die Pflege. Unterstützt wurde sie von den Frauen der Kirchgemeinde Waldsachsen. Frau Dora Lampert (1920-2009) wurde zum Neujahrsempfang der Stadt Meerane im Jahre 2002 für ihr freiwilliges Engagement mit der Bürgermedaille 2001 der Stadt Meerane ausgezeichnet. Sie war die erste Preisträgerin.

Die Stadt Meerane wurde nach dem erfolgreichen Durchbruch der US-Panzerdivision am 14. April 1945 gegen 16 Uhr von amerikanischen Truppen besetzt und befreit. Die nationalsozialistischen Machthaber setzten sich ab oder wurden inhaftiert. Die Stadt wurde den Amerikanern übergeben, ohne dass es zu den durch die Nationalsozialisten befohlenen Zerstörungen der Meeraner Industrieanlagen kam. Kampfhandlungen blieben glücklicherweise in der Stadt aus. Die Situation war sehr angespannt, da es in der Stadt neun Lazarette gab und zudem sehr viele Flüchtlinge in der Stadt waren. In der Stadt lebten ca. 29.000 Menschen. Meerane beherbergte rund 10.000 Flüchtlinge, von denen knapp 5.000 Menschen in Meerane verblieben und ihre neue Heimat fanden.

In Wehrmachts- und Marinelagern in der Stadt kam es am 14. April zu Plünderungen durch die Meeraner Bevölkerung. Dabei wurden diese Einrichtungen zum Teil stark zerstört, zum anderen hatte die Stadt durch die Plünderungen in den folgenden Wochen nicht die Möglichkeit, diese Waren, darunter Textilien und Schuhe, offiziell gegen viel dringender benötigte Lebensmittel einzutauschen.

Am 15. April 1945 kontrollierten ab 10 Uhr amerikanische Soldaten die Straßen, ab 11 Uhr gilt ein Ausgehverbot. Der gesamte Fernsprech- und Televerkehr wurde gesperrt. Ab dem 16. April 1945 gilt Ausgangssperre von 19 Uhr bis 7 Uhr morgens. Die Meeraner wurden aufgefordert, alle Schusswaffen abzugeben.

Bis Mitte Juni 1945 blieb Meerane unter der Verwaltung der amerikanischen Militärregierung. Die russischen Truppen stoßen am 12. Juni 1945 bis zur Zwickauer Mulde vor und besetzen am 14. Juni 1945 Glauchau. Jede Verbindung nach Glauchau ist seitdem unmöglich, der Landkreis wird in zwei Besatzungszonen getrennt, Meerane gehört ab sofort verwaltungsmäßig zum Landkreis Zwickau. In Meerane sind zu diesem Zeitpunkt noch die Amerikaner, doch auch hier werden Zettel verteilt, dass beim Einzug der Russischen Armee rote Fahnen zu hissen sind.

Am 18. Juni 1945 traf eine erste russische Delegation in Meerane ein, am 20. Juni gab es eine Russisch-Amerikanische Konferenz in der Villa Schmieder, Schwanefelder Straße.

Mit dem 14. April 1945 begann bis zum 1. Juli 1945 auch für Meerane ein Sonderkapitel in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Im Tausch gegen West-Berlin zogen sich die Amerikaner und auch die Briten mit dem 1. Juli 1945 wieder auf das Territorium der späteren Bundesrepublik zurück. Aus den ehemals amerikanisch und britisch besetzten Gebieten östlich der Elbe wurde die sowjetisch besetzte Zone; Meerane war ab dem 1. Juli 1945 in die Sowjetische Besatzungszone eingegliedert. In den betroffenen Gebieten, wie auch in Meerane, entwickelte sich eine neue Fluchtwelle. Die Veröffentlichung des Zonen-Grenzverlaufes zum 1. Juli 1945 löste eine Flüchtlingsbewegung vor den Sowjets gen Westen aus.

Eine genaue Zahl der im 2. Weltkrieg gefallenen Soldaten und Offizieren aus Meerane gibt es nicht. Aus den Jahren 1942 bis 1944 wird von rund 800 Gefallenen berichtet. Eine vorläufige Zahlenermittlung aus dem Jahr 1946 weist 840 Gefallene, 565 Kriegsbeschädigte, 607 Kriegswitwen und 426 Voll- und Halbwaisen in Meerane aus.


Quellen: Archiv Stadt Meerane; „Zeittafel der Stadt Meerane 1930–1949“ der Arbeitsgruppe Ortschronik Meerane
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