Aktuelles (23.03.2015)

 

„Anonyme Superbürokratie“ leicht erklärt

Bürgermeister Professor Dr. Ungerer blickt hinter die Kulissen

Wie läuft eine Lesung ab, wenn man aus einem Handlexikon liest und im Speziellen aus dem „Handlexikon der Europäischen Union“, welches nunmehr in seiner 5. neu bearbeiteten und erweiterten Auflage im Nomos-Verlag erschienen ist? Das Werk ist 1.750 Seiten stark und enthält eine umfassende Gesamtdarstellung der Europäischen Union – das lässt sich nicht einfach wie ein Roman lesen.
Doch das Interesse an dem Thema „Europäische Union“ ist groß, wie sich zeigte: Die Meeraner Stadtbibliothek war am 18. März 2015 zur Lesung mit Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer (Foto rechts), welcher einer der insgesamt 70 Autoren des Buches ist, bis auf den letzten Platz besetzt! Selbst Schülerinnen und Schüler des Europäischen Gymnasiums waren dabei und auf die bevorstehenden Stunden gespannt.
Bürgermeister Professor Dr. Ungerer freute sich sehr über diese enorme Resonanz und schlug zu Beginn seiner Ausführungen einen Bogen zur Leipziger Buchmesse: „Ich bin überrascht, dass das Buch im digitalen Zeitalter noch eine Chance hat, wobei ich mir sicher bin, dass dieses Handlexikon wohl nur wenige für den privaten Gebrauch kaufen werden!“ Den Grund nannte er prompt: „Die EU wird oft als anonyme Superbürokratie bezeichnet und wirkt deshalb auf viele abschreckend. Und was wir aus öffentlichen Quellen darüber wissen, ist oft sehr wenig.“
Das Handlexikon soll deshalb dabei helfen, verständlich über das „Wesen EU“ zu berichten. Und dass scheinbar trockener Stoff, anschaulich – teilweise spannend und mit ein wenig Humor gespickt – dargelegt werden kann, zeigten dann die weiteren Ausführungen. So ging Professor Dr. Ungerer auf die Entstehungsgeschichte der Europäischen Union ein und zeigte damit auch Besonderheiten auf, welche teilweise jetzt noch in verschiedenen Entscheidungen zum Tragen kommen. Auch ließ er die Übermenge an Bürokratie nicht unerwähnt und blickte kritisch auf die daraus resultierenden Ergebnisse. So sei es beispielsweise ein immenser Aufwand, die Gleichheit aller Staaten zu wahren, welches sich z.B. in der Vielzahl der jeweiligen Übersetzer niederschlägt.
Auch erklärte er anhand regionaler Beispiele die Funktion des Europäischen Rechnungshofes und die Besonderheiten der Europäischen Kommunalpolitik. „Hier sorgen die festgelegten Entscheidungen dafür, dass jeder Staat an seinen Traditionen festhalten kann“, erklärte er und fügte hinzu: „Frankreich kennt keine kommunale Selbstverwaltung, alle Entscheidungen werden in Paris getroffen. In Deutschland wäre dies undenkbar. Diese Unterschiede bleiben damit erhalten, und alle Mitgliedstaaten haben dies mit ihrem Eintritt anerkannt.“
Auch das Thema Währungsunion war in die Lesung integriert, und das derzeit aktuelle Thema Griechenland kam ebenso ungeschönt auf den Tisch. „Es war schwierig, hier alles verständlich niederzuschreiben“, informierte Professor Dr. Ungerer über seine Autorentätigkeit. Er berichtete über die Anfänge der Griechenlandkrise und stellte die beiden derzeit heiß diskutierten Fragen in den Raum: „Warum wird das Auslandskapital der Griechen nicht angetastet?“ und „Sollte Deutschland die Zwangsanleihe aus dem Zweiten Weltkrieg an Griechenland zahlen?“
Man dürfe sehr gespannt sein, welche historischen Entwicklungen zu erwarten sind, betonte Professor Dr. Ungerer zum Schluss der Lesung und überreichte ein Exemplar des Standardwerkes an die Leiterin der Stadtbibliothek Angelika Albrecht. Wer also an diesem Thema interessiert oder vielleicht nach der spannenden Lesung – und das trotz trockenem Stoffes – auf den Geschmack gekommen ist, kann sich das „Handlexikon der Europäischen Union“ gern in der Stadtbibliothek ausleihen.

Bürgermeister Professor Dr. Ungerer stellte in einer Lesung in der Meeraner Stadtbibliothek das „Handlexikon der Europäischen Union“ vor und freute sich sehr über das große Interesse der Meeraner.

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