Aktuelles (24.02.2015)

 

„Ich bin so gerne auf der Welt“

Stadt Meerane und Erich Knauf-Freunde aus ganz Deutschland ehren großen Sohn der Stadt mit einem besonderen Abend

Mit einer Dauerausstellung im Kunsthaus erinnert die Stadt Meerane seit 2011 an Erich Knauf. Der Journalist, Schriftsteller, Lektor und Liedtexter wurde am 21. Februar 1895 in Meerane geboren, wirkte später in Leipzig und in den 30er und 40er Jahren vor allem in Berlin – als Lektor der Büchergilde Berlin und Pressechef der Filmproduktionsgesellschaft Terra Film. Wegen systemkritischer Witze wurde er denunziert, angeklagt und am 2. Mai 1944 von den Nationalsozialisten nach einem Urteil des „Volksgerichtshofes“ im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.
Grundlage der Ausstellung im Kunsthaus ist Knaufs Nachlass, den der Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat. Wolfgang Eckert hatte bereits in den 1980er Jahren intensiv zu Erich Knauf geforscht, Kontakt zu dessen Witwe Erna aufgenommen und 1998 seine Knauf-Biografie „Heimat, deine Sterne...“ veröffentlicht. Von Knaufs Witwe Erna hatte er dessen Nachlass erhalten.

Nun luden die Stadt Meerane, Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer und die Fachbereichsleiterin Kultur Angelika Albrecht, anlässlich des 120. Geburtstages von Erich Knauf am 21. Februar 2015 zu einer Gedenkveranstaltung in die Galerie ART IN im Kunsthaus ein. Im Mittelpunkt standen zum einen das Erinnern und Gedenken an einen großen Sohn der Stadt, aber zum anderen insbesondere auch das literarische Schaffen von Erich Knauf, seine Gedichte und Liedtexte, die ihn als einen lebensbejahenden, humorvollen und unglaublich vielseitigen Künstler zeigen.
So stand die Gedenkveranstaltung unter dem Titel „Ich bin so gerne auf der Welt“, eine Textzeile, die sich in Knaufs Nachlass fand. „Ich bin so gerne auf der Welt“ ist auch der Titel eines Buches mit Kunstblättern und Gedichten von Erich Knauf, welches die Büchergilde Gutenberg Frankfurt am Main im vergangenen Jahr im Gedenken an ihren früheren Lektor der Büchergilde Gutenberg Berlin veröffentlicht hat.
Die Stadt Meerane konnte zu dieser Veranstaltung zahlreiche Gäste aus ganz Deutschland begrüßen, die sich mit dem Wirken von Erich Knauf beschäftigt haben und beschäftigen. Dazu zählten Wolfgang Grätz, einer der Gesellschafter der Büchergilde Gutenberg und deren Kunstverleger aus Frankfurt am Main, der international bekannte Berliner Tenor Michael Pflumm und die Sopranistin Katharina Göres, der Drehbuchautor Thomas Knauf, die Zwickauer Theaterschauspielerin Ute Zschiedrich und natürlich der Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert, außerdem Constanze Lindemann, Fachbereich Medien, Kunst und Industrie von ver.di Berlin-Brandenburg, Eckhard Krause aus München, der Kunsthistoriker Hartmut Pätzke aus Berlin und Pay Matthis Karstens, Kunsthistoriker und Dozent an der Humboldt-Universität Berlin.

Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer blickte kurz in die Geschichte der Stadt Meerane um das Geburtsjahr von Erich Knauf 1895 und informierte die Gäste im Anschluss, wie es zur Entstehung der Ausstellung über die in den 1920er bis 1940er Jahren in Berlin wirkenden ehemaligen Meeraner Werner Bochmann, Erich Knauf und Ralph Arthur Roberts gekommen war, zumal diese – was Erich Knauf und Werner Bochmann betrifft – auch ein gemeinsames Schaffen verband.
Er verwies auch auf die Freundschaft von Erich Knauf mit Erich Ohser, bekannt als e.o.plauen, und dem Schriftsteller Erich Kästner. Die drei fielen nach einer veröffentlichten Satire über Beethoven in Sachsen in Ungnade und gingen gemeinsam nach Berlin. „Was alle drei kennzeichnete, ist der Humor“, betonte der Bürgermeister und zitierte aus einer aktuellen Veröffentlichung aus DIE WELT: „Deswegen reagieren Despoten oft allergisch auf Satire, weil Humor den Untertanen die Angst vor den Machthabern nimmt.“

„Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie toll ich es finde, dass heute eine so große Geburtstagsfeier für Erich Knauf stattfindet“, wandte sich Wolfgang Grätz, Büchergilde Frankfurt am Main, in seinem Grußwort an die Gäste und betonte: „Zu verdanken haben wir dies Wolfgang Eckert, der Knaufs Biografie geschrieben hat!“ Wolfgang Grätz würdigte Knauf als den „wichtigsten Lektor“ der Büchergilde Gutenberg Berlin. Der Verlag war 1924 in Leipzig vom Bildungsverband der Drucker gegründet worden, von 1928 bis 1933 war Knauf Leiter des Lektorats. „Knauf war ein sehr kämpferischer Mann mit einer spitzen Feder. Er hat das Profil der Büchergilde sehr geschärft“, so Grätz. Die Wiedergründung der Büchergilde nach dem 2. Weltkrieg wäre ohne ihren guten Ruf nicht möglich gewesen. „Und dieser gute Ruf war Erich Knauf zu verdanken“, betonte Wolfgang Grätz.
1933 haben die Nationalsozialisten die Büchergilde übernommen. „Knauf war es nicht gegeben, den Kopf einzuziehen, deshalb wurde er rausgeworfen“, berichtete Grätz. Zum Abschluss seines Grußwortes überreichte er ein Exemplar des Gedichtbandes „Ich bin so gerne auf der Welt“ an Bürgermeister Professor Dr. Ungerer und betonte nochmals: „Ohne Erich Knauf würde es die Büchergilde so heute nicht geben!“

Die Bandbreite von Knaufs Schaffen war enorm. Gesellschaftliche Analysen, lyrische und prosaische Texte sowie Liedtexte gehören dazu. Der international renommierte Berliner Tenor Michael Pflumm hat sich mit dem Liedschaffen von Knauf beschäftigt, nachdem er die Knauf-Biografie von Wolfgang Eckert gelesen und Kontakt mit diesem aufgenommen hatte. Das Gedicht „Ich bin so gerne auf der Welt“ hat er selbst vertont. Für diesen Liedvortrag gab es viel Applaus, ebenso wie für die folgenden. Gemeinsam mit der Sopranistin Katharina Göres erfreute er das Publikum mit den Stücken „Mit Musik geht alles besser“ oder „Heimat deine Sterne“. Die Texte stammen von Erich Knauf, die Musik vom Meeraner Komponisten Werner Bochmann.
„Die Texte haben mich beeindruckt, ich finde es faszinierend, dass er in solchen Zeiten so Positives geschrieben hat“, antwortete Michael Pflumm auf die Frage von Professor Dr. Ungerer, was für ihn das Besondere an Knauf sei und fügte hinzu, dass die Gedichte leicht vertonbar sind: „Es ist eine Art Musik in den Worten von Erich Knauf!“
Einen Einblick in das umfangreiche Gedichtschaffen Knaufs gab die Zwickauer Theaterschauspielerin Ute Zschiedrich, die ganz unterschiedliche Themen ausgewählt hatte. Die Gedichte erzählen von gesellschaftlichen Ereignissen, aber auch vom Alltag und der Lebensfreude und zeigen Knaufs großes Talent für Witz, Ironie und Satire.

Der Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert las aus seiner Knauf-Biografie und hatte den Abschnitt ausgewählt, in dem er berichtet, wie sich Erich Knauf und Werner Bochmann kennenlernten. Knauf hatte ein Gedicht zur Hochzeit von Heinz Rühmann mit Hertha Feiler geschrieben. Werner Bochmann, der neben Rühmann wohnte, sah dieses dort, es gefiel ihm, und er fragte nach dem Autor. Als sich Knauf und Bochmann dann trafen, fiel ihnen ihr gemeinsamer Dialekt auf und es wurde vermutet, dass man wohl nicht weit voneinander entfernt aufgewachsen sei. Erstaunt stellten sie dann fest: Sie kamen beide aus der Stadt Meerane! So lernten sich die ehemaligen Meeraner in Berlin kennen.
Wolfgang Eckert berichtete außerdem von einem bisher unveröffentlichten Manuskript Knaufs „Der unbekannte Zille“, welches er im Nachlass entdeckt hatte. „Ende 2013 habe ich das Manuskript, dessen Worte bereits verblassten, abgetippt“, erzählte Wolfgang Eckert. Die Zille-Biografie soll nun im Juli dieses Jahres im Vergangenheitsverlag erscheinen, mit einem Vorwort von Wolfgang Eckert. „Knauf gehörte zu den scharfsinnigsten Beobachtern politischer Zustände seiner Zeit und war ein ausgezeichneter Kunstkenner“, betont dieser.
„Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um allen, die Knaufs Leistung schätzen, sehr herzlich zu danken. Ich bin damit nicht allein“, sagte Wolfgang Eckert abschließend.

Auch der Drehbuchautor Thomas Knauf hat sich mit den Arbeiten von Erich Knauf, mit dem er entfernt verwandt ist, beschäftigt. 1988 erschien sein Hörspiel „Die Stunde des Augenblicks“. Thomas Knauf las zur Gedenkveranstaltung aus seinem Text „Der Mann, der seinen Kopf für einen Witz verlor“, in dem über die Ereignisse berichtet wird, die zur Verhaftung und Verurteilung von Erich Knauf und Erich Ohser führten.

Bürgermeister Professor Dr. Ungerer richtete zum Abschluss dieses besonderen und sehr beeindruckenden Abends auch im Namen von Angelika Albrecht ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten und alle Gäste. „Vielen Dank, dass Sie gemeinsam mit uns Erich Knauf die Ehre erwiesen haben.“

Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer begrüßte die zahlreichen Gäste und moderierte die Gedenkveranstaltung.
 
   
Der international bekannte Berliner Tenor Michael Pflumm hat das Gedicht „Ich bin so gerne auf der Welt“ von Erich Knauf vertont und spielte dieses selbst am Flügel. Gemeinsam mit der Sopranistin Katharina Göres aus Berlin trug er außerdem die bekannten Stücke „Mit Musik geht alles besser“ und „Heimat, deine Sterne...“ vor. Die Texte schrieb Erich Knauf, vertont wurden diese vom Meeraner Komponisten Werner Bochmann.
Aus Frankfurt am Main war Herr Wolfgang Grätz, einer der Gesellschafter der Büchergilde und deren Kunstverleger, zu Gast. Er betonte in seinem Grußwort die Bedeutung von Erich Knauf als wichtigster Lektor der Büchergilde Berlin.
Die Zwickauer Schauspielerin Ute Zschiedrich rezitierte Gedichte von Erich Knauf und präsentierte dabei eine große Vielfalt an Themen.
Der Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert las aus seiner Knauf-Biografie „Heimat, deine Sterne...“.
Der Drehbuchautor Thomas Knauf, ein entfernter Verwandter von Erich Knauf. Sein 1988 erschienenes Hörspiel "Die Stunde des Augenblicks" beschäftigt sich mit dem Leben von Erich Knauf. Bürgermeister Professor Dr. Ungerer und Angelika Albrecht, Fachbereichsleiterin Kultur, freuten sich über einen gelungenen Abend und dankten allen Mitwirkenden ganz herzlich.
Viele Gäste schauten sich nach der Veranstaltung die Erich-Knauf-Ausstellung und die Werner-Bochmann-Ausstellung an
 
Der Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert im Gespräch mit Hartmut Pätzke, Kunsthistoriker aus Berlin.  
Professor Dr. Ungerer und Wolfgang Eckert führten Michael Pflumm und Katharina Göres durch die Ausstellungen im Kunsthaus.


Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer mit dem Tenor Michael Pflumm und Sopranistin Katharina Göres aus Berlin, dem Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert und Wolfgang Grätz, Inhaber und Kunstverleger der Büchergilde Gutenberg aus Frankfurt am Main (v.r.n.l.) in der Erich-Knauf-Ausstellung.
 

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