Aktuelles (21.01.2015)

 

In der Osterländer Volkszeitung ist am vergangenen Freitag, 16. Januar 2015, der unten stehende Beitrag erschienen, den wir mit freundlicher Genehmigung der Osterländer Volkszeitung, Lokalredaktion Altenburg, und des Autors hier veröffentlichen.


Freundschaftspflege zum Jahresbeginn

Stadt Gößnitz lädt zur traditionellen Festveranstaltung / Zeit für Bilanzen und Gespräche

VON JÖRG REUTER

Gößnitz. Es ist in Gößnitz seit Jahren schöne Tradition, im Januar zum Neujahrsempfang einzuladen. Vorgestern war es wieder so weit. Rund 100 Gäste fanden sich in der Stadthalle ein. Bürgermeister Wolfgang Scholz (Initiative Städtebund) nutzte wie üblich den Anlass für einen Rück- und Ausblick. Ebenso fester Bestandteil des Abends ist es, dass sich nach dem festlichen Teil die Gelegenheit zu interessanten Gesprächen bietet. Dies wurde auch 2015 rege und gern genutzt.

An einem Tisch hatten wie immer die Bürgermeister der umliegenden Kommunen Platz genommen. „Die Zusammenarbeit gewinnt, wenn die Bürgermeister freundschaftliche Beziehungen pflegen", meinte der Crimmitschauer Rathauschef Holm Günther (parteilos). Schließlich seien auch die Menschen in seiner Stadt mit Gößnitz und der Thüringer Region so eng verbunden, dass für sie weder Kreis- noch Landesgrenzen eine Rolle spielen. „Deshalb ist es wichtig, regelmäßig Informationen auszutauschen. Außerdem arbeiten wir ja im länderübergreifenden Entwicklungsprojekt Terra Plisnensis zusammen", betonte der Oberbürgermeister, der persönlich zum ersten Mal Zeit fand, um zum Neujahrsempfang zu kommen. Günther: „Weil parallel in Waldenburg eine ähnliche Veranstaltung ist. Aber ich habe mich jedes Jahr vertreten lassen."

Gewissermaßen Stammgast in Gößnitz ist Meeranes Bürgermeister Lothar Ungerer. Auch seine Stadt gehört zum Terra-Plisnensis-Raum. „Wenn wir nicht ständig und eng auf kommunalpolitischer Ebene zusammenarbeiten würden, wäre es schwierig für die Bürger", erklärte er. Obgleich das Empfinden der Menschen ein anderes sei, ist die Landesgrenze verwaltungstechnisch eine tatsächliche Grenze. Trotzdem bestehe in vielen Bereichen die Notwendigkeit zur engen Kooperation. „Beispielsweise ist eine Besonderheit, dass das Klärwerk von Meerane auf Gößnitzer Flur steht und in Thüringen entwässert", so Ungerer. Weil das Meerchen, das durch Meerane fließt, bei Gößnitz in die Pleiße mündet, ist auch im Bereich des Hochwasserschutzes eine enge Abstimmung der Vorhaben unumgänglich. Nur das verspreche Erfolg.

Ungerers Liste ist lang: so würden auch im Bereich der Infrastruktur die Städte gemeinsam an einem Strang ziehen. Gerade kämpfen Ungerer und Scholz gemeinsam für Erleichterungen beim S-Bahn-Fahren. Denn die Landesgrenze ist in dem Fall auch die Grenze zwischen dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund und dem Verkehrsverbund Mittelsachsen. „Das bedeutet unter anderem, dass die Bürger nicht mit einer Fahrkarte von Leipzig über Gößnitz nach Sachsen fahren können." In diesem Jahr soll auch ausgelotet werden, inwieweit die Feuerwehren von Meerane, Ponitz und Gößnitz zusammenarbeiten können, sagte Ungerer.

Auf das ehrenamtliche Engagement ging auch Scholz in seiner Ansprache lobend ein. Ohne dies wäre in Gößnitz vieles 2014 nicht möglich gewesen. Auch seien die Vereine eine Stütze der Demokratie. Und das ist in Gößnitz durchaus nötig, zumindest was die Wahlbeteiligung betrifft. Denn an den Wahlen 2014 nahm nicht einmal jeder zweite Gößnitzer teil, beklagte der Bürgermeister. Einen Grund zum Klagen findet Scholz stets, wenn es um die Finanzen geht. So rechnete er vor, dass sich die Ausgaben der Stadt für die Kindergärten binnen zehn Jahren fast verdoppelt haben.

Nicht unerwähnt ließ Scholz auch diesmal nicht die Flut von 2013. In der Stadt seien danach von über 250 Spendern insgesamt fast 233 000 Euro eingegangen. „Das ist überwältigend", bedankte sich Scholz wiederholt. Rund 177 430 Euro wurden bereits ausgegeben. Zum Teil auch für Eigenanteile der Stadt, um die Fördergelder zum Wiederaufbau nutzen zu können. Jedoch reichten dies und die Rücklagen nicht für alle Maßnahmen. Daher plant die Stadt 2015, einen Kredit aufzunehmen.
-> Kommentar Seite 11


Kommentar Von Jörg Reuter

Gute Beispiele, für die Region

Eigentlich ist die Region Gößnitz, Crimmitschau, Meerane alles andere als weitab vom Schuss. Zwischen Leipzig und Zwickau liegen die Städte praktisch zentral in Mitteldeutschland. Ein Bundesland Mitteldeutschland gibt es jedoch nicht. Und so leben die Bürger trotz allem in einer Randlage. Die Nachteile spüren Thüringer ebenso wie Sachsen, auch wenn manchem die innerdeutschen Landesgrenzen wie reine Papiertiger erscheinen.
Dennoch sind es Grenzen, die tatsächlich existieren. Verwaltungshandeln endet regelmäßig an ihnen. Und das nicht erst, seitdem in Erfurt die Linkspartei den Ministerpräsidenten stellt, in Sachsen aber die CDU. Um so wichtiger ist es, dass die Bürgermeister kommunal zusammenarbeiten.
Die Städte, zu denen übrigens auch Schmölln gehört, haben erkannt, was gut für ihre Region und ihre Bürger ist. Ganz offensichtlich zeigt sich das beim Hochwasserschutz oder bei Industrieansiedlungen. Hier sind länderübergreifende Konzepte notwendig. Aber auch die gewollte Zusammenarbeit der Feuerwehren ist vernünftig und lindert für die Bürger die Nachteile der Randlage.
Alles gute Beispiele, die Schule machen sollten. Auch im Landkreis, denn das, was über Landesgrenzen hinweg möglich ist, sollte erst recht im Altenburger Land funktionieren.
-> Beitrag Seite 12
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