Aktuelles (02.12.2014)

 

Interessante und spannende Buchpremiere mit Joachim Krause

Schönberger lässt Leser teilhaben an „Spurensuche im Terminkalender“

Der Schönberger Joachim Krause hat ein neues Buch geschrieben: „Die Verschiebung des Horizonts – eine Spurensuche im Terminkalender“. Auch vielen Meeranern ist er gut bekannt, nicht nur durch sein bereits 2008 veröffentlichtes Buch „Am Abend mancher Tage – Eine Spurensuche in Mitteldeutschland“.
Joachim Krause ist Dipl.-Chemiker mit einer zusätzlichen Ausbildung in Theologie. Von 1982 bis 2010 war er Beauftragter für Glaube, Naturwissenschaft und Umwelt in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Bereits in den 1980er Jahren beschäftigte er sich intensiv mit Umweltproblemen in der damaligen DDR und arbeitete in Umweltgruppen mit. 1985 erschien in einer Auflage von 7000 Exemplaren seine Broschüre „Tipps für umweltgerechtes Verhalten im Alltag“. Joachim Krause recherchierte zum Waldsterben im Erzgebirge, über Gesundheitsschädigungen im Zusammenhang mit Umweltverschmutzungen, nach der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl veröffentlichte er – im halblegalen kirchlichen Untergrund – ein Informationsheft.
Er hat alles aufgehoben, erzählte er den Besuchern zur Buchpremiere am 17. November 2014 in der Meeraner Stadtbibliothek: nicht nur Briefe und Dokumente, auch seine Terminkalender, Rechnungen…
In diesen Terminkalendern kramt er nun und erinnert sich anhand der Notizen an Ereignisse, Erlebnisse, Begegnungen, an denen er seine Leser teilhaben lässt. Das Jahr 1973 war zum Beispiel ein solches ereignisreiches Jahr: Joachim Krause hat eine neue Arbeit in Dresden, gründet eine Familie, erlebt aber auch einen Anwerbeversuch der Staatssicherheit der DDR in diesem Jahr. Und er bekommt ein Büchlein in die Hand „Die Grenzen des Wachstums“. „Wachstum war zu dieser Zeit in Ost und West eine Fortschritts-Definition, aber das Buch hat vieles in Frage gestellt und nicht nur mich, auch viele andere Menschen bewegt. Mein Weltbild bekam Risse“, erzählt er. Im Freundeskreis hält er erste kleine Vorträge zu Umweltfragen. In Dresden wurde 1980 der „Ökologische Arbeitskreis“ gegründet, eine der „schlagkräftigsten Umweltgruppen in der ehemaligen DDR“, erzählt Krause. Und weil ihm das Thema so wichtig war, dass er sich nicht nur in der Freizeit damit beschäftigen wollte, bewarb er sich für eine Stelle „Glaube und Ökologie“ im Landeskirchenamt. Die war zwar überhaupt nicht ausgeschrieben, aber es klappte dennoch, 1982 bekam er seinen Arbeitsvertrag. Seine ersten Fälle: Das Waldsterben im Erzgebirge – Die Zähne der Kinder von Dohna – Die Schwermetallbelastung im Raum Freiberg.
Joachim Krause schildert die damalige schwierige Arbeit, die natürlich von der Staatssicherheit immer überwacht wurde. Die Umweltprobleme bzw. damit verbundene Gesundheitsprobleme in der Bevölkerung waren den Behörden der DDR durchaus bekannt, nur die Bevölkerung selbst erhielt keine Informationen. Lebhaft und spannend erzählt er von seinen Aktivitäten: von der schwierigen Informationsbeschaffung, von der aufwändigen Arbeit an Broschüren oder Infoheften, für die auch das Material beschafft werden musste, z.B. 50.000 Blatt Schreibmaschinenpapier, nicht einfach in der damaligen DDR. Dazwischen liest er Einträge aus seiner Stasiakte „OV Grüner“ vor. „Ich wäre vor Angst gestorben, wenn ich damals von den Vorwürfen gewusst hätte“, sagt er heute. Die Kirche stellte sich jedoch immer hinter seine Arbeit und unterstützte ihn. Später galt er als „exotischer Geheimtipp in Sachen Energiefragen“, hielt Vorträge in kleineren Kreisen, hatte auch Kontakt zur Berliner Umweltbibliothek, die er als „chaotisch“ erlebte. „Da haben die Umweltgruppen in Sachsen viel stärker sachbezogen gearbeitet“, erzählt er.
Das Publikum lauscht gespannt und bedankt sich am Ende mit viel Applaus für einen sehr interessanten und spannenden Abend mit Joachim Krause!

Joachim Krause stellte am 17. November 2014 sein neues Buch in der Meeraner Stadtbibliothek vor. Mitgebracht hatte er auch verschiedene Veröffentlichungen und Dokumente aus DDR-Zeiten.


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