Aktuelles (13.10.2014)

 

Spannende Einblicke in die Meeraner DDR-Geschichte

Ausstellung „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ zur DDR-Geschichte Meerane – Einblicke in die Jahre 1968 bis 1976 – mit zahlreichen Besuchern eröffnet

Anlässlich des diesjährigen örtlichen Gedenktages zur Erinnerung an die friedliche Revolution 1989 wurde am 9. Oktober 2014 die Sonderausstellung „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben." zur DDR-Geschichte Meerane – Einblicke in die Jahre 1968 bis 1976 – im Alten Rathaus am Markt eröffnet.
Die Eröffnung stieß auf großes Interesse, so dass die Plätze im Trausaal des Alten Rathauses nicht ausreichten. Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer zeigte sich begeistert, dass so viele Gäste, darunter Sachsens Staatsminister Dr. Jürgen Martens, gekommen waren.
Nach der Begrüßung las der Bürgermeister Originaltexte aus den Aktennotizen der Stasi vor – darunter auch Teile aus der Akte „Groschwitz“. Die Formulierungen präsentieren sich antiquiert und scheinen nach Satire zu klingen – dennoch, sie waren einst bittere Realität, und so manche Eintragung dieser Art konnte der beobachteten Person das Leben kosten.
„Es kann in einem Ort nichts passieren, was die Partei nicht weiß“, steht dort tatsächlich schwarz auf weiß. Grund genug, dem Einfluss der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und dem Wirken der Stasi direkt in Meerane nachzugehen. So blickte das Stadtoberhaupt in die sozialistische Vergangenheit zurück und erklärte, dass er als Außenstehender sehr gespannt auf die Ausstellung ist und auch darauf, wie Betroffene damit umgehen.
Dann übergab er das Wort an Johannes Groschwitz, welcher sich zum einen in den vergangenen Monaten intensiv um die Zusammenstellung der Ausstellung und deren Präsentation gekümmert hatte, und zum anderen auch seine persönliche Stasi-Akte für die Öffentlichkeit zugänglich machte, und dankte ihm herzlich für seine engagierte Arbeit. „Sie haben in den letzten Wochen viel geleistet. Vielen Dank!“
Außerdem dankte er den Mitarbeitern des Heimatmuseums Kathrin Bittner und Christine Bernert sowie Dieter Löhr, Mitarbeiter des Medienreferates, für die Unterstützung.

Johannes Groschwitz führte die gespannten Zuhörer in die Ausstellung ein und betonte dabei, dass er weder Historiker noch professioneller Aussteller sei. „Neben anderen Aktivitäten konnten zirka 750 Seiten Archivgut über die SED-Ortsleitung aus dem Sächsischen Staatsarchiv aufgearbeitet werden“, berichtete er und fügte hinzu, dass noch weitere 750 Seiten in Augenschein genommen werden müssen. Zudem erklärte er, wie der Titel der Ausstellung entstanden ist – ein Zitat Walther Ulbrichts, welches von Wolfgang Leonhard überliefert wurde.
Interessant war auch Johannes Groschwitz‘ Auseinandersetzung mit diesem ihn selbst stark berührenden Thema. „Als operativer Vorgang – OV – wurde ich bearbeitet, weil mir die Stasi Vereinsbildung zur Verfolgung gesetzwidriger Ziele unterstellt hat. Menschen, die nicht ins sozialistische Weltbild passten, wurden einfach kriminalisiert“, erklärte er. Dabei wollte er damals nur einen Verein gründen, welcher sich beispielsweise um die Verschönerung des Schillerparkes kümmern wollte. „Antrag abgelehnt“, hieß es, damit beschäftige sich ja schließlich die Partei. Fortan galt Groschwitz als Klassenfeind. So schnell konnte es gehen, und so schwierig wurde es dann für eine Person, wenn sie denn erst einmal als „OV“ geführt wurde.
Bei seinen persönlichen, aber auch allgemeinen Recherchen im Vorfeld auf diese Ausstellung kam Johannes Groschwitz zu dem Ergebnis: „Wenn sich Probleme nicht lösen ließen, dann waren dafür in der Regel der zu führende Klassenkampf und der Klassenfeind schuld. Vor Ort waren das Leute wie die ersten Ausreisewilligen, nicht konform auftretende Jugendliche, Christen mit differenzierter Einstellung zum Staat, Nichtwähler, aber auch die Zeugen Jehovas, die man als Handlanger des Imperialismus bezeichnete, sowie in Teilen private Händler, Geschäftsleute und Handwerker“.
Mit diesen abschließenden Erläuterungen eröffnete er die Ausstellung, die bis zum 9. November 2014 im Heimatmuseum im Alten Rathaus besichtigt werden kann und im Anschluss als Dauerausstellung in das Postgebäude umziehen wird.
Die Sonderausstellung informiert zu den Themen DDR-Verfassung, Achtung Klassenfeind, 800-Jahrfeier der Stadt, Handel und Versorgung sowie Schule, Jugendweihe, Wehrerziehung. Die Dokumentation beinhaltet dabei jeweils nur Ausschnitte aus den der Stadt vorliegenden Unterlagen und erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Heimatmuseum im Alten Rathaus
9. Oktober bis 9. November 2014
– Dienstag, Donnerstag 14:00–17:00 Uhr
– am Sonntag, 9. November 2014, anlässlich 25 Jahre Mauerfall 14:00–17:00 Uhr

Auf großes Interesse stieß die Eröffnung der Ausstellung „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben." zur DDR-Geschichte Meerane – Einblicke in die Jahre 1968 bis 1976 am 9. Oktober 2014.
Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer (re.) und Johannes Groschwitz eröffneten die Ausstellung im Alten Rathaus. Johannes Groschwitz berichtete über die Planung der Ausstellung und las auch aus seiner persönlichen Stasi-Akte.
Auch Staatsminister Dr. Jürgens Martens (re.) war zur Eröffnung der Ausstellung gekommen.  
Bis zum 9. November 2014 wird die Ausstellung im Alten Rathaus gezeigt, im Anschluss wird sie als Dauerausstellung in das Neobarocke Postgebäude umziehen.

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