Aktuelles (29.09.2014)

 

Roland Dressel: „Ich lebe gut, ohne Bildbearbeitung“

Vernissage in der Galerie ART IN im Kunsthaus zog viele Besucher an


Am 17. September 2014 wurde die neue Ausstellung „STATIONEN – die Fotos – die Filme“ in der Meeraner Galerie ART IN im Kunsthaus mit einer mehr als gut besuchten Vernissage eröffnet. Gekommen waren Freunde, Verwandte, Kinder und Enkelkinder des nunmehr 82-jährigen in Meerane geborenen Roland Dressel. Ebenfalls ließ es sich Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer nicht nehmen, den interessanten Einblicken in die Arbeit als Fotograf und Kameramann zu lauschen.
In einem kurzweiligen mit Humor gespickten Gespräch mit Professor Dr. Wolfgang Zscherpel vom Meeraner Kunstverein berichtete Roland Dressel über seine Vorliebe als begeisterter Kinogänger und sein Leben als Kamera-Assistent im DEFA-Studio für Spielfilme.
So erfuhren die Gäste, dass er über die selbsteingerichtete Dunkelkammer eines Verwandten die Liebe zur Fotografie entdeckte: „Ich war fasziniert, was passiert, wenn man einfach so ein Blatt Papier in die Entwicklerflüssigkeit warf und nach kurzer Zeit aus dem Wasserbad herauszog“, schwärmt er noch Jahrzehnte danach. Also war es für ihn klar, 1951 eine Fotografenlehre in Glauchau zu beginnen. Wie ihm Professor Zscherpel entlockte, ging es bereits 1954 als Standfotograf in die Filmstudios nach Potsdam-Babelsberg. Hier kam er sogleich mit der Kameraassistenz in Berührung und meinte mit einem Augenzwinkern: „Es war eine große, aber nützliche Schinderei!“ Warum? Die Erklärung schob er gleich nach, so seien die Kameras im Vergleich zu heute, schwerste Monster gewesen, welche aber eine grandiose Qualität ablieferten.
Auf jeden Fall habe er hier seine Berufung gefunden, es folgte ein Studium an der Betriebsakademie beim DEFA-Spielfilmstudio in Babelsberg und ab 1968 wurde er vertraglich als Kameramann eingestellt.
Mit dem Film „Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow“ (1974) folgte sein Debüt. Hier experimentierte er mit Schwarz-Weiß und Farbe sowie unterschiedlichsten stilistischen Mitteln. So war es denn auch keine Wunder, dass der Film für Wirbel sorgte und als aufmüpfig eingestuft wurde. Was heute kaum vorstellbar ist, damals aber bittere Realität war: Der Film erhielt Exportverbot und war nur in wenigen Studiokinos zu sehen. „Es war eine schwierige Zeit“, blickte der 82-Jährige zurück, doch Qualität zahlte sich aus und namhafte Regisseure suchten die Zusammenarbeit mit ihm.
Die größte Anerkennung erhielt er dann zusammen mit Rainer Simon als Regisseur und für den Film „Die Frau und der Fremde“ nach der Novelle „Karl und Anna“ von Leonhard Frank. So kam 1985 überraschend die Einladung, mit diesem Film an den Filmfestspielen „Berlinale“ in Westberlin teilzunehmen, wo dieser die höchste Auszeichnung, den „Goldenen Bären“ erhielt. Es war und blieb der einzige „Goldene Bär“ der DEFA.

Nach der Wende 1989 setzte Roland Dressel seine Arbeit fort und beendete erst im Jahr 2000 seine berufliche Tätigkeit als Kameramann, da er eine Dozentur an der Babelsberger „Hochschule für Film und Fernsehen“ annahm.
Doch auch im hohen Alter ist Roland Dressel weiter aktiv. So geht er regemäßig mit seiner analogen Leica auf Fotopirsch und widmet sich weiterhin der Fotokunst, wie er sagt: „Ganz analog und ohne Bildbearbeitung“.

Die Vernissage wurde am Flügel von Pianist Simon Fritzsch, Zwickau, Preisträger des Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“ umrahmt.

Die Ausstellung „STATIONEN“ wird bis 9. November 2014 in der Galerie ART IN zu sehen sein.

Öffnungszeiten der Galerie ART IN:
Dienstag bis Donnerstag 14:00–18:00 Uhr,
Sonntag 14:00–17:00 Uhr (nicht feiertags)

Viele Gäste waren in die Galerie ART IN gekommen, darunter auch Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer.

Pianist Simon Fritzsch aus Zwickau und Preisträger des Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“ umrahmte musikalisch die Vernissage. Fotograf und Kameramann Roland Dressel (li.) im Gepräch mit Professor Wolfgang Zscherpel vom Meeraner Kunstverein e.V.

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