Aktuelles (07.07.2014)

 

Kurt Geucke – „… sein Leben war Drama genug“

Stadt Meerane erinnerte anlässlich des 150. Geburtstages an umstrittenen Künstler

Kurt Ehrenfried Geucke wurde am 22.06.1864 als Sohn des Buch- und Kunsthändlers Louis Geucke in Meerane geboren. Die Familie zog nach Dresden, als er erst 5 Jahre alt ist, doch Meerane wird ihn später ehren und immer unterstützen. 1939 wird er Ehrenbürger; eine Straße wird nach ihm benannt. Als er nach seinem Tod 300 Gulden Schulden hinterlässt, übernimmt die Stadt Meerane auch diese.
Kurt Geucke – Schriftsteller, Schauspieler und Erfinder, war immer auf der Suche nach dem großen Erfolg, dem großen Durchbruch, so scheint es, der ihm allerdings verwehrt bleibt.
So ganz in Vergessenheit ist er jedoch nicht geraten, denn erst 2012 wurde in England eines seiner Werke, der Heimat- und Kolonialroman „Rust“, neu aufgelegt.

Anlässlich seines 150. Geburtstages hatte die Stadt Meerane am 19. Juni 2014 zu einer Veranstaltung in die Stadtbibliothek eingeladen. Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer und die Fachbereichsleiterin Kultur Angelika Albrecht begrüßten hier auch den Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert und die Studentin Janet Schaarschmidt.
Professor Dr. Ungerer bescheinigte Geucke eine große Bandbreite seines Schaffens, der auch die große Tradition der Lyrik aufgriff, jedoch auch viele nationale Elemente. Fasziniert sei er von dessen Abenteuerroman „Rust“, der aber auch, wie viele von Geuckes Werken, unterschiedlich interpretiert werde. „Ich definierte Geucke als Kind seiner Zeit“, so der Bürgermeister.
Wolfgang Eckert las in seiner Einleitung seinen Aufsatz zu Kurt Geucke vor, der in seinem Buch „Der Meeraner Bote“ veröffentlicht ist. „Mir ist Geucke zum ersten Mal in den Meeraner Heimatstimmen begegnet“, erinnerte er. Als Redakteur des Meeraner Blattes stellte Wolfgang Eckert ab 1990 verschiedene Meeraner Persönlichkeiten vor, so auch Kurt Geucke. „Geucke ist ein schwärmerischer Romantiker, auch nach dem 1. Weltkrieg. Andere deutsche Schriftsteller dieser Zeit waren vom kritischen Realismus angezogen; Geuke wirkt fern davon ‚wie auf einer Wolke‘“, schildert Wolfgang Eckert seine Eindrücke.

Auch Janet Schaarschmidt hat sich auf die Spuren von Kurt Geucke begeben. Die Germanistik-Studentin der TU Chemnitz hatte sich zuerst im Rahmen eines Praktikums auf Anregung von Angelika Albrecht mit Kurt Geucke befasst und forscht zu diesem nun auch für ihre Bachelorarbeit. Unterstützung erhielt sie in Meerane außerdem von Frank Hartmann, der sich ebenfalls um Aufarbeitung des Werkes und Lebens von Kurt Geucke bemüht.
In ihren Ausführungen schilderte Janet Schaarschmidt dem Publikum Kurt Geuckes Suche nach Wissen, nach Erfolg, nach Bestätigung, nach Erfüllung, nach Glück, was ihm beruflich als auch privat meist verwehrt bleibt.
Die Liebe zur Schauspielkunst erwacht früh; in der Weinhandlung des Vaters in Dresden verkehren Schauspieler und Persönlichkeiten der Theaterszene; ein Gönner verhilft ihm zu kostenlosen Theaterbesuchen.
Nach dem Gymnasium beginnt er eine kaufmännische Lehre, gibt diese wieder auf, er ist eher Feingeist und Freigeist, so Janet Schaarschmidt. Es folgt 1884-86 ein Lehrerseminar. Janet Schaarschmidt: „Aber Geucke wollte nie Lehrer werden, ihm ging es vielmehr darum, seinen Wissensdrang zu befriedigen.“
In dieser Zeit schreibt er an seinem Erstlingswerk „Eralda Loredano“. Typisch für Geucke ist das Aufgreifen von Stoffen aus der griechischen Mythologie bzw. europäischer Sagen und Legenden. Das Erstlingswerk erscheint 1888, ist aber für die Bühne nicht geeignet, wird also nie aufgeführt. Geucke zieht nach ersten Kritiken die Auflage ein und gibt diese seiner Mutter zum Feueranzünden.
Geucke macht eine Schauspielausbildung, schließt diese 1869 ab und erhält ein Engagement am Stadttheater Lübeck. Dort wird er jedoch bald entlassen und zieht mit einer Wanderkomödie durch Schleswig-Holstein. 1890 bekommt er eine Anstellung im Stadttheater Greifswald. Dort wird sein Stück „Felicitas“, in dem er auch selbst mitspielt, ein großer Erfolg. Aber am nächsten Tag ist der Direktor mit den Einnahmen der Premiere durchgebrannt. Nicht zuletzt wegen seines Augenleidens gibt er die Schauspielerei auf. Es folgen Tätigkeiten als Redaktionsgehilfe und Korrektor, er arbeitet als Instrukteur in einer Anstalt für schwedische Heilgymnastik, ist Feuilletonist am Dresdner Tageblatt und 2. Schriftleiter beim Freiberger Anzeiger. Sein Traum aber, als Schriftsteller zu leben, bleibt, so Schaarschmidt.
1895 geht er wieder nach Berlin. Sein 1897 erschienenes Werk „Nächte. Gassen- und Giebelgeschichten“ wird ein großer Erfolg, so kann er endlich ein Studium aufnehmen und studiert Kunstgeschichte. Auch sein klassisches Drama „Sebastian“ wird ein großer Erfolg, in ganz Deutschland und auch im Ausland aufgeführt, dann aber eingestellt.
Ab 1904 geht Geucke nach einem großen Eisenbahnunglück unter die Erfinder, meldet ein Patent zur Eisenbahnsicherung an, welches aus finanziellen Gründen aber nie gebaut wird. Im Juli 1912 erfolgt wieder eine Patentanmeldung, die einer unsinkbaren Schiffskonstruktion, im April war die Titanic untergegangen. Auch dies wird nie umgesetzt, aber seine Patentanmeldungen treiben Geucke in den Ruin.
Auch sein Privatleben ist von Schicksalsschlägen geprägt. Von 1914 bis 1924 arbeitet Geucke als Standesbeamter in Berlin, er heiratet 1924, doch schon zwei Jahre später stirbt seine Frau. 1936 stürzt sein damals 12-jähriger behinderter Sohn aus dem Fenster eines Krankenhauses. Beides trifft ihn sehr. Kurt Geucke stirbt am 24.12.1941 nach einer Operation, kurz vor dem 100. Geburtstag seiner Mutter.
Das Fazit von Janet Schaarschmidt: „Auch wenn Geucke nicht zu den bekanntesten Dichtern zählt, sein Leben ist auf jeden Fall Drama genug!“
In ihrer Bachelorarbeit wird sie sich nun näher mit seinem Werk befassen, das Thema ihrer Arbeit lautet: „Phantastische Elemente im Werk ‚Der Spiegel in der Burg des Wahnsinns‘“.

Foto rechts: Angelika Albrecht, Janet Schaarschmidt und Wolfgang Eckert im Gespräch.

Bürgermeiste Professor Dr. Ungerer begrüßte die Gäste in der Stadtbibliothek.
Janet Schaarschmidt informierte in ihrem Referat zum Leben und Werk Kurt Geuckes. Der Meeraner Frank Hartmann hat die Studentin der TU Chemnitz bei ihrer Arbeit unterstützt.
Zur Veranstaltung war auch eine kleine Ausstellung zum Leben und Werk Kurt Geuckes zu sehen.

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