Aktuelles (27.06.2014)

 

„Der Weltkrieg änderte von Grund aus das Leben und Treiben auch in unserer Stadt.“

Meerane und 100 Jahre Erster Weltkrieg (1)

von Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer

Vor 100 Jahren wurden am 28. Juni 1914 der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Ehefrau erschossen. Dieses Attentat in Sarajevo war Auslöser für eine internationale Krise, die wenige Wochen später in den von vielen Zeitgenossen schon lange befürchteten Krieg zwischen den Großmächten mündete. Der Tod des Ehepaares in Sarajevo sollte zum Tod von Millionen von Menschen im Ersten Weltkrieg führen.

1914 endete eine über vierzigjährige Friedensphase in Westeuropa. Der Krieg selbst und seine Folgen waren verheerend. Den Ereignissen von vor 100 Jahren soll gedacht werden, in dem die Auswirkungen auf die Stadt Meerane reflektiert werden, denn dieser Krieg „änderte von Grund aus das Leben und Treiben auch in unserer Stadt“, wie die Chronisten Willibald Krause und Oskar Philipp 1930 resümierten.

Als die europäischen Nationen im Jahre 1914 in den Ersten Weltkrieg zogen, gab es nur vage Vorstellungen von dem, was dann bis zum Kriegsende 1918 kam. Der Begriff Weltkrieg wurde kurz nach Kriegsausbruch 1914 geprägt, da sich der Krieg von Anfang an nicht nur auf Europa beschränkte. Er wurde in Europa, dem Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Weltmeeren geführt und forderte rund 17 Millionen Menschenleben.

Er begann formal mit der Kriegserklärung des Kaiserreiches Österreich-Ungarn an Serbien am 28. Juli 1914 (vergleiche Meeraner Zeitung) und endete am 11. November 1918 mit einem Waffenstillstand. 40 Staaten waren mit knapp 70 Millionen Soldaten beteiligt. Die wesentlichsten Kriegsnationen waren Deutschland, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien einerseits sowie Frankreich, Großbritannien und das Britische Weltreich, Russland, Serbien, Belgien, Italien, Rumänien, Japan und die USA andererseits.
Am 1. August 1914 erfolgte der Befehl zur Mobilmachung des deutschen Heeres (vergleiche Meeraner Zeitung). Erster Mobilmachungstag war der 2. August 1914. Mit der Besetzung Luxemburgs durch deutsche Truppen begannen am 2. August 1914 die ersten Kriegshandlungen.

Die Mobilmachungstage im August 1914 riefen zahlreiche Reservisten auch in Meerane zum Reichsheer. Zahlreich stellten sich auch Freiwillige, besonders unter den Jugendlichen. Daher blieben in der damaligen Oberrealschule bis zum Abitur in der Oberstufe stets nur sehr wenige Schüler übrig. In den Jahren 1916 und 1918 gar nur ein einziger.
Vom 5. August bis Ende Oktober 1914 rückten die Meeraner Mannschaften, die sich in Glauchau stellen mussten, jedesmal geschlossen ab, begleitet von Verwandten, Freunden und der Stadtkapelle. Ansprachen hielten der Bürgermeister, ein Stadtrat, Oberpfarrer Harig und honorige Bürger wie Albert Posern oder Karl Schmieder. Bis zum 25. September 1918 zogen etwa 4.500 Meeraner in den Krieg. Fast jede Meeraner Familie war betroffen. Bei vielen von ihnen standen Vater und Söhne und mehrere Brüder im Krieg. Bis 1918 verloren 1.025 Meeraner Soldaten durch Kriegshandlungen ihr Leben. Die Ehrenhalle auf dem Friedhof enthält all ihre Namen.

Meerane hatte im Jahre 1914 rund 23.000 Einwohner. Der männliche Anteil lag bei ca. 48 Prozent, dies ergibt ca. 11.000 männliche Einwohner. 4.500 von ihnen waren im Krieg, das sind 40 Prozent aller Meeraner Männer. Von den 4.500 Männern verloren 1.025 ihr Leben, das sind 23 Prozent. Eine erschütternde Zahl.

   

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