Aktuelles (30.01.2014)

 

Gedenkstunde zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Seit 1996 wird in Deutschland der 27. Januar und damit die Befreiung von Auschwitz als nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen. An diesem Tag wird an die Menschen und ihre Schicksale gedacht, die während der Jahre der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihr Leben verloren.

Der Gedenktag der Stadt Meerane stand in diesem Jahr in besonderer Verbindung mit dem 70. Todestag des in Meerane geborenen Schriftstellers Erich Knauf, der am 2. Mai 1944 im Zuchthaus Brandenburg im Alter von 49 Jahren hingerichtet wurde. In der Werner-Bochmann-Ausstellung im Kunsthaus, in der auch an das Leben und Wirken von Erich Knauf erinnert wird, begrüßte Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer am 27. Januar rund 40 Gäste zu einer Gedenkstunde. Besonders begrüßte er den Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert, der 1998 eine Biografie über Erich Knauf unter dem Titel „Heimat, deine Sterne … Leben und Sterben des Erich Knauf.“ veröffentlichte, sowie Schülerinnen und Schüler der Tännichtschule Mittelschule Meerane, die im vergangenen Jahr im Rahmen eines Unterrichtsprojektes die ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau besucht hatten.

Im ersten Teil der Gedenkstunde las Wolfgang Eckert aus der Biografie von Erich Knauf. Er hatte die Kapitel ausgewählt, die die Verhaftung von Erich Knauf und dessen Freund Erich Ohser, bekannt als der Karikaturist E.O. Plauen, schildern, die dann folgenden Vernehmungen und Ereignisse bis zur Hinrichtung von Erich Knauf am 2. Mai 1944. Erich Ohser hatte sich in der Nacht vor der Verhandlung das Leben genommen.
Wolfgang Eckert las von den anfänglichen Hoffnungen des Verhafteten, alles würde sich aufklären, seinen Gedanken an seine Ehefrau Erna, schilderte die beklemmende Situation der Verhöre und die zunehmende Angst und Ohnmacht. Erich Knauf und Erich Ohser waren von einem Hauptmann, der mit ihnen in einem Haus wohnte und mit dem sie abends oft zusammengesessen hatten, angezeigt worden. Der Vorwurf: wehrkraftzersetzende Äußerungen. Knauf kann sich nur an Witze erinnern, die sie gemacht hatten, die auch oft vom Hauptmann Schulz selbst gekommen waren.
Erich Knauf weiß, was diese Anschuldigungen bedeuten, und langsam wird deutlich, dass in einem Schauprozess der Öffentlichkeit vorgeführt werden soll, wie es Künstlern ergeht, die sich gegen das bestehende System stellen. Für Knauf setzen sich - vergeblich - verschiedene Schauspieler und Künstler ein, sein Gnadengesuch wird von Hitler abgelehnt. Er wird am 2. Mai 1944 hingerichtet, seine Ehefrau erfährt dies nur zufällig am folgenden Tag. Sie erhält später eine Rechnung über alle Kosten, von der Haft über die Verhandlungen bis zur Hinrichtung ihres Mannes, die sie bezahlen muss.
Wolfgang Eckert las auch den Abschiedsbrief von Erich Knauf an seine Ehefrau Erna vor, geschrieben einen Tag vor seiner Hinrichtung, berührende Worte voller Liebe.

Die Dokumente hat Wolfgang Eckert, zusammen mit dem Nachlass von Erich Knauf, von dessen Witwe erhalten, als er Mitte der 80er Jahre begann, über den Schriftsteller zu recherchieren und mit ihr Kontakt aufnahm. Er erzählte, wie diese zuerst sehr reserviert reagierte, ihn später jedoch immer herzlicher empfangen habe. Den Nachlass hat er der Stadt Meerane für die Ausstellung im Kunsthaus zur Verfügung gestellt.
Professor Dr. Ungerer dankte Wolfgang Eckert für die Lesung und betonte, dass dieser sich sehr verdient um Erich Knauf gemacht hat: "Es ist Herrn Eckert sehr zu danken, dass er das Leben und Sterben von Erich Knauf niedergeschrieben und damit erhalten hat."

Den zweiten Teil der Gedenkstunde gestalteten Schülerinnen und Schüler der Tännichtschule. Ende vergangenen Jahres hatten Schüler aller drei 9. Klassen der Schule im Rahmen des Ganztagesangebotes die ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau gemeinsam mit ihren Lehrern Antje Ungerer und Uwe Brauner besucht.
Die Jugendlichen lasen verschiedene Texte vor, die Eindrücke ihres Besuches der Gedenkstätte Auschwitz widerspiegelten, darunter den Bericht eines Überlebenden, des italienischen Schriftstellers Primo Levi, und einen Ausspruch des Philosophen und Soziologen Theodor W. Adorno: "Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung."
Unter der Überschrift "Keine Erinnerung ohne Zahlen" stellten die Schüler die Chronologie der Errichtung der Lager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau dar und nannten die Zahlen der Opfer und Überlebenden weiterer Konzentrationslager: Belzec 600.000 Opfer, 2 Überlebende; Treblinka 800.000 Opfer, 40 Überlebende; Majdanek 500.000 Opfer, 400 Überlebende, Ausschwitz 1,5 Mio. Opfer, von den 7.600 befreiten Häftlingen starben viele in den folgenden Wochen und Monaten an Erschöpfung oder Krankheiten.
"Jeder soll darüber Bescheid wissen, so etwas darf nie wieder passieren", bekräftigten die Schüler und nannten zum Abschluss ein Zitat von Rita Süßmuth: „...Und wir wissen, wie sehr politische Wachsamkeit gefordert ist. Es ist unsere Pflicht, über den Holocaust aufzuklären, um eine Wiederholung dieser grauenhaften Geschehnisse zu verhindern...“

Bürgermeister Professor Dr. Ungerer dankte den Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrern herzlich für die beeindruckende Präsentation.

Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer (li.) begrüßte den Meeraner Schriftsteller Wolfgang Eckert, der aus seinem Buch „Heimat, deine Sterne … Leben und Sterben des Erich Knauf.“ las.
Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Tännichtschule hatten im vergangenen Jahr die ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau besucht. Sie schilderten ihre Gedanken und Eindrücke.
Die Ausstellung im Kunsthaus informiert über das Leben und Wirken von Erich Knauf.

<< zurück