Aktuelles (05.11.2012)

 

Gedenkstein für Herrn Georg Salzmann – Einladung und Geleitwort anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November 1938

Zum ehrenden Gedenken an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger unserer Stadt,
die in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945 vertrieben oder verschleppt oder ermordet wurden.

Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wird ab Freitag, 8. November 2013 ein neuer Stolperstein an den Meeraner Kaufmann Georg Salzmann erinnern, der an den Folgen seiner Inhaftierung am 10. November 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald vier Wochen später starb.

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde wird der Gedenkstein am 8. November 2013, 15:00 Uhr enthüllt. Treffpunkt ist der Wilhelm-Wunderlich-Platz, Eingang Stadtbibliothek . In einer Ansprache wird Bürgermeister Lothar Ungerer die Geschehnisse des 9./10. November 1938 sowie das Schicksal von Herrn Georg Salzmann und seiner Familie darstellen.

Ebenso wie die Schicksale der Meeraner Familien Wertheim und Born, sowie Frau Frida Blumenthal findet Georg Salzmann seine Erinnerung in dem Projekt „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig. Es wird an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mit Gedenktafeln aus Messing erinnert, die vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort ins Trottoir eingefügt werden. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Die Gedenksteine für Herrn Joseph Wertheim und Herrn Willy Wertheim wurden im Jahr 2009 angebracht, die Gedenksteine für Frau Frida Blumenthal und Herrn Alfred Born im Jahr 2011.

Die Feierlichkeiten werden begleitet von Schülerinnen und Schülern der Tännichtschule Mittelschule Meerane, die in diesem Schuljahr sich in einem Ganztagesprojekt mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft beschäftigen. Sie übernehmen in diesen Tagen die Pflege der verlegten Stolpersteine.

Mit Georg Salzmann erinnert die Stadt Meerane an einen Mitbürger, der wie die Mitbürger Joseph Wertheim und Alfred Born, mit den Pogromtagen des 9./10. November 1938 Gewalt und Leid erdulden musste.

Mit der Kanzlerschaft Adolf Hitlers im Januar 1933 wurde erstmals in der Geschichte Rassismus und Antisemitismus zum Regierungsprogramm erhoben. Bringt man es auf eine einfache Formel, beruhte die Vorstellung Hitlers und seiner Nationalsozialisten darauf, dass Menschen unterschiedlich viel wert seien. Bestimmte Menschen und Menschengruppen wurden als „minderwertig“ eingestuft, verfolgt und ermordet, dazu zählten auch die Menschen jüdischen Glaubens und Abstammung.
Die Grundlage zur völligen Entrechtung der deutschen Juden wurde durch die „Nürnberger Gesetze“ (15.09.1935) geschaffen: Das „Reichsbürgergesetz“ machte sie zu Staatsbürgern zweiter Klasse, die dazugehörigen Durchführungsverordnungen nahmen den deutschen Juden bis 1942 Zug um Zug alle Rechte. Um die Jahreswende 1941/42 liefen die Vorbereitungen für die Ermordung aller deutschen und europäischen Juden. Erst die Alliierten-Streitkräfte konnten 1945 dem Morden ein Ende setzen. Neuere Forschungen bestätigen die Zahl von fast sechs Millionen ermordeter Juden, die man schon unmittelbar nach dem Krieg geschätzt hatte. Weniger als die Hälfte von ihnen wurden in Vernichtungslagern umgebracht, die anderen fielen Erschießungen, der Erstickung in „Gaswagen“, Misshandlungen oder den Lebensbedingungen in den Lagern und Ghettos zum Opfer. Fast 95% der Opfer stammten aus Osteuropa. Von den knapp 600.000 deutschen Juden wurden über 180.000 ermordet, über 400.000 Menschen mussten Deutschland verlassen und fanden Exil in anderen Ländern; 12.000 deutsche Juden überlebten in Deutschland.
Einen entscheidenden Einschnitt in der Judenverfolgung bildete die „Reichskristallnacht“ am 9./10. November 1938. Vorwand für diesen staatlich organisierten Pogrom gegen die Juden in Deutschland vor 75 Jahren bildete das Attentat eines jungen Juden auf einen deutschen Botschaftsangehörigen in Paris. Auf höhere Weisung (Hitler, Goebbels) zogen Truppen vor allem der SA zu Synagogen und Geschäften von Juden, zündeten sie an und zerstörten sie. Tausende von Juden wurden aus ihren Wohnungen getrieben und misshandelt. 27.000 jüdische Männer wurden noch während der „Kristallnacht“ in Konzentrationslager gesperrt.
Aus den Akten des Kriminalamtes Chemnitz liegt der Stadt Meerane ein Protokoll vom 18. Januar 1947 über die Befragung eines Herrn E. B. aus Glauchau vor, in dem er seine Mitwirkung an der „Kristallnacht“ zugibt und schildert, wie er mit weiteren Mitwirkenden in Glauchau, Meerane, Mülsen und Oberlungwitz sich an den antijüdischen Aktionen mitbeteiligt. Er schildert die Übergriffe auf die Meeraner Familien Born und Wertheim.
Betroffen waren die Chemische Fabrik Meerane und das Wohnhaus der Familie Wertheim in der Crotenlaider Straße. Der Senior-Chef, Joseph Wertheim, wurde in der Folge der „Kristallnacht“ in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er den Tod fand.
Herr Alfred Born, der sein Bekleidungsgeschäft in der August-Bebel-Straße 63 führte, wurde in der Nacht misshandelt und verhaftet. Laden und Wohnung verwüstet. Er kam in das KZ Buchenwald. Am 7. Dezember wurde er mit der Maßgabe entlassen, Deutschland bis Ende 1939 zu verlassen. Alfred Born überlebte die Nazidiktatur.
Bekannt war, dass der Meeraner Kaufmann Georg Salzmann ebenfalls ein Opfer der „Kristallnacht“ war. Bürgermeister Ungerer hat in den vergangenen Monaten die näheren Umstände aufgearbeitet, so dass die unmenschlichen Geschehnisse dargestellt werden können, in dessen Folge Georg Salzmann den Tod fand. Ausdruck der Erinnerung seines Schicksals ist der neue Gedenkstein.


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