Aktuelles (17.10.2013)

 

1813-2013: 200 Jahre Völkerschlacht / Meerane Durchzugs- und Quartierort von Truppen

Einen mehr als interessanten Geschichtsabend erlebten die zahlreichen Gäste des „Meeraner Gespräches“ am 16. Oktober 2013 in der Stadtbibliothek. Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer hatte zu einem historischen Themenabend „200 Jahre Völkerschlacht“ eingeladen. Nach einführenden Informationen zur politischen Situation in Europa und Sachsen in der Zeit vor 200 Jahren reflektierte er insbesondere die überlieferten Ereignisse in Meerane, welches als Durchzugs- und Quartierort von Truppen in die Geschehnisse eingebunden war. Wie der Bürgermeister informierte, finden sich dazu einige wenige Hinweise z.B. in der „Chronik und Beschreibung der Fabrik- und Handelsstadt Meerane“ (1863) von Just Heinrich Leopold.

1813 kommt der Krieg in die Häuser von Bauern und Bürgern in Form der gefürchteten Einquartierungen auch nach Meerane. Leopold kommt zu dem Fazit, berichtete der Bürgermeister, dass die Jahre 1806 und die folgenden Meerane lange „nicht die Wunden" schlugen wie anderen Städten, „wohl aber das Jahr 1813 durch Einquartierungen, Lieferungen und Contributionen." (S.68)
Für die Stadt Lichtenstein gibt es Vermerke in anderen Chroniken, dass Napoleon zweimal die Stadt passierte – am 16. Mai 1812 gegen 11.30 Uhr, und am 4. August 1813. Immer mussten die Städte blechen: Futter stellen, Soldaten verköstigen, Händlerumlage zahlen.
In der Leopoldschen Chronik (S. 176) gibt es einen Hinweis zum Durchzug von Truppen, der sich auf die einzige hölzerne Brücke, die über den Seiferitzer Bach von der Stadt nach Schwanefeld führte, bezog. Diese hölzerne Brücke war nicht sehr fest, „da, wie sich noch manche erinnern können, man bei dem Durchzuge der Russen vor der Schlacht bei Leipzig befürchtete, dass sie unter der Last der darüber hingehenden Artillerie einstürzen würde." Die Brücke wurde 1842 durch eine neue steinerne Brücke ersetzt.
Leopold berichtet, dass am 8./9. September 1813 ein starkes Kommando Kosaken nach Meerane kam, die Stadt auf Befehl ihres Kommandanten plünderte und nach Glauchau weiterzog, da die geforderte Contribution von mehreren 1000 Thalern, sowie von 3.000 Ellen Tuch nicht erbracht werden konnte.
Überliefert ist weiter eine Begebenheit, informierte Professor Dr. Ungerer, wonach am 8. September 1813 bei den Plünderungen im maroden Haus des Webermeisters Johann Samuel Haubold (Rotenberg Nr. 65) nicht ein einziger Faden zu holen war. Sie schleppten jedoch seine 13-jährige Tochter Friedrieke mit sich fort. Als diese die Türen der Bergkeller in der Augustusstraße offen sah entwischte sie in die Höhler und gelang über ein Haus in der Kirchgasse wieder ins Freie und in Sicherheit. In diesen Tagen verbargen sich Friederieke und einige Meeraner Mädchen in einem langen Kellergang in der Torgasse.
Weiter berichtet Leopold, dass die Stadt einer ständigen drohenden Feuergefahr ausgesetzt war. So erschienen am 18. September 1813 gegen Abend „Massen Russischen Militärs, unter ihnen auch Kosaken, sich einquartierten, auf den Straßen und freien Plätzen sich lagerten, vorzüglich um die Kirche herum und hier die ganze Nacht hindurch Wachtfeuer unterhielten.“ (S. 69)
Das Kirchenbuch enthält nur einen schwachen Niederschlag jener Kriegstage: am 9. Oktober 1813 starb in Meerane ein Infanterist vom 9. Preußischen Landwehrregiment und kurz danach ein Soldat der 6. Kompanie des 2. Garderegiments (Heimatstimmen, 8, Jg., 4/1932, S,130).
Anlässlich des Vortrages gab Professor Dr. Ungerer auch einen Hinweis zu einem Beitrag, der im Jahr 1930 in der Beilage der Meeraner Zeitung zum Heimatfest 1930 unter der Überschrift „Meeraner Freiheitskämpfer von 1813“ erschien. Zu sehen sind auf dem Bild die Meeraner Petzold, Kotter, Dürr, Schnabel.

 

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