Aktuelles (24.10.2013)

 

Anmerkungen zur Geschichte des Hauses 17 in der August-Bebel-Straße

In diesen Tagen gab es unterschiedliche Aussagen (und auch Anfragen an die Stadt Meerane) zum Alter des Gebäudes August-Bebel-Straße 17, das aufgrund seiner Baufälligkeit abgetragen wurde.

Aus den Archiven ergibt sich folgender Sachstand:
Wir schreiben den 11. März 1787: „Es brannten nieder aller Häuser der Augustusstraße von Glauchau aus die rechte Seite bis zum letzten Burghause ….“, so vermerkt in der Leopoldschen Chronik (1).
Dieser verheerende Stadtbrand streckte insgesamt 62 Häuser nieder. Dazu zählte auch das Haus – heute August-Bebel-Straße 17 – dessen Flurstück zu den ehemaligen „Burghäusern“ zählt.

Was verbirgt sich nun hinter dem Begriff „Burghäuser“?

Dazu blicken wir in die frühe Entwicklung Meeranes zurück.
Der Stadtkern der Stadt Meerane besteht deutlich aus zwei Teilen: Einem älteren nördlichen und einem jüngeren südlichen Teil. Der nördliche oder untere Teil lehnt sich an die Hänge um den Hügel an, auf dem die Martinskirche thront. An der unteren Augustusstraße soll einst die Burg gestanden haben.
Der südliche Teil des Stadtkerns ist das Gebiet vom Neumarkt bis zur Torgasse.
Beide Teile werden durch die Hauptstraßen (heute August-Bebel-Straße und Marienstraße) erschlossen. Beide Teile umschloss einst eine Mauer. Nördlich wie südlich (Haus 75) der August-Bebel-Straße standen die beiden Haupttore. Nördlich das Niedere oder Altenburger Tor, durch das vielleicht der Zugang durch den Burghof zur inneren Stadt führte, und das Obere oder Glauchauer Tor.

Grundlage für die Besiedlung bilden die Sorben (Slawen), die seit etwa 600 in der Region lebten. Wie viele andere Orte ist auch Meerane wahrscheinlich auf eine alte Sorbensiedlung aufgebaut. König Heinrich I (876-936) und sein Sohn Otto der Große (912-973) eroberten im 10. Jahrhundert das Land. Zuerst wurden wohl nur die Ritter mit ihrer Gefolgschaft als Herren zurückgelassen. Diese errichteten feste Wohnplätze zum Schutz (z. B. Schweinsburg, Ponitz) und Hochburgen (z. B. Altenburg, Waldenburg, Glauchau, Meerane). Ferner wurden Kirchen und Klöster gebaut.

Bezeugt ist Meerane durch den Tod des böhmischen Königs Wladislaw II am 18. Januar 1175 in Meerane (damals „Mer“). Er verstarb nach einem viermonatigen Aufenthalt, so dass seine Ankunft in Meerane im September 1174 erfolgte. Wenn Meerane in dieser Zeit das Königspaar samt Gefolge beherbergte, so muss es damals eine – wenn auch noch so bescheidene Burg gehabt haben. Für die Lage der Burg sprechen die überlieferte Bezeichnung der „Burghäuser“, die für „sieben Häuser an der Augustusstraße zwischen Färber- und Schulgasse – heutige Nummern 13 bis 25 – steht.“ (2)
Diese lagen auf herrschaftlichem, d. h. schönburgischem Grund und Boden und waren deshalb allein unter allen Häusern in der Stadt von der Abgabe des sogenannten „Dienerkorns“ befreit.
Sie stehen auf dem Boden des ehemaligen „Wittumshauses“, das während des 30jährigen Krieges (vermutlich am 26.12.1642) abbrannte und Jahre später – am 12. Dezember 1682 – auf sechs Baustädte abgeteilt wurde. Eine dieser sechs Baustellen wurde halbiert. Wie nach Bränden üblich, wurden die Brandstätten häufig verkauft und neu bebaut.

Das Wittumshaus diente bis dahin den schönburgischen Witwen als Ruhesitz; Wittum ist die Fürsorge für Witwen auch in Form einer standesgemäßen Unterbringung.

Welche Erkenntnisse ergeben sich nun daraus für das Gebäude August-Bebel-Straße 17?

Eine der zentralen Hauptachsen in der Entwicklung Meeranes ist die heutige August-Bebel-Straße. Im Stadtinnern findet sich die Bezeichnung Straße zuerst 1810 als Lange Straße, später Augustusstraße, heute August-Bebel-Straße. Die Besiedlungsstruktur entlang dieser Hauptachse wurde durch verheerende Stadtbrände immer wieder verändert. Große Stadtbrände mit totalem Vernichtungspotential gab es in den Jahren 1420, 1642, 1724 und 1787.
Durch den Brand 1787 wurden auch die „Burghäuser“ total zerstört. Auch das Haus Nr. 17 brannte vollständig ab und wurde um 1800 neu errichtet. Das Gebäude war äußerst klein. Es wurde um 1881 durch ein Stallgebäude erweitert. Diese Erweiterung ist durch die Bauarchiverfassung der Stadt Meerane belegt. Seitdem wurde das Haus nicht mehr verändert.

Fazit: Das mittlerweile beräumte baufällige Gebäude stand auf einem Gebiet der Stadt, das in die frühe Besiedlung Meeranes zurückführt und in der Zeit des Mittelalters einen, wie auch immer gestalteten Herrschaftssitz, trug („Burg“). Alle Gebäude in diesem Gebiet waren von mindestens vier zerstörerischen Bränden betroffen. Zuletzt brannten die Häuser 1787 ab. Der Wiederaufbau erfolgte um 1800, so dass das abgetragene Haus 17 keinen mittelalterlichen Ursprung hat. (bm)

(1) Leopold: Chronik und Beschreibung der Fabrik- und Handelsstadt Meerane. 1863.
(2) Krause/Philipp: Heimatbuch der Stadt Meerane. 1930.












Abbrucharbeiten Gebäude August-Bebel-Straße 17.

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