Aktuelles (21.06.2013)

 

Volksaufstand mit Fragezeichen - Historisch spannende Ausstellung eröffnet

Wie nachhaltig Diktaturen ihr ideologisches Denken in menschliche Köpfe einpflanzen können, wurde zur Eröffnung der Ausstellung „Wir wollen freie Menschen sein – Der DDR-Volksaufstand am 17. Juni 1953“, am 17. Juni 2013 in der Stadtbibliothek Meerane deutlich. Denn die Ereignisse rund um den 17. Juni 1953 wurden z.B. in den Medien der DDR im Unterschied zu den westlichen Medien bis zur Wende völlig unterschiedlich abgebildet, der Arbeiter- und Volksaufstand als „Zusammenrottung“ und „Provokation“ abgestempelt.
Am 17. Juni 1953 waren in der gesamten DDR eine Million Menschen in mehr als 700 Städten und Gemeinden auf die Straße gegangen. Was als sozialer Protest begann, entwickelte sich rasch zur politischen Manifestation: Der massenhafte Ruf nach Freiheit, Demokratie und deutscher Einheit ließ die SED-Diktatur de facto kapitulieren, bis sowjetische Panzer den Aufstand niederwalzten und so das SED-Regime retteten.

Nunmehr sind 60 Jahre vergangen, und die Stasi-Unterlagenbehörde präsentiert auf 20 großformatigen Informationstafeln neueste Ergebnisse der Bundesstiftung für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer begrüßte herzlich alle Gäste, darunter Mitglieder des Meeraner Kunstverein e.V. und Vertreter der Stadt Meerane und freute sich, dass der Leiter der BStU-Außenstelle Chemnitz, Dr. Clemens Heitmann, welcher sich als Historiker besonders um die Aufarbeitung der SED-Diktatur verdient gemacht hat, gekommen war. Professor Dr. Ungerer informierte über den sozialen Protest, welcher schlussendlich als Volksaufstand endete und ließ die Vergangenheit bis hin in die NS-Zeit Revue passieren, denn „wozu Menschen bei drohendem Machtverlust fähig sind, beweist eindrücklich die Geschichte“. So seine einleitenden Worte mit dem Wunsch, dass doch viele Besucher – besonders junge Menschen – die Ausstellung besuchen mögen. Dann übergab er das Wort an Dr. Clemens Heitmann, welcher über den derzeit aktuellen Aufarbeitungsstand berichtete. „So muss man wissen, dass Desinformation, Totschweigen und Angst unter der DDR-Diktatur dazu geführt haben, dass der Volksaufstand am 17. Juni 1953 teilweise noch viele Fragezeichen aufwirft“, berichtete der Historiker. So wisse man zwar, dass in über 700 Städten und Gemeinden demonstriert wurde, aber bildhafte Nachweise fast nur aus den Städten Berlin und Leipzig zur Verfügung stehen. Auch mögliche Zeitzeugen – gerade aus den kleinen Ortschaften – nehmen ab und nicht jeder sei gern bereit, über diese Zeit zu sprechen. „Das Datum wird in der Regel totgeschwiegen“, lautete sein Fazit, und in der anschließenden konstruktiven und äußerst interessanten Gesprächsrunde appellierte er u.a. an das Stadtoberhaupt, die Meeraner Chronik dahingehend noch intensiver aufzuarbeiten, nach Zeitzeugen zu suchen, um Licht ins Dunkel zu bringen.
„Meerane steht dabei nicht allein da, denn in den vielen kleineren Städten fehlen nach wie vor historische Dokumente“, betonte er zum Schluss. Er freue sich deshalb, wenn Kommunen ihre Bereitschaft erklären, bei der Aufarbeitung mitzuwirken.

Foto rechts: Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer (li.) und der Leiter der BStU-Außenstelle Chemnitz, Dr. Clemens Heitmann.


Die Ausstellung zum DDR-Volksaufstand 17. Juni 1953 kann bis 27. Juli 2013 zu den Öffnungszeiten der Bibliothek besucht werden. Sie präsentiert Berichte, Fotos, alte Dokumente und Geschichten. Der Eintritt ist frei!

Öffnungszeiten der Stadtbibliothek Meerane, August-Bebel-Straße 49:
Montag 10–16 Uhr
Dienstag/Donnerstag: 10–18 Uhr
Freitag: 10–15 Uhr
Samstag: 10–12 Uhr
Mi und Feiertage geschlossen

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