Aktuelles (21.06.2013)

 

„Leben und Werk des Meeraner Grafik-Designers Johannes Rothe“

Sonderausstellung im Heimatmuseum Meerane / Verlängerung bis 8. September

Auf großes Interesse stößt die neue Sonderausstellung „Leben und Werk des Meeraner Grafik-Designers Johannes Rothe“, die am 14. Juni 2013 im Beisein von Johannes Rothe im Heimatmuseum Meerane eröffnet wurde. Über 100 Besucher waren ins Alte Rathaus gekommen.
Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer und die Fachbereichsleiterin Kultur Angelika Albrecht begrüßten Johannes Rothe und die Gäste ganz herzlich.
Angelika Abrecht berichtete, wie die Idee zur Ausstellung entstand: „Vor rund einem Jahr erreichte mich die Nachricht von Professor Dr. Wolfgang Zscherpel vom Meeraner Kunstverein, dass Herr Johannes Rothe einen großen Teil seines künstlerischen Nachlasses gern dem Heimatmuseum Meerane schenken möchte. Bei einem Besuch bei Johannes Rothe stellte er mir sein gesamtes Lebenswerk – von den Anfängen bis zu seinen letzten Werken – vor. Er berichtete mir auch von vielen Erlebnissen, die sich in der Entstehungsphase oder am Standort der Kunstwerke zugetragen hatten. Besonders erstaunt und auch begeistert war ich, welche künstlerische Vielfalt er für seine Nachwelt geschaffen hat. Dazu gehören Lithografien, Wandmalereien, Ornamentale Bemalungen, Gebrauchsgrafiken, Aquarelle, Portraits, Bleistiftzeichnungen, Wand- und Fassadengestaltungen, der Entwurf eines Farbleitplanes für die Meeraner Innenstadt, Entwürfe und Ausführungen von textilen Applikationen, Gestaltungen von Wandteppichen, Entwürfe und Gestaltungen von Keramikfiguren und Lampen, Porzellanmalereien, Sakrale Kunst, wie im Großen Saal des Kirchgemeindehauses zu sehen ist, Emporenbemalung, grafische Umsetzung von Drucksachen und vieles mehr. Leider sind nicht alle künstlerischen Arbeiten, besonders in und an Gebäuden, erhalten geblieben. Deshalb danken wir Herrn Rothe, dass er uns die Entwürfe geschenkt hat und auch diese Kunstwerke nicht in Vergessenheit geraten.“
Angelika Albrecht dankte Herrn Rothe nochmals herzlich für die Schenkung und für seine Unterstützung der Ausstellung. Ein Dankeschön richtete sie auch an die Mitarbeiter im Museum für die Konzipierung. „Ich freue mich, dass wir diese Ausstellung heute eröffnen können, weil es auch ein persönlicher Wunsch von mir war, das umfangreiche Schaffen von Herrn Rothe in unserem Heimatmuseum zu präsentieren und besonders zu würdigen. Der Ausstellung in unserem Haus wünsche ich viele Besucher“, sagte sie.

Lesen Sie im Folgenden die Ansprache des Bürgermeisters zur Ausstellungseröffnung

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ein besonderer Anlass führt uns heute hier im Alten Rathaus der Stadt Meerane zusammen: Johannes Rothe.

Dank und Besonderheiten liegen mir heute zu Johannes Rothe am Herzen:
•  eine Werksschenkung an die Stadt Meerane
•  die heute zu eröffnende Ausstellung
•  seine Zeichnungen, die mich seit Jahren als Bürgermeister begleiten (so Kalender und Glückwunschkarten)
•  seine Inspirationen und Visionen
•  seine Darstellung der kulturellen Traditionen der Kunstschätze im Schönburger Land (vor allem Kirchen und Stadtansichten)
•  seine künstlerische Leichtigkeit und Heiterkeit

Sehr verehrter Herr Johannes Rothe, unsere Begegnungen, die Betrachtungen Ihrer Arbeiten und die mir gegönnte Begleitung Ihrer Arbeiten, bewegen heute meine Gedanken zu dieser Ausstellungseröffnung.
Ich greife dazu ein Wort von Heinrich Böll auf, in dem ich meinen Diskurs mit Ihnen (und vor allem Sie) trefflich wiederfinde: "Kunst ist eine der wenigen Möglichkeiten, Leben zu haben und Leben zu halten, für den, der sie macht und für den, der sie empfängt.“

Gerne folge ich Johannes Rothes grafischer Aneignungen von Landschaften, Kirchen, Dörfern und Städten, Buchstaben, Zahlen, seinem Resonanzraum für das Spiel mit dem Stift, der Farbe, der seine Werke zum Schauvergnügen macht. Es sind nicht nur Abbildungen der Wirklichkeit. Sie sind viel stärker ein ästhetisches Spiel, eine vollendete Widerspiegelung künstlerischer Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, zeigen uns diese in einer vom Künstler Rothe erlebten Sicht. Johannes Rothes Blicke zeigen z. B. den Formenreichtum der Architektur mit einer wahrnehmungsgetreuen Körper- und Raumdarstellung.
Dabei komme ich an einem Thema nicht vorbei: Mit der heutigen „Italienischen Treppe“ am Teichplatz wurde eine Inspiration, eine Vision, ein Wunsch Wirklichkeit. Städte sind aus Wünschen gebaut und von Wünschen durchlebt. Dies gilt für die Stadtentwicklung Meeranes in hohem Maße. Meerane gestaltete innerhalb der vergangenen Jahre in einem Wettlauf gegen die Zeit einen beispiellosen Umbauprozess. Der Teichplatz und mit ihm die Italienische Treppe war für mich dazu der Start.

Rückblende April 2001. Ein zu druckendes Wahlplakat zur Bürgermeisterwahl 2001, gestaltet von Hilmar Kayser, mit einer Fotografie aus dem Hause Augsten, führte mich zu Dr. Klaus Schwarz. Dort sah ich Ihre künstlerische Darstellung einer Treppe am Teichplatz, 1996 entstanden. Die Vision hat mich fasziniert. Diese Vision sollte für mich Wirklichkeit werden. Ziel war und ist es, ein Stück moderne Stadtpersönlichkeit zu schaffen. Eine Meeraner Stadtidentität.
Es galt, Entscheidungen zu treffen und Entscheidungen durchzusetzen, d. h. die Wirklichkeit mit der Möglichkeit erfolgreich zu verbinden. Wir haben dies erreicht. Ihre Tochter, Frau Elisabeth Scholz, hat die „künstlerische Freiheit“ des Vaters in eine realisierbare Form gebracht. Der Gesamtaufwand für die Sicherung des Kirchberges und die entstandene Treppe lag bei 1,1 Mio. Euro. Ich darf an dieser Stelle dankend an unseren Ehrenbürger, Herr Günter Drews erinnern, der es mit einer Spende von 130.000 Euro ermöglichte, dass die Stadt Meerane die erforderlichen Eigenmittel für die Förderung aufbringen konnte.

Der Grafiker Johannes Rothe ist ein Meister des ästhetischen Spiels. Für den Grafiker gilt die hohe Kunst zu schreiben, zu zeichnen und zu malen. Der Grafiker verbindet die Angewandte Kunst (Gebrauchskunst) mit der Bildenden Kunst. Er arbeitet mit den Mitteln der künstlerischen Grafik. Für Johannes Rothe gilt in hohem Maße eine ästhetische Synthese aus Wirklichkeit und Möglichkeit, die seine Kreativität begründet, sowie die ästhetische Synthese aus Angewandter Kunst und Bildender Kunst.
Johannes Rothe hat mit seiner Kunst den Anspruch, dass die Kunst dem Menschen nutzen soll, statt sich nur selbst zu genügen. Ich erinnere an sein funktionelles Kunstschaffen, z. B. an der Außenwand der Friedrich-Engels-Schule oder an vielfältige Innenwandbilder: Wandbilder als Ausschmückung von Innen- und Außenflächen; allegorisch-symbolische Darstellungen mit dekorativem Schauwert. Genügen diese ästhetischen Ansprüchen? Ja. Seine Grafiken haben hohes technisches Niveau. Sie zeichnen sich durch individuelle Gestaltung und freien Gebrauch der Techniken aus. Sie sind Beispiele zeitgenössischer Kunst. Dabei lebt Johannes Rothe seine künstlerische Freiheit.
Nach dem Philosophen Schopenhauer ist jede Wertschätzung ein Produkt aus dem Werten des Geschätzten mit der Erkenntnisspäre des Schätzers. Wir wissen, sehr geehrter Herr Rothe, Ihre Schenkung an die Stadt Meerane wertzuschätzen. Ihre Werke erinnern uns auch an Wesentliches, das in unserer Zeit, die sich unglaublich beschleunigt, droht verloren zu gehen. Für mich wächst deshalb die Bedeutung der Kunst. Dies erfordert auch weiterhin der Zugang zum Kunstleben. Dies ist eine elementare Notwendigkeit. Dafür schaffen wir Räume, um Kunst zu zeigen, Ihre Kunst. Dafür danken wir Ihnen.

Schlussgedanke. Von Johann Wolfgang von Goethe stammt aus dem Jahre 1789 (zu Karoline Herder am 5.2.1789) ein Gedanke zur Schönheit in der Natur und in der Kunst, der in meiner Wahrnehmung den Künstler Johannes Rothe trefflich charakterisiert:
„Schönheit der Natur ist Vollkommenheit des Ganzen, zu einer anschaulichen Kenntnis gebracht. Schönheit der Kunst ist gleichsam der Anblick des Vollkommenen, in der Seele des Künstlers zur Gestalt gereift und durch innere Kraft wieder zur Gestalt wirkend.“
Erfreuen wir uns an der Ästhetik, an der künstlerischen Kraft der ausgestellten Rothe-Werke.

Die Sonderausstellung ist bis zum 8. September 2013 im Heimatmuseum Meerane zu besichtigen.
Das Heimatmuseum im Alten Rathaus, Markt 3, hat im Juli und August 2013 wie folgt geöffnet:
Dienstag: 13 bis 17 Uhr
Mittwoch: 13 bis 16 Uhr
Donnerstag: 13 bis 17 Uhr

Öffnungszeiten ab September 2013:
Dienstag bis Donnerstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr

Für Interessenten und Gruppen sind Führungen nach Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Interessenten können sich unter Tel. 03764 / 18 67 41 an den Fachbereich Kultur der Stadtverwaltung wenden.


Über 100 Besucher kamen zur Eröffnung der Ausstellung „Leben und Werk des Meeraner Grafik-Designers Johannes Rothe“ am 14. Juni ins Heimatmuseum.
Johannes Rothe berichtete zur Ausstellungseröffnung über sein umfangreiches Schaffen. Interessiert schauten sich die Gäste die ausgestellten Arbeiten an.
Bürgermeister Professor Dr. Ungerer mit Besuchern bei einem Rundgang durch die Ausstellung.  

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