Aktuelles (22.01.2013)

 

Bedeutende Meeraner Zahlen im Mittelpunkt des Neujahrsempfanges 2013

Vom Bierkrieg Meerane-Glauchau bis zur Ausgabe städtischer Notgeldscheine / Meeraner Bürgermedaille 2012 für Bergbauingenieur Manfred Höbald

Auch in Meerane freut man sich in einer mit 564 Plätzen gefüllten Stadthalle über den nicht stattgefundenen, wenngleich groß angekündigten, Weltuntergang. Zum Neujahrsempfang der Stadt Meerane am 18. Januar 2013 hieß es daher in einem sehens- und hörenswerten Intro:

Meerane Neujahrsempfang
Episode 2013
Den Untergang der Welten haben wir Menschen im Jahr 2012 überstanden. Er fand nicht statt. Keine Sintflut. Kein Meteoriteneinschlag. Keine Vulkanausbrüche. Nur die Erhöhung der Kreisumlage. Nachdem wir dies überlebten, schlägt es jetzt 13. Wir sind im Jahr 13 des 21. Jahrhunderts angekommen.
Ist die 13 eine Unheil bringende Zahl?
Obwohl wir aufgeklärt sind, gibt es diesen Aberglauben.
Nehmen wir dieser Zahl die Furcht.
Doch zunächst: Herzlich Willkommen in der Stadthalle Meerane,
einem entlegenen Bereich des Weltalls.
Die Stadtwerke Meerane, die Städtische Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Meerane, die Bürgerheim Meerane gGmbH, der Eigenbetrieb Meeraner Stadttechnik, der Abwasserzweckverband Götzenthal sowie die Stadt Meerane freuen sich sehr, dass Sie heute Abend unsere Gäste sind.
Starten wir in den Abend, in die Episode 2013, mit dieser abergläubischen Zahl 13. Wir schlagen furchtlos zurück. Begrüßen Sie bitte herzlich aus dem intergalaktischen Leipzig – Magdalena Wachter, Anna-Katharina Reuter und Antje Hoffmann – kurzum: das Canella-Trio …

Dieser Einleitung folgten klassische Töne, dargeboten vom Canella-Trio, welches auch im weiteren Verlauf des Meeraner Neujahrsempfanges für die musikalischen Höhepunkte sorgte.

Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, darunter den Sächsischen Staatsminister für Justiz und Europa Dr. Jürgen Martens und den gebürtigen Meeraner Künstler Professor Jürgen Schieferdecker, Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, Justiz, Polizei und der Reservistenkameradschaft Pleißental, Oberbürgermeister und Bürgermeister umliegender Städte und Gemeinden, Meeraner Stadträte und die Meeraner Bürgerinnen und Bürger.

In seiner Neujahrsansprache nutzte der Bürgermeister unter anderem historische Meeraner Zahlen zum Einstieg in die verschiedenen Themen. Die Ausgabe städtischer Notgeldscheine vor 90 Jahren stand so für das Thema Finanzen, bei dem sich der Bürgermeister insbesondere zur Erhöhung der Kreisumlage durch den Landkreis äußerte und die Mehraufwendungen für die Stadt Meerane bezifferte.
Vor 140 Jahren wurde die Stadtverordnetenversammlung Meerane durch die Kreisdirektion Zwickau aufgelöst. Die Liste der Verfehlungen war lang, zitierte Professor Dr. Ungerer und dankte dem Meeraner Stadtrat für dessen heutiges stets am Wohlergehen der Stadt Meerane ausgerichtetes Verantwortungsbewusstsein.
Am Beispiel des Rechtsanspruches der Eltern auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder kritisierte der Bürgermeister die Abschiebung der Finanzverantwortung in den verschiedensten Bereichen durch Bund und Land auf die Kommunen.
Trotz allem ist es der Stadt Meerane jedoch in den vergangenen zwölf Jahren gelungen, den Schuldenstand zu halbieren. Standen am 31.12.2001 noch rund 41 Millionen Euro Schulden zu Buche, waren es am 31.12.2012 noch rund 20 Millionen, verwies Professor Dr. Ungerer.
100 Jahre städtische Meeraner Gasanstalt gaben das Stichwort für das Thema Energie. Hier rückte Professor Dr. Ungerer unter anderem die Schlagwörter Ökostrom, EEG Quote oder Einspeisetarife in den Mittelpunkt.
Ein weiteres Thema der Neujahrsansprache war die in diesem Jahr anstehende Generalsanierung der Mittelschule Tännichtschule. Seit 2007/2008 verfolgt die Stadt dieses Projekt, welches nun mit Hilfe von 1,6 Mio. Euro Fördermitteln der Europäischen Union in Angriff genommen werden kann. Mit insgesamt 5 Mio. Euro ist das Vorhaben das größte Einzelprojekt, das die Stadt Meerane seit 1990 – und auch weit davor – realisiert, so Professor Dr. Ungerer.
Am Ende seiner Ansprache dankte der Bürgermeister den Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Meerane für ihr großes freiwilliges Engagement und wünschte abschließend allen Anwesenden alles Gute und viel Erfolg für das neue Jahr 2013.

Mit einer ebenfalls bedeutenden historischen Meeraner Zahl ging es nach einem musikalischen Intermezzo mit dem Canella-Trio weiter: 300 Jahre Bierkrieg Meerane – Glauchau.
Gemeinsam mit seinem Glauchauer Amtskollegen, Oberbürgermeister Dr. Peter Dresler, und begleitet vom Auftritt der Gräflich Schönburgischen Schloßcompagnie brachte Professor Dr. Ungerer den Bierkrieg szenisch auf die Bühne der Stadthalle. In historischer Tracht ließen die beiden Stadtoberhäupter die damalige Streitsituation, ihren Verlauf und die Entwicklung bis zur Einigung durch die entsprechenden Gerichtsbarkeiten auferstehen.
Dabei war es nicht immer unblutig abgegangen, wie die Leopoldsche Chronik zu Meerane 1863 berichtet: „Es hat viel Geld gekostet, die Glauchauer haben viele Exzesse verübet, unser Bier auf den Dorfschaften ausgesoffen, das Gefäß entzwei gehauen, Leute und Menschen erschossen, krumm und lahm gehauen und geschlagen.“ Als schwierig erwies sich auch, dass die Meeraner den Streit vor die kursächsischen Gerichte zu Sachsen brachten, die Glauchauer – als böhmisches Lehen – sich diesem jedoch nicht unterwerfen wollten und Unterstützung in Prag suchten.
Wie auch immer: Rund 300 Jahre später stießen die Stadtoberhäupter von Glauchau und Meerane auf die Beendigung dieses Bierkrieges an, und das mit einem ganz besonderen Bier – dem im vergangenen Jahr erstmals gebrauten „Meeraner Höhlerbier“.

Das „Höhlerbier“ brachte Bergbauingenieur Manfred Höbald auf die Bühne mit, der hier zu seiner großen Überraschung mit der „Meeraner Bürgermedaille 2012“ geehrt wurde.
Seit dem Jahr 2001 verleiht der Stadtrat der Stadt Meerane die Stadtmedaille an Persönlichkeiten, die sich um die Stadt Meerane besonders verdient gemacht haben und das Ansehen der Stadt nach außen mehren. Die Auszeichnung ist mit 500 Euro dotiert, die nun bereits zum zwölften Mal von der Firma CCL Label Meerane gestiftet wurde.
„Es ist mir eine Ehre und Freude, diese Würdigung vornehmen zu dürfen“, so Professor Dr. Ungerer in seiner Laudatio zur Verleihung der Bürgermedaille.
Manfred Höbald beendete 1963 sein Studium als Ingenieur der Bergbautechnik, Fachrichtung Kali-, Erz- und Nichterzbergbau. Er wirkte bis 1983 als Ingenieur in der Dolomitgrube Meerane und bis 1990 in der Nickel-Hütte Sankt Egidien.
Dann erwischte ihn die „Höhlerei“, berichtete der Bürgermeister. Nach 1990 arbeitete Herr Manfred Höbald in der Höhlergruppe Waldenburg mit, die die Aufgabe der Erfassung, Dokumentation, Beräumung und Verwahrung der Waldenburger Höhler hatte. In Meerane wurde dies von Herrn Joachim Och und Herrn Jörg Teichmann übernommen. Sie erfassten, dokumentierten, beräumten und verwahrten die unterirdischen Hohlräume der Stadt Meerane in den Jahren 1994 bis 1996. Die Städte Glauchau, Waldenburg und Meerane hatten dazu einen Kooperationsvertrag geschlossen. Gemeinsam – in Zusammenarbeit mit der Sanierungsgesellschaft Wismut Gera – wurden die Hohlräume gesichert.
Bis 31.03.2000 führte Joachim Och die Besucher durch die Meeraner Höhler und war für die bergtechnischen Arbeiten zuständig, mit dem 01.04.2000 übernahm diese Aufgaben Herr Manfred Höbald, der im Jahr 2013 damit sein 13tes Jahr vollendet.
„Treten Sie bei einer der wöchentlichen Führungen von Herrn Manfred Höbald in die Höhler ein, sind Sie in einer anderen Welt. Sie erfahren, dass der Meeraner Untergrund zum erzgebirgischen Becken zählt. Sie hören von einem alten Meerbusen, von Tonschiefer, Lößlehm, Porphyrgestein, Kalk- oder Zechstein sowie Plattendolomit. Sie kennen danach das Oberrotliegende mit der Stufe der dolomitischen Sandsteine und das Mittelrotliegende. Und sie hören von der Oberfläche des Dolomits, die in Meerane oft plötzliche Vertiefungen zeigen, den geologischen Orgeln vergleichbar. Kurzum: Herr Manfred Höbald verfügt über eine ausgeprägte geologische und bergmännische Sachkunde. Darüber hinaus hat Herr Höbald ein großes sprachliches Geschick. Seine Führungen sind für Kinder, Erwachsene und Experten stets packend. Er versteht es bestens, sich den vielfältigen Besuchergruppen anzupassen und sie mit der Meeraner Unterwelt zu faszinieren. Ausgeprägt ist seine Kreativität in der Präsentation (Höhler im Kerzenschein) oder die Untergrundwesen Bergziege und Drachen, die er erscheinen lassen kann....
Doch erfahren Sie dies einfach einmal selbst, frei nach dem Motto ‚Das was die Stadt am Leben erhält, ist und bleibt die Unterwelt‘. Führungen gibt es mit und durch Herrn Höbald jede Woche, bei Festen und nach Absprache“, führte der Bürgermeister in seiner Laudatio aus.
Mit dem neuen Gebäude am Teichplatz werden die unterirdischen Anlagen mit dem Höhlermuseum gewürdigt, verwies Professor Dr. Ungerer. Dabei hatte die Stadt Meerane bereits bei der Kirchhangsicherung und dem folgenden Bau der Italienischen Treppe vor zehn Jahren einen neuen Zugangsbereich geschaffen, der heute in das Museum integriert ist.
Professor Dr. Ungerer: „Bei all diesen städtischen Projekten war (und ist) Herr Höbald beratend, gestaltend und zupackend mitten drin. Dafür sprechen wir heute mit der Bürgermedaille Dank und Anerkennung aus. In diesen Dank eingebunden sind seine Frau Monika Höbald, die stets an seiner Seite seine Höhlerleidenschaft teilt, und seine Weggefährten, die Herren Och und Teichmann. Herr Höbald hat diese Würdigung in hohem Maße verdient. Er verkörpert Bürgertugenden im Ehrenamt: Sein freiwilliger Einsatz ist eine humane Leistung, da er ernst macht mit Kooperation, Interesse am Gemeinwohl und Verantwortung. Sein freiwilliges Engagement ist eine wertbezogene, dienstbereite Initiative, die nicht nur ein bedeutendes Kapitel unserer Stadtgeschichte bewahrt, sondern auch fortführt. Dafür danken wir Herrn Manfred Höbald.“

Nach den Worten des Bürgermeisters überreichte Herr Dr. Steffen Schneider vom Unternehmen CCL Label Meerane die Bürgermedaille an Herrn Manfred Höbald, der sich herzlich für die Ehrung bedankte.

Zum Ende des Neujahrsempfanges hatte der Bürgermeister noch eine kleine Überraschung parat. Er bat – geleitet von der Gräflich Schönburgischen Schloßcompagnie – Frau Ulrike Brüstel und Frau Silvia Prinz auf die Bühne. Ulrike Brüstel, seit dem Schuljahr 1992/93 Schulleiterin der Grundschule Friedrich-Engels-Schule, wird ihre Arbeit zum 31. Januar 2013 beenden. Professor Dr. Ungerer nutzte den Neujahrsempfang, ihr für die geleistete Arbeit zu danken. „Frau Brüstel hat sich um das Meeraner Bildungswesen und um die Meeraner Kinder verdient gemacht. Es ist mir ein Bedürfnis, ihr Dank und Anerkennung auszusprechen“, betonte er. Drei ehemalige Schülerinnen und Schüler der Grundschule schlossen sich mit einem Blumengruß seinen Worten an.
Mit Silvia Prinz begrüßte der Bürgermeister gleichzeitig die neue Schulleiterin der Friedrich-Engels-Schule, die ihren Dienst am 1. Februar 2013 antreten wird.
Ulrike Brüstel bedankte sich herzlich für die netten Worte und nutzte die Gelegenheit, auch ihren Kolleginnen und Kollegen Danke zu sagen: „Jede Schule hat ein Team, das mit der Schulleitung zusammenarbeitet. Ich möchte daher allen herzlich danken, die mich als Schulleiterin begleitet und unterstützt haben.“
Silvia Prinz erhielt einen symbolischen Schlüssel überreicht. „Vielen Dank für den originellen und herzlichen Empfang. Bei so vielen guten Wünschen kann es nur gut gehen“, sagte sie.

Zum Abschluss richtete der Bürgermeister seinen Dank an die Unterstützer und Sponsoren sowie das Vorbereitungsteam des Neujahrsempfanges und lud alle Gäste zur Begegnung, zu Kontakten und zum Gedankenaustausch in den Kleinen Saal ein.



Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer brachte zusammen mit seinem Amtskollegen Oberbürgermeister Dr. Peter Dresler den Bierkrieg auf die Bühne. Mit einem Meeraner Höhlerbier, welches Bergbauingenieur Manfred Höbald überreichte, wurde der Bierkrieg beigelegt.
Bergbauingenieur Manfred Höbald wurde von Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer geehrt. Herr Höbald erhielt die "Meeraner Bürgermedaille 2012".
Klassische Töne gab es vom Canella Trio aus Leipzig. In seiner Neujahrsrede ging das Stadtoberhaupt auch auf das Thema Ökostrom ein.
Ulrike Brüstel (re.) wurde als Schulleiterin verabschiedet. Sie begrüßte ihre Nachfolgerin Silvia Prinz (li.) und wünschte ihr alles Gute. Eine "groß"-artige Begrüßung erwartet die Besucher zum Neujahrsempfang der Stadt Meerane in der Stadthalle.
 
Fotos: pro picture

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