Aktuelles (15.01.2013)

 

Mitteilung der Stadt Meerane zu Haldenmaterial in Waldsachsen (Stand: 15.01.2013)

Grundsätzliches

Die Stadt Meerane hat bis heute keine Kenntnis darüber, welche Personen und welche Institutionen zu DDR-Zeiten radiologisch belastetes Haldenmaterial erhielten und verbauten. Dies gilt auch für den privaten Bereich.

Die Stadt Meerane war zu DDR-Zeiten eine staatliche Verwaltungsbehörde ohne eigenen Wirkungskreis und ohne Rechtsfähigkeit. Sie war dem Rat des Kreises unterstellt. Der Rat des Kreises lenkte das Baugeschehen in den Gemeinden und Städten.

Für den Strahlenschutz ist im Land Sachsen allein das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zuständig. Das dort geführte Ortsregister enthält für Waldsachsen keine radioaktiven Altlasten.

Deshalb bleibt eine Frage unbeantwortet: Wo sind heute die verantwortlichen Personen und Institutionen, die entschieden hatten, das Haldenmaterial im öffentlichen Baugeschehen zu verwenden?

A. Zweck der Radiologischen Untersuchung: Ermittlung der Strahlensituation
Beauftragtes Fachbüro: G. U. B. Ingenieur AG, Katharinenstraße 11, 08056 Zwickau

Unbestritten ist der Verdacht, dass in Teilen von Waldsachsen Haldenmaterial für den Straßenbau verwendet wurde. Zur Abklärung dieses Sachverhaltes hat die Stadt Meerane an verschiedenen Orten in Waldsachsen eine radiologische Untersuchung durch ein zertifiziertes Fachbüro durchführen lassen.

B. Ergebnisse

Nach den vorliegenden Ergebnissen ist festzuhalten, dass sich keine unmittelbare Gefährdung für die Bevölkerung nach der Strahlenschutzverordnung ergibt. Nach § 46 Abs. 1 der Strahlenschutzverordnung beträgt der Grenzwert für den Schutz von Einzelpersonen der Bevölkerung 1 Millisievert pro Jahr.

Nach den Berechnungen der G. U. B. nehmen die Werte mit zunehmender Entfernung von der Straße sehr schnell ab. Die G. U. B. hat dies für den Maximalwert (gemessen in der Staatsstraße mit 267 nSv/h) wie folgt verdeutlicht: „Erst bei einem Aufenthalt von 3.745 h/a (156 Tage 24 h lang), unmittelbar auf der Straße im Bereich des Maximalwerts, würde der Grenzwert erreicht.“ (Seite 7)

Die Untersuchung beinhaltet auch die Messung des so genannten „natürlichen Hintergrundes“, d. h. die natürliche Bodenstrahlung, die über Ackerboden bei 85 nSv/h bis 95 nSv/h liegt.
85 nSv/h sind 0,74511 Millisievert pro Jahr (mSv/y); 95 nSv/h sind 0,83277 mSv/y.

Die Untersuchung der G. U. B. ist zur Information auf der Homepage der Stadt Meerane komplett eingestellt (Button „Studien und Berichte“ - „Radiologische Untersuchung Waldsachsen“).


C. Weitere Schritte

1. Krebscluster

Auf Hinweis des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hat sich die Stadt Meerane wegen Prüfung eines Krebsclusters an das Gesundheitsamt des Landkreises Zwickau gewendet. Die Landkreise nehmen die Aufgaben und Befugnisse der Gesundheitsämter wahr.

Zur Info: Ein Krebscluster ist eine größer als erwartete Anzahl von Krebserkrankungen innerhalb einer Gruppe von Personen, in einer geografischen Region oder über eine bestimmte Zeit. Es liegt z. B. dann vor, wenn nur eine bestimmte Krebsart gehäuft auftritt.

2. Hauptstraße (Staatsstraße 288)

Auffällige Messwerte traten in Abschnitten der Hauptstraße auf. Die Hauptstraße ist als Staatsstraße 288 in der Straßenlast des Landes. Die Stadt Meerane ist seit Jahren beim Land zur S 288 mit folgenden Inhalten vorstellig: Verkehrsbelastung (auch Schwerlastverkehr), Oberflächenwasser und Bachproblematik, unzureichender Straßenkörper.
Die Stadt Meerane hat über die aktuelle Erkenntnislage zur S 288 das Landratsamt Zwickau am 08.01.2013 informiert. Das (Staatliche) Straßenbauamt wurde bereits in den Jahren 2008 und 2010 über den Verdacht des Haldenmaterials informiert.
Die Stadt Meerane bittet erneut den Straßenbaulastträger um Beseitigung der losen Straßenteile bzw. Sanierung der Straße, um vorsorglich gesundheitliche Beeinträchtigungen durch sich entwickelnde Stäube auszuschließen.

Eine Schwierigkeit dabei ist der Wechsel und die Struktur der staatlichen Straßenbauverwaltung:

  • Die Unterhaltung und Instandsetzung der Staatsstraßen erfolgt über das Landratsamt Zwickau (Amt für Straßenbau).
  • Die Lösung des Problems kann jedoch nur mit einem grundhaften Ausbau der S 288 erfolgen. Planung und Bau von Staatsstraßen fällt wiederum in die Zuständigkeit des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Für den Landkreis Zwickau ist die Niederlassung in Plauen zuständig.
  • Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr löste mit dem 1. Januar 2012 die (Staatlichen) Straßenbauämter ab. Die Stadt Meerane war bis zum Inkrafttreten der Kreis- und Funktionalreform (1. August 2008) dem Straßenbauamt in Bad Schlema zugeordnet und danach dem Straßenbauamt Chemnitz.

3. Gemeindestraßen

Für die auffälligen Messwerte in Teilen des Siedlerweges und des Ponitzer Weges, die sich als Gemeindestraßen in der Straßenlast der Stadt Meerane befinden, hat die Stadt Meerane reagiert und mit der Sanierungsplanung begonnen.

4. Bürgerversammlung

Wie durch den Bürgermeister bei der Bürgerversammlung in Waldsachsen am 8.11.2012 zugesagt, wird nach entsprechender Vorbereitung zu dem Thema Haldenmaterial eine erneute Bürgerversammlung zu diesem Thema stattfinden. Dazu lädt die Stadt Meerane nun die Bürgerschaft für den 28.01.2013, 19:00 Uhr, in den Gasthof Waldsachsen ein.

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