Aktuelles (08.06.2012)

 

Heimatmuseum blickt in Geschichte der Meeraner Kindergärten

Ausstellung "150 Jahre Kindereinrichtungen" bis 15. Juli zu sehen

In die Geschichte der Meeraner Kindereinrichtungen und damit zugleich in die Welt der Kleinsten entführt die neue Sonderausstellung im Heimatmuseum Meerane. Unter dem Thema „150 Jahre Meeraner Kindereinrichtungen“ werden im Sonderausstellungsraum im 2. Stock des Alten Rathauses viele Exponate gezeigt: Fotos, Spielzeug und Spiele aus verschiedenen Jahrzehnten, dazu zwei Kinderbettchen aus der Zeit um 1900, Bausteine und Brettspiele aus der Zeit um 1930, ein Puppenhaus aus dem Jahr 1955 oder Märchenbaukasten und Metallbaukasten aus dem Jahr 1960. Auch eine Kinderliege mit der damals üblichen Bettwäsche, den sogenannten „Buntkarierten“, ist zu sehen, Leihgaben der Kindertagesstätten Rosarium und Spatzennest. Die Gößnitzer Heimatstube stellt eine Kindernähmaschine, eine Waschmaschine und eine Puppe für die Ausstellung zur Verfügung, das Stadt- und Dampfmaschinenmuseum Werdau Fröbel-Spielzeug. Weitere Exponate steuern private Leihgeber und Kindereinrichtungen der Stadt bei.

Zur Ausstellungseröffnung zum Kindertag am 1. Juni 2012 begrüßte Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer die Gäste, darunter Stadträte und auch ehemalige Erzieherinnen aus Meeraner Kindergärten. Zu Beginn seiner Rede informierte er über die verschiedenen Traditionen des Kindertages und nahm die Gäste dann mit auf einen interessanten Streifzug durch die Geschichte der Kindergarten-Pädagogik und die Geschichte der Meeraner Kindereinrichtungen.
In den Chroniken der Stadt Meerane lässt sich einiges zum Thema Kinder finden. So berichtet Dr. Leopold (Chronik bis 1862) im 19. Jahrhundert über „Kinderschwärme auf den Straßen“. Die durchschnittliche Familie zählte um das Jahr 1860 sechs Kinder; pro Jahr erblickten in Meerane rund 600 Kinder das Licht der Welt, informierte der Bürgermeister.
Über das Jahr 1849 berichtet C. Fr. Zschocke über eine Spielschule, die für den Sommer eingerichtet wurde - ein Turnplatz für Kinder auf einem Grundstück der Spinnerei Steinert, Straffs Fabrik, am Altmarkt/Merzenberg, unter der Leitung von Amalie Pohle.
Später wird eine Spielschule in den Räumen der Turnanstalt am Rotenberg (1859/60 wurde der Allgemeine Turnverein gegründet) vermeldet. Diese hatte von 9 bis 11 Uhr und von 14 bis 16 Uhr für rund 50 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren geöffnet, Turnlehrer war Ernst Robert Schneider. „In dieser Spielschule standen Turnübungen und Bewegungsspiele auf dem Plan, aber bereits auch das Erlernen der Zahlen und Buchstaben, womit die ersten Anfänge des Schreibens und Zeichnens für die Schule vorbereitet wurden. Und natürlich wurde auf Achtsamkeit und Gehorsamkeit Wert gelegt“, berichtete der Bürgermeister aus der Chronik.

In der Chronik Röbbecke ist eine Spielschule, ein Fröbel'scher Kindergarten für 20 bis 25 Kinder im Dieterich-Stift am Altmarkt verzeichnet, der im Jahr 1899 bereits „seit längerem“ bestanden hatte. Der Pädagoge Friedrich Fröbel lebte von 1782-1852. „Die Fröbelpädagogik war eine Synthese der Individualerziehung nach Rousseau, der Elementarbildung nach Pestalozzi, der von Friedrich von Schiller geforderten humanistischen Erziehung und der Staatsbürgerlichen Erziehung nach Wilhelm von Humboldt“, fasste Professor Dr. Ungerer zusammen. Dem Reformpädagogen sind mehrere Informationstafeln in der Ausstellung gewidmet.
Zahlreiche weitere reformpädagogische Richtungen hatten Einfluss auf die Kindererziehung früherer Generationen, und bis heute dauern die Studien und Forschungen an. Professor Dr. Ungerer nannte hier unter anderem Ellen Key (1849-1926) „Das Jahrhundert des Kindes“, verwies jedoch auch auf die Studien des Hirnforschers Manfred Spitzer (geb. 1958).
„Heute geht es in den Kindereinrichtungen um viel mehr als ‚satt und sauber‘. Wesentliche Fähigkeiten werden geschult: Sprechen, soziales Handeln, ein geregeltes Miteinander, Erkenntnis, Selbstkontrolle. Es werden Räume geschaffen für die Erfahrung der Kinder: ‚Ja, ich kann‘“, führte der Bürgermeister aus.

Die 150-jährige Geschichte der Meeraner Kindereinrichtungen nun lässt sich zuerst mit einem Gesangsfest des Sängerbundes in Verbindung bringen, welches am 5./6. Juni 1862 mit 1200 Sängern gefeiert wurde. Nach diesem Fest übergab der Sängerbund 47 Thaler an den Meeraner Stadtrat für eine „Kleinkinderbewahranstalt“. 15 Jahre später, am 6. Januar 1877, eröffnete der erste Volkskindergarten (Verein für Volkskindergärten) am Merzenberg, am 4. Oktober 1891 folgte ein zweiter Volkskindergarten im Dieterich-Stift am Altmarkt. Beide wurden 1920 von der Stadt Meerane übernommen.
Bürgermeister Professor Dr. Ungerer: „Heute gibt es in der Stadt Meerane eine große Vielfalt an Kindertagesstätten mit Krippe und Kindergarten, dazu Horte und Tagesmütter. Sechs Kindertagesstätten, drei Tagesmütter und vier Horte gibt es in unserer Stadt, eine siebte Kindertagesstätte entsteht derzeit im Wirtschaftszentrum. Sie alle stehen auch für die Vereinbarkeit von Eltern, Beruf und Kind.“

Nach seiner Rede gab es eine kleine Überraschung für den Bürgermeister und die Mitarbeiter des Fachbereiches Kultur, die die Ausstellung vorbereitet hatten. Die Meeranerin Anneliese Köhler (links im Bild) überreichte ein Foto, welches ihren Vater Johannes Fritzsch als kleinen Jungen auf einen Gruppenfoto des Kindergartens Raffs Hof zeigt. Ihr Vater wurde 1893 geboren. Als Dauerleihgabe stellt sie dem Heimatmuseum dieses Foto zur Verfügung.

Ein herzliches Dankeschön richteten der Bürgermeister und Brigitte Kühn, Mitarbeiterin im Fachbereich Kultur, zum Abschluss an alle Leihgeber für die zur Verfügung gestellten Exponate, und luden zum Bummel durch die Ausstellung ein.

Fröbel-Spielzeug. Eine Liege mit den "Buntkarierten".
   

Ruth Schade, 85 Jahre alt, sah sich gemeinsam mit Sieglinde Weber die Ausstellung an. Frau Schade arbeitete seit 1943 in Kindergärten in Meerane, von 1951 bis 1987 war sie die Leiterin des Kindergartens an der Achterbahn. Sieglinde Weber war früher eines ihrer Kindergartenkinder, bis heute sind die beiden befreundet.

Brigitte Horn-Tröger war mit Enkeltochter Linda und deren Freundin Annalena im Heimatmuseum.
 
 
 
   

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