Ausstellung

 

Interessante Details zu Tage gefördert

Bilz-Ausstellung in der Stadtbibliothek wurde heiter-amüsant eröffnet

Wussten Sie, dass der Meeraner Naturheilkundler und erfolgreiche Kurhausbetreiber Friedrich Eduard Bilz (1842–1922) ein enger Weggefährte und Freund vom Hohenstein-Ernstthaler Winnetou- und Old Shatterhand-Geschichtenschreiber Karl May (1842–1912) war? Oder: Wussten Sie, dass beide ein mehr als aufregendes Leben zur damaligen Zeit führten und mit ihren Büchern Bestsellergeschichte schrieben?
Diese und noch viele andere interessante und humoristische Details aus dem Leben der beiden „Experten“ konnte man zur Eröffnung der Ausstellung „Friedrich Eduard Bilz – Wegbereiter der Naturheilkunde“ am 10. Mai 2012 in der Stadtbibliothek Meerane erfahren. Dazu luden die Stadtverwaltung Meerane und der Arbeitslosentreff HALT Hohenstein-Ernstthal e.V. gemeinsam ein.

Wie Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer den zahlreich erschienenen Gästen mit einem Augenzwinkern berichtete, „ist es egal, wo man in Deutschland unterwegs ist, man begegnet immer einem berühmten Meeraner“. So freue er sich auch über die gelungene Gemeinschaftsausstellung, welche dazu beiträgt, die Persönlichkeiten vergangener Zeiten wieder in den Blickpunkt zu rücken.

Der Bürgermeister begrüßte zur Ausstellungseröffnung Ines Schlösser, 1. Vorsitzende des Arbeitslosentreffs HALT Hohenstein-Ernstthal e.V., den Museumsleiter des Karl-May-Hauses in Hohenstein-Ernstthal André Neubert sowie eine Ururenkelin von Friedrich Eduard Bilz, Carmen Blechschmidt. Dann übergab er das Wort an die Fachbereichsleiterin Kultur, Angelika Albrecht, welche einen kurzen Überblick über die Ausstellung und deren Inhalte vermittelte.

Carmen Blechschmidt, eine Ururenkelin von Friedrich Eduard Bilz, erzählte in einem kurzen Interview über ihren Ururgroßvater. So habe sie viel Zeit in Radebeul verbracht, sei mit ihren Eltern auf den Spuren von Bilz gewandelt und erinnert sich gern an die traditionellen Bilz-Feste zu Ehren des Naturheilkundlers. „Natürlich kenne ich das Leben von ihm nur aus Erzählungen und habe auch erst im Erwachsenenalter erfahren, dass er der Erfinder von Sinalco war“, blickte sie zurück, „aber die Geschichten über sein Leben sind nun einmal spannend und abwechslungsreich.“ Deshalb freue sie sich sehr über die nun stattfindende Ausstellung.

Auch Ines Schlösser hatte sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und berichtete, dass Bilz ein geschickter „Abschreiber“ war. So beschäftigte er sich fünf Jahre intensiv mit Gesundheitspflege und Naturheilkunde und zog damalige Fachliteratur zur Rate. Diese verpackte er in eine verständliche Sprache und konnte dadurch reißenden Absatz für sein Werk „Das neue Naturheilverfahren, ein Nachschlagewerk für Jedermann in gesunden und kranken Tagen“ finden. Später zog er nach Radebeul und kaufte sich ein Anwesen, welches er als Sanatorium einrichtete, da er viel Wert auf eine gesunde Lebensweise legte und seine finanziellen Mittel dies mittlerweile auch zuließen. In das Sanatorium kam dann auch die Gattin von Karl May zu Besuch, um etwas für ihre Gesundheit zu tun. Damit war der Weg für die Freundschaft zu Karl May geebnet. Sie feierten fortan ihre Winzerfeste gemeinsam und trafen sich auch zu Skatabenden.

André Neubert ergänzte die Geschichte um die beiden Bestsellerautoren und meinte mit einem Schmunzeln, dass man sie heute als „geniale Spinner“ bezeichnen würde. Immerhin gelang es ihnen, den Nerv der damaligen Zeit zu treffen. Bilz informierte auf einfache Weise über die Gesundheit, und May entführte die Leser seiner Bücher in die spannende Welt der Indianer und der unendlichen Freiheit. „Dabei ist es aber immer wichtig, die beiden Persönlichkeiten aus dem Blickwinkel der damaligen Zeit zu betrachten“, so der Museumsleiter aus Hohenstein-Ernstthal, „denn erst dann versteht man, warum sie überhaupt so berühmt wurden“. Heutzutage würde man einen Friedrich Eduard Bilz des Abschreibens bezichtigen und Karl May der Irreführung. „Doch damals galten andere Gesetzmäßigkeiten, da ging es um das nackte Überleben, man arbeitete, um die Familie versorgen zu können und nicht, um Luxusgüter anzuhäufen“, informierte Neubert zum Schluss. Damit schließt sich also der Kreis, was den Meeraner und den Hohenstein-Ernstthaler zusammenführte.

Die Foto-Ausstellung „Friedrich Eduard Bilz – Wegbereiter der Naturheilkunde“, welche vom Fotoclub „Objektiv“ des Arbeitslosentreffs HALT zusammengestellt wurde, ist bis 30. Juni 2012 in der Stadtbibliothek Meerane zu sehen.

Friedrich Eduard Bilz kam zur Ausstellungseröffnung und dankte dem Meeraner Bürgermeister, dass man ihn über die Jahre hinweg in Ehren hält. Die Leiterin der Meeraner Stadtbibliothek Angelika Albrecht unterhielt sich mit Carmen Blechschmidt (re.), einer Ururenkelin von Bilz.
Getränkefachmann "Franz Hartmann" (l.) im Gespräch mit "Friedrich Eduard Bilz". Hartmann vermarktete die "Bilz-Brause" später unter dem Namen Sinalco Ines Schlösser, die 1. Vorsitzende des Arbeitslosentreffs HALT Hohenstein-Ernstthal e.V., gab Einblicke in die Biografie des berühmten Meeraner Naturheilkundlers.
Blick in die Fotoausstellung des Fotoclubs "Objektiv". Diese ist bis zum 30. Juni in der Meeraner Stadtbibliothek zu sehen. André Neubert, Museumsleiter des Karl-May-Hauses, berichtete über die Freundschaft zwischen den beiden Bestsellerautoren.

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