Ausstellung

 

„Wo einst gehobelt wurde“ und „Fast an jeder Ecke ein Bäcke“

Meeraner Heimatmuseum stellt bis 24. Oktober die Tradition der Meeraner Bäcker und Tischler vor

Wenn im Meeraner Heimatmuseum das Bäcker- und Tischlerhandwerk im Mittelpunkt steht, dann lassen sich die ansässigen Bäcker natürlich auch etwas einfallen. Zur Ausstellungseröffnung am 3. September 2010 konnten die Besucher leckeren Zwiebelkuchen von der Bäckerei Günther probieren, herzhafte Brezeln hatte die Bäckerei Käßner beigesteuert. Den Zwiebelkuchen hatte Bäckermeister Michael Dicke extra für die Ausstellungseröffnung gebacken, normalerweise ist dieser nicht im Sortiment, erzählte er. Gemeinsam mit seiner Frau Steffi sah er sich an diesem Abend die Ausstellung an und entdeckte dabei auch das eine oder andere Exponat, das sein Schwiegervater, Bäckermeister Manfred Günther, zur Ausstellung beigetragen hatte.

Eröffnet wurde die Ausstellung von Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer und Museumsleiter Andreas Kuhn. Professor Dr. Ungerer begrüßte die zahlreichen Besucher, darunter natürlich Vertreter der Bäcker- und Tischlerzunft. „In den vergangenen Tagen habe ich sensationelle Geschichten über die Bäcker und Tischler in der Meeraner Chronik gefunden“, sagte er und berichtete unter anderem von einem Meeraner Bäcker, dem die Stadtväter im Jahre 1583 androhten, einen weiteren Bäcker zuzulassen, da dessen Brot „zu nass und teigig“ war.
„Allem Leben, allem Tun, aller Kunst muss das Handwerk vorausgehen…“, zitierte Professor Dr. Ungerer aus Goethes „Wilhelm Meisters Wanderjahre“. Die Entwicklung des Handwerks war eng mit der Entwicklung der Städte verbunden. In den Städten gab es Märkte, Handel und Leben, hier entstanden Zünfte. Dabei war es gar nicht so einfach, als junger Mensch einen Handwerksberuf zu erlernen. Gefordert wurde damals unter anderem ein Fürsprecher, eine ehrbare Abstammung, der Bewerber hatte gesittet zu sein und es musste schon zur Anhörung ein Ladegeld gezahlt werden, der Lehrling musste also selbst Geld mitbringen, informierte der Bürgermeister. Nach der Lehre kamen dann Wanderzeit und freie Gesellenzeit. Während sich vieles bis heute geändert hat, ist die Tradition der Wanderzeit erhalten geblieben. „Wir freuen uns immer, Wandergesellen im Rathaus zu begrüßen. Unter diesen sind besonders viele Tischler und Zimmerleute“, sagte Professor Dr. Ungerer.

Die Macht der Zünfte brachte in Europa im weitesten Sinne Gewerbefreiheit, in Preußen 1810, in Sachsen 1861.
In Meerane ist eine Bäckerinnung – damals noch gemeinsam mit den Schneidern – seit 1604 belegt. Um das Jahr 1718 – Meerane zählte damals rund 1200 Einwohner - gab es nachweislich drei Bäcker. 1751 wird die Weiß- und Küchelbäckerinnung gegründet. Wenig später – Meerane zählt rund 1350 Einwohner – gibt es bereits 15 Bäckermeister. Um das Jahr 1860 gehören dann 43 Innungsmeister zur Bäckerinnung, kein Wunder, war Meerane doch inzwischen auf rund 15.000 Einwohner angewachsen. Die höchste Zahl an Bäckereien gab es im Jahr 1913 mit 86 Bäckern bei rund 24.000 Einwohnern.
Noch weiter zurück reicht die Geschichte der Meeraner Tischler. Als erster namentlich bekannter Tischler in der Stadt wird im Jahr 1568 Hans Pilzig erwähnt. Ein Schriftstück aus dem Jahr 1754 weist darauf hin, dass es bereits 1719 eine Tischlerinnung gab. Um das Jahr 1825 arbeiten 6 Tischler in Meerane, 1856 werden 28 Stadtmeister mit 24 Gesellen und 8 Lehrlingen gezählt. Nach dem 2. Weltkrieg gibt es 1948 noch 12 Tischler in Meerane.
Bezeugt sind aber auch frühe Auseinandersetzungen zwischen Meerane und Glauchau, erzählte Professor Dr. Ungerer. So durften Glauchauer nicht in Meerane, Meeraner nicht in Glauchau arbeiten.

Zum Abschluss dankten Professor Dr. Ungerer und Andreas Kuhn allen Leihgebern der Ausstellung und den Bäckermeistern für den schmackhaften Imbiss. „Zum Glück gibt es heute in Meerane viele Sammler, die uns unterstützen“, sagte Andreas Kuhn und dankte insbesondere Bäckermeister Manfred Günther, der für die Ausstellung viele Exponate zur Verfügung stellte.

Die Sonderausstellung „Wo einst gehobelt wurde“ und „Fast an jeder Ecke ein Bäcke“ wird bis 24. Oktober 2010 gezeigt.
Öffnungszeiten des Heimatmuseums Meerane, Altes Rathaus, Markt 3, Tel. 03764 / 20 27:
Montag bis Donnerstag 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr
Freitag 10 bis 13 Uhr
Sonntag 14 bis 17 Uhr


Backformen, Ausstechformen, Waagen, Mühlen, Konditorenbesteck und vieles mehr lässt sich in der Ausstellung zum Thema Bäcker entdecken.
Auf einer Karte sind alle früheren Standorte der Meeraner Bäcker angezeigt. Heute gibt es noch drei Bäcker in der Stadt. Bäckermeister Michael Dicke und seine Frau Steffi von der Bäckerei Günther schauten sich am Eröffnungstag die Ausstellung an.
Tischlerwerkzeug vergangener Zeiten: Sägen, Hobel, Feilen und vieles mehr.
 
 

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