Aktuelles (30.01.2009)

 

Anne-Frank-Ausstellung in der Stadtbibliothek

Die Stadt Meerane zeigt bis zum 9. Februar 2009 die Ausstellung „Anne Frank. Eine Geschichte für heute“, eine Leihgabe des Anne Frank Zentrums Berlin, in der Stadtbibliothek, August-Bebel-Straße 49.
Diese Ausstellung ist in ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Europäischen Gymnasium und der Tännichtschule integriert. Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen beschäftigten sich im Rahmen eines Anne Frank-Projektes im Unterricht mit dem Tagebuch von Anne Frank und dem bewegenden Schicksal dieses jüdischen Mädchens. Auch mit den inhaltlichen Schwerpunkten der Ausstellung setzten sich die Schüler auseinander und haben für Besucher Führungen vorbereitet.

Eröffnet wurde die Ausstellung zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2009 durch Bürgermeister Prof. Dr. Lothar Ungerer und ein Programm der Schülerinnen und Schüler der Tännichtschule und des Europäischen Gymnasiums. Zahlreiche Besucher, darunter Schüler, Eltern, Lehrer und interessierte Meeraner Bürger, waren zur Ausstellungseröffnung gekommen.
Seiner Ansprache setzte der Bürgermeister ein Zitat von Simone Veil, Ausschwitzüberlebende und von 1979 bis 1982 Präsidentin des Europäischen Parlaments voraus: „Der Holocaust, der Völkermord an den Juden ist allgegenwärtig. Nichts kann gelöscht werden: nicht die Transporte, nicht die Zwangsarbeit, nicht die Krankheit, der Tod, die Gaskammer, der Mangel an Schlaf, der Hunger, nicht die Demütigung, die Erniedrigung, die Schläge, die Schreie. Nein, nichts kann oder darf vergessen werden.“

Seit 1996 wird am 27. Januar mit einem nationalen Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, das symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Opfer des Nationalsozialismus steht, befreit.
„Zwei Leitgedanken verbinde ich mit dem heutigen Gedenktag: Zum einen: Geschichte ist ein fortgesetzter Dialog; ein Dialog, der die Welt von heute mit jener von gestern und der von morgen verbindet. Zum anderen die trauernde Erinnerung. Beides verkörpern die Projekte der Tännichtschule in den vergangenen Monaten, die heute kurz präsentiert werden“, sagte der Bürgermeister.

Die Meeraner Mittelschule Tännichtschule hatte in den vergangenen Monaten intensiv zu den Themenbereichen der nationalsozialistischen Verfolgung und des Völkermords gearbeitet. Im Rahmen des Projektes „Zeitzeugen begegnen Schülerinnen und Schülern“ waren im September 2008 zwei Überlebende des Holocaust, Frau Henrietta Kretz und Herr Marian Majerowicz, zu Gast an der Tännichtschule. Im November 2008 hatten Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Studienreise das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besucht.
„Im Focus des 27. Januar steht die historische Realität der nationalsozialistischen Mordpolitik. Im Zentrum der Vernichtungspolitik sind die deutschen und europäischen Juden mit 5,5 Mio. Toten. Nicht minder gedenken wir der weiteren Opfergruppen: Sinti und Roma, Euthanasieopfern, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, Bürgerlichen (freien) Demokraten, Christen, Homosexuellen und der slawischen Völker“, so Prof. Dr. Ungerer.
Drei Schülerinnen der Klasse 10 berichteten im Anschluss über ihre Erlebnisse und Eindrücke der Studienreise nach Oswiecim und zum KZ Auschwitz und zeigten in einer Präsentation erschütternde Bilder ihres Besuches dieses Vernichtungslagers, in das auch die Familie von Anne Frank deportiert wurde.

Die Familie von Anne Frank lebte seit 1934 im Exil in den Niederlanden und ab 1942 in einem Versteck in Amsterdam. 1942 begann Anne mit ihrem Tagebuch, das ihr Vater Otto Frank nach dem Krieg veröffentlichte. Am 4. August 1944, nachdem ihr Versteck verraten worden war, wurde die Familie von der Gestapo verhaftet und am 3. September nach Auschwitz deportiert. Anne und ihre Schwester Margot kamen später ins KZ Bergen-Belsen. Im März 1945 breitete sich dort eine Thypus-Epidemie aus, die ca. 17.000 Gefangene, darunter Anne Frank und ihre Schwester Margot, tötete.

In einem kurzen Theaterstück stellten drei Schüler des Europäischen Gymnasiums das Tagebuch von Anne Frank vor und luden auf einen Besuch der Ausstellung ein. Interessierte Gäste führten die Schüler im Anschluss durch die Ausstellung. Die Schüler laden auch während der Ausstellungszeit bis zum 6. Februar 2009 Besucher zu einem Rundgang von ca. 30 Minuten durch die Ausstellung ein. Anmeldungen bitte über die Stadtbibliothek, Tel. 03764 / 18 67 41.

Am Vormittag des 27. Januars 2009 fanden in der Stadtbibliothek Meerane zwei Lesungen gegen das Vergessen statt. Der Erfurter Autor Henning Pawel las für Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse des Europäischen Gymnasiums und der Tännichtschule aus seinem Buch „Miriam Sternenkind“. Eine Tante von Henning Pawel, Flora, hatte im Frauenorchester Auschwitz gespielt. Sie überlebte die KZ-Zeit und ist erst vor kurzem verstorben. Mitgebracht hatte er auch verschiedene Zeitdokumente, zum Beispiel der Judenstern seines Vaters, Judenausweise und Lebensmittelkarte für Juden.

 
 
 
Schülerinnen der Tännichtschule.
 

Schüler des Europäischen Gymnasiums.

 

 

 

 

 

 

 

Lesung  mit dem Erfurter Autor Henning Pawel.


<< zurück